Manuel Neuer im Duell mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo: Kann ein Torwart Weltfußballer des Jahres werden?

Ein Profi-Fußballtorwart kann als Einzelspieler heutzutage unterschiedliche Titel gewinnen: Torhüter des Jahres, Welttorhüter des Jahres, Spieler des Jahres (national), Europas Fußballer des Jahres, sogar „Welttorhüter des 21. Jahrhunderts“ (obwohl das Jahrhundert noch um die 85 Jahre geht) und die Torjägerkanone (Jörg Butt kam bspw. als torhungriger Keeper 1999/2000 mal auf 9 Bundesligatore) sind theoretisch möglich – und natürlich die Auszeichnung zum Weltfußballer des Jahres. Dass ein Keeper tatsächlich Weltfußballer des Jahres wird, den FIFA Ballon d’Or entgegennimmt, hat es allerdings bisher noch nie gegeben. Die wohl bedeutungstragendste Einzelauszeichnung im Fußballsport war bisher meist nur Ballzauberern wie Ronaldinho (2004, 2005), Zinedine Zidane (1998, 2000, 2003) oder Leo Messi (2009-2012) vergönnt.
Eine Ausnahme bildete der italienische Innenverteidiger Fabio Cannavaro, der 2006 zum Weltfußballer des Jahres ernannt wurde, nachdem er u.a. als Kapitän mit fantastischer Defensivarbeit sein Land zum Weltmeistertitel führte. Er dürfte ein Mutmacher für Manuel Neuer sein, der in diesem Jahr ebenfalls die Weltmeistertrophäe in den Händen gehalten hat – und nun gemeinsam mit Leo Messi und Cristiano Ronaldo unter die drei Kandidaten des Ballon d’Or 2014 nominiert wurde.

Hat Manuel Neuer bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2014 überhaupt eine Chance gegen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi?

Ein Problem für Neuer: Seine Leistungen lassen sich schwer vom Papier ablesen, wie das bei seinen Mitkonkurrenten möglich ist. Klar: Wer wettbewerbsübergreifend in 2013/2014 51 Tore in 47 Spielen für Real Madrid (Cristiano Ronaldo) oder 41 Buden in 46 Partien für den FC Barcelona (Leo Messi) erzielte, hat mit Sicherheit eine herausragende Spielzeit hinter sich. Um die Qualität der fußballerischen Leistung eines Manuel Neuer einzuschätzen, muss man diverse Spiele mit ihm gesehen haben, sich darüber bewusst sein, warum er mittlerweile Spitznamen wie „Torwart-Libero“ oder „Supermanu besitzt.

Denn es sind nicht nur die Glanzparaden, die ihn auszeichnen. Er ist für seine Torhüterverhältnisse enorm technisch beschlagen, was dazu führt, dass er Zuspiele auch mal per Hackenpass weiterleitet, mit gezielten Abwürfen und -stößen Angriffe initiiert, im Falle eines Elfmeterschießens auch ohne mit der Wimper zu zucken das Leder in die Maschen jagt. Das alles im Zusammenspiel mit seiner imposanten 1,93-Meter-Statur sorgt dafür, dass er ein enormes Standing genießt, das ihm (beim Gegner) den Spitznamen „The Wall“ beschert, da er regelmäßig reaktionsschnell 1on1-Situationen für sich entscheidet.

Eintrag in den Sportgeschichtsbüchern ist Manuel Neuer bereits sicher

Ganz egal, wie die Trainer und Kapitäne der Nationalmannschaften sowie die Medienvertreter am 12. Januar 2015 in Zürich abstimmen: Allein mit seiner Nominierung unter die Top 3 gelingt Manuel Neuer bereits etwas Historisches. Er ist nach Oliver Kahn (2002) erst der zweite Torhüter überhaupt, der jemals in die nähere Auswahl zur Weltfußballerwahl gekommen ist (zudem nach „Loddar“, „Icke“ Häßler, „Klinsi“ und dem Torwart-Titan erst der fünfte deutsche Kicker, der bei einer Weltfußballerwahl seine Berücksichtigung findet).

Er hat seine eigene Wachsfigur bei Madame Tussauds, entwickelt sich dank „YTITTY“ zum viralen Hit, hat mehr Facebook-Follower als Bulgarien Einwohner (7,52 Millionen). Mit den Bayern macht er bald wohl wieder Triple, Quadruple, Quintuple (or whatever) klar, ist Welttorhüter des Jahres 2013 (und möglicherweise auch 2014). Kurzum: Es könnte fast nicht besser laufen für Manuel Neuer.
Ohne Frage: Der Titel „Weltfußballer des Jahres 2014“, der FIFA Ballon d’Or 2014, würde seine herausragende Fußballerkarriere vorzeitig (er ist erst 28 Jahre jung, damit in Torhüterkreisen noch ein junger Hüpfer) krönen. Geht er doch seit vielen Monaten bodenständig wie souverän (nahezu tadellos) seiner Arbeit nach und versucht stetig den besten Ballartisten dieser Welt (wie Messi, Cristiano Ronaldo oder Lord Bendtner) den Torabschluss zu vermiesen. Und vielleicht ja auch den Ballon d’Or. Er hätte es auf jeden Fall verdient.