Kein Platz mehr für Kevin Großkreutz: Dortmunder Urgestein und Fanidol vor Abschied?

In Dortmund geboren, in Dortmund zu Haus: Wenn das auf einen Spieler von Borussia Dortmund zutrifft, dann ohne Weiteres auf Kevin Großkreutz. Besonders hinter ihm liegt eine schwierige Spielzeit 2014/2015, nachdem er erst mit seinem Herzensverein ans Tabellenende rutschte und dann einen Muskelbündelriss sowie eine weitere Knie-OP durchmachte. Eine Zeit, in der sich die Dortmunder in der Bundesliga (ohne ihn) von Platz 18 Richtung Platz 7 ballerten und dort auch die (durch und durch verkorkste Saison) beendeten.

Und nun? Neue Spielzeit, neues Glück? Jürgen Klopp ist Vergangenheit und Thomas Tuchel gibt jedem Profi seines Kaders eine neue Gelegenheit, um sich zu beweisen. Das gilt genauso für Kevin Großkreutz, der sich langsam wieder ins Team zurückarbeitet und noch Trainingsrückstand besitzt. Darum war er im CL-Qualifikations-Hinspiel (30. Juli 2015) in Klagenfurt noch nicht im Kader und dennoch Gesprächsthema Nummer eins. „Seit Wochen hat keiner mehr mit mir geredet“, wird er zuhäuf in den Medien zitiert. Dass die Aussage sich auf seine Vertragsverlängerung bei den Borussen bezog: Geschenkt! Da hat die „Sport Bild“ in Sachen Interviewverschriftlichung wieder ganze Arbeit geleistet.

Zumindest die BVB-Verantwortlichen (Trainer Tuchel, Sportdirektor Zorc) deuteten die Aussage ebenfalls auf die allgemeine sportliche Situation bezogen. „Das ist nicht, wie wir miteinander umgehen“, sagte Tuchel und Zorc fuhr fort: „Er soll sehen, dass er wieder in Form kommt und nach seiner Verletzung wieder die Trainingseinheiten absolviert.“. Wahre Worte zwar, doch warum löst man dieses scheinbare Missverständnis nicht zuerst intern, sondern über die Presse? Ist es nicht nachvollziehbar, dass Großkreutz hier wieder gezielt durch den Dreck gezogen werden könnte? Klar, aufgrund seiner intellektuell überschaubaren Interviews (Ja und? Er ist Fußballer und kein Literaturnobelpreisträger) und der Dönerwerf-Hotellobbypinkel-Mentosmann-Vorgeschichten besteht für viele nun eben mal wieder ein Anlass, über ihn abzuledern.

Dabei war längst klar, dass es auch für den gesunden Kevin Großkreutz äußerst schwer wird, sich seinen einstigen Stammplatz zurückzuerobern. Seine Konkurrenz: Reus, Hofmann, Kampl, Kuba. Normalerweise käme Aubameyang auch noch hinzu, der allerdings im Sturmzentrum (wie schon vorher teilweise in Saint-Étienne) abgehen soll. Bleibt da noch Platz für einen Großkreutz?

Natürlich könnte er im Fall aller Fälle auch als Außenverteidiger aushelfen. Dass (die verletzungsanfälligen) Schmelzer, Pisczcek, Durm und Co. hier aber bessere Leistungen abrufen, ist ein offenes Geheimnis. Kaum vorstellbar, dass er seinen Vertrag absitzt, der am 30. Juni 2016 ausläuft. Dabei hat er sich sportlich in Sachen Einsatz und Ehrgeiz wohl absolut nichts vorzuwerfen. Er brennt für seinen BVB, für den für ihn „geilsten Club der Welt“, wie er mal in einem Interview sagte.

Und doch bleibt ihm scheinbar keine andere Wahl, als in den nächsten Wochen über einen Vereinswechsel nachzudenken (oder gar zuzustimmen). Es dürfte die einzige Möglichkeit sein, wenn er sich sportlich zurückmelden und sich für eine Berücksichtigung für die EM 2016 empfehlen möchte (und das wird schwer genug beim derzeitigen Überangebot an Flügelspielern im DFB-Kader). Ich könnte ihn mir gut bei Köln, Frankfurt oder den Aufsteigern aus Ingolstadt/Darmstadt vorstellen. Den Herthanern könnte ein Kämpfer wie Großkreutz auch durchaus stehen.