Mein Name ist Berardi. Domenico Berardi. Und ich bin das vielleicht größte Sturmjuwel Italiens

Bis vor einigen Tagen war mir, gewissermaßen als „Serie A-Laie“, der Verein US Sassuolo nicht unbedingt Begriff. Warum auch? Hält sich der 1922 gegründete Club in seiner Vergangenheit doch auch öfter in der Serie C und D, als in den höheren italienischen Spielklassen auf. Doch 2012/2013 gelingt den Sassuolonern eine Saison, die zum Aufstieg in die Serie A führt. Schon jetzt ein historischer Erfolg.
So darf man sich in Sassuolo seit August 2013 mit den Topteams Italiens messen. Für einige (noch) wenig bekannte Jungprofis die Möglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen und nachhaltig in Erinnerung von Trainern, Talentscouts und Fans zu bleiben.

Einer, der spätestens seit letztem Sonntag (12. Januar 2014) auf unzähligen Notizblöcken unter der Kategorie „Kaufen!“ auftaucht, ist Domenico Berardi. Berardi. Ein Name, wie eine Automarke, der vor heimischem Publikum dem AC Mailand „mal eben“ vier Tore einschenkt und seinem abstiegsbedrohten Team den überraschenden Heimsieg gegen Balotelli, Kaká und Co. beschert.
Reiner Zufall? Keineswegs. Denn der 19-Jährige, der im malerischen Cariati Marina im Süden Italiens das Licht der Welt erblickt, könnte sich zu einer der ganz großen Nummern in der aktuellen Serie-A-Spielzeit entwickeln.

Berardi

Der kommende nächste italienische Fußballstar? Foto: © Facebook

Beim Freizeit-Kick entdeckt, im Probetraining überzeugend

Der Legende zufolge besucht Berardi vor drei Jahren seinen Bruder, der im 20 Kilometer von Sassuolo entfernten Modena studiert. Beim gemeinsamen Kicken überrascht der Linksfuß alle. Als ein Mitspieler ihm zunächst aus Gag ein Probetraining beim FC Sassuolo ans Herz legt, weiß er wohl selbst nicht so genau, was er mit diesem Tipp anfangen soll.

Doch er nimmt sich der Aufgabe an, spielt vor und erhält prompt einen Jugendvertrag – mit 16 Jahren. So etabliert er sich mehr und mehr in Italiens Jugendliga, bevor sein 18. Geburtstag immer näher kommt und sein Club ihm im Sommer 2012 das vielleicht größte Geschenk macht: Er darf ab sofort bei den Profis mitmischen.

Debütjahr in der Serie B endet mit Meisterschaft und dem ersten Aufstieg Sassuolos

Dabei muss er sich, trotz seines jungen Alters, nicht lange hinten anstellen und erzielt als anfänglicher Einwechselspieler bereits in seinem zweiten Spiel bei den Profis sein erstes Tor, das entscheidend zum 2:1-Heimerfolg gegen den FC Crotone beiträgt (1. September 2012). Anschließend entwickelt er sich mehr und mehr zur offensiven Allzweckwaffe, die man aufgrund seiner Wendig- und Schnelligkeit sowohl Links-, Rechtsaußen oder im Sturmzentrum anwenden kann. Der mit der Zeit längst überfällige Stammplatz folgt wenig später, als er immer mehr aufblüht.

Im Alles-oder-nichts-Spiel am letzten Spieltag gegen Livorno lässt er sich, nach insgesamt 11 Toren und 5 Assists, in der Schlussviertelstunde zu einer Tätlichkeit hinreißen und zerstört damit fast die Früchte einer ganzen Spielzeit. Diese rettet dann allerdings sein Teamkollege Simone Missiroli, als er in der 6. Minute der Nachspielzeit den 1:0-Siegtreffer erzielt und die Zweitligameisterschaft Sassuolos unter Dach und Fach bringt.

Serie A als Sprungbrett zur großen europäischen Fußballbühne?

Und auch in Italiens höchster Spielklasse geht das Wunder „Berardi“ weiter. Zwar muss er durch die Tätlichkeit mitansehen, wie sein Team in den ersten vier Ligapartien teilweise (wie beim 0:7 gegen Inter Mailand am 22. September 2013) zerlegt wird und mit null Punkten auf dem letzten Tabellenplatz landet.

Als die Sperre zu Ende ist, steht er sofort in der Startelf – und zieht mit Sassuolo die ersten Punkte an Land. Am ersten Saisonsieg Sassuolos ist Berardi maßgeblich beteiligt, als er am 3. November 2013 im Auswärtsmatch gegen Sampdoria Genua mit einem Hattrick (darunter gleich zwei Elfmeter) sowie einer Torvorlage den 4:3-Sieg perfekt macht. Es sind zu diesem Zeitpunkt bereits seine Saisontore Nummer drei, vier und fünf.

Sein Formhoch hält auch in den folgenden Spielen an, sodass ihm am 10. November 2013 durch einen Linkschuss in allerletzter Minute (90. + 4) der Ausgleich gegen Tabellenführer AS Rom gelingt.

Nach kleinem Formtief folgt eine Glanzleistung gegen den AC Mailand

Im Anschluss muss er eine Gelbsperre absitzen und stemmt sich erfolglos gegen eine Niederlagenserie, die bis letzten Sonntag anhält.
Im Heimspiel gegen den großen AC Mailand platzt nicht nur beim gesamten Team, sondern genauso bei Berardi der spielerische Knoten. Dabei liegt Sassuolo nach einer Viertelstunde bereits 0:2 in Rückstand, bevor er noch in Halbzeit eins einen lupenreinen Hattrick (15., 28., 41.) markiert.

In der zweitel Hälfte legt er sogar kurz nach Wiederanpfiff zum 4:2 (11. Saisontreffer) nach. Eine Führung, die der US Sassuolo über die Zeit bringt, obwohl Riccardo Montolivo in der 86. Minute den Anschlusstreffer für Milan erzielt. Wenige Minuten später ist Schluss und die „Domenico Berardi Show“ vorüber (der sich allerdings schon in der 78. Spielminute bei seiner Auswechslung feiern lassen kann).

Vergeben an eine „Alte Dame“

Nicht auszuschließen, dass sich nach vier Toren gegen den traditionsreichen AC Mailand die Man Citys, FC Chelseas oder Paris St. Germains dieser Welt kurzerhand seine Mobilfunknummer sicherten. Dabei dürften sie wohl (wenn überhaupt) nur geringe Chancen auf eine Verpflichtung von Domenico Berardi besitzen, denn Juventus Turin kommt ihnen bereits im September 2013 zuvor und sichert sich für 4,5 Millionen Euro 50 % der Transferrechte (im Tausch gegen Luca Marrone).

Ein Deal, der sich für die „Alte Dame“ wohl lohnen dürfte, wenn Berardi so weitermacht wie bisher. Zumal Juve im Sturmzentrum mit Tévez, Llorente und Quagliarella über Profis verfügt, die in einigen Jahren ihren fußballerischen Zenit hinter sich haben. Dann, wenn Domenico Berardi wohl erst so richtig in Fahrt kommt, voraussichtlich ihr Erbe im Juve-Sturm antritt und damit wohl ebenso die internationale Fußballbühnen (Champions-League, mit Italien Europa-/Weltmeisterschaften) unsicher macht.

2 Gedanken zu „Mein Name ist Berardi. Domenico Berardi. Und ich bin das vielleicht größte Sturmjuwel Italiens

  1. Flancer

    Na eben. Zumal er auch noch einen Tick schneller ist als Del Piero und so die Außenbahnen entsprechend beackern kann, was ihn positionstechnisch noch flexibler (und wertvoller) macht. Dass da immer ein bisschen „italienisches Temperament“ mitschwingt, kann man dann wohl auch verkraften (wenn sich das nicht in jedem Spiel zeigt).

  2. Folka

    Solange er die Tätlichkeiten lässt ist er auf dem Weg zu einem ganz Großen! Gar der neue Del Piero?!

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