Besuch in der Red Bull Arena: Das Ostderby zwischen Rasenballsport Leipzig und Union Berlin

Nachdem ich mit dem Erdgas Sportpark bereits das Fußball-Wohnzimmer des Halleschen FC gesehen hatte, war es an der Zeit, sich das Zentralstadion (neuerdings: Red Bull Arena) in Leipzig zu genehmigen. Und wo könnte das besser gelingen als beim Derby zwischen Rasenballsport Leipzig und Union Berlin? Wenige Minuten und Klicks später hatte ich mir ein Ticket für das Freitagabendspiel (19. Februar 2016) gesichert – und die Tour nach Leipzig konnte beginnen.

Ticket ins Glück? Auf gutes Wetter hoffend sicherte ich mir einen Platz im Unterrang an der Südseite des Stadions.

Ticket ins Glück? Auf gutes Wetter hoffend sicherte ich mir einen Platz im Unterrang an der Südseite des Stadions.

Die dezent durchkommerzialisierten Leipziger, aktueller Tabellenführer (und wohl kommender Bundesligist), gegen die bescheidenen Kämpfer aus Köpenick (und bis dato beste Mannschaft der Rückrunde). Zwei Vereine, deren Vereins- und Sportphilosophie doch einige Welten trennen.
Und sportlich? Hier gingen die Rasenballsportler aus Leipzig trotz des Formhochs der Unioner als Favorit ins Spiel, auch wenn sie zuletzt beim Zweitliga-Spitzenspiel am Millerntor (12. Februar) mit 0:1 den Kürzeren zogen.

Die Anfahrt zum Stadion

Nachdem ich auf dem Weg vom Leipziger Hauptbahnhof in Richtung Sportforum unfreiwillig an einem munteren Vortrag über die Fußballgeschichte Leipzigs wurde, stand ich wenige Minuten später schon im direkten Umfeld der Red Bull Arena.
Hierbei ist es ziemlich skurril anzusehen gewesen, wo sie sich befindet: Sie steht auf einer Erhebung und ragt dadurch (schon allein aufgrund der Größe und Lichter) noch ein Stück mehr hervor als das so schon der Fall ist.

Nachdem mir das überraschend freundliche („Guten Abend. Freuen Sie sich auf das Spiel?“) Sicherheitspersonal den Einlass erlaubte, wurde mir auch schon ein „Heimspiel Flugblatt“ in die Hand gedrückt. Ein gefaltetes (und wirklich ansprechend aufgearbeitetes) Informationspapier im handlichen A6-Format, das einen alle wichtigen Informationen zum bevorstehenden Spiel (und ein Interview mit einem RB-Profi + Poster) liefert.

Hallo Red Bull Arena

Nach einigen Treppenstufen stand sie dann vor mir und erstrahlte: die Red Bull Arena.

Allein die Außenfassade mit Blick ins Innere deutete an, dass es sich hier um keine traditionelle (sondern hochmoderne) Spielstätte handelt. Ein Eindruck, der sich an diesem Abend noch einige Male wiederholen sollte.

Allein die Außenfassade mit Blick ins Innere deutete an, dass es sich hier um keine traditionelle (sondern hochmoderne) Spielstätte handelt. Ein Eindruck, der sich an diesem Abend noch einige Male wiederholen sollte.

Aber genug der Fassade: Es war Zeit für die inneren Werte, für einen ersten Blick in die Arena.

Der Blick auf das Spielfeld auf Höhe der Mittellinie. Kostenpunkt eines Tickets hier (höchste Preiskategorie): 30 Euro (ermäßigt 25).

Der Blick auf das Spielfeld auf Höhe der Mittellinie. Kostenpunkt eines Tickets hier (höchste Preiskategorie): 30 Euro (ermäßigt 25).

Sympathisch: Die verschiedenen Zuschauerbereiche (Ausnahme: Fan- und Gästeblock) sind nicht (wie beispielsweise im Berliner Olympiastadion) mit Plastikwänden voneinander abgetrennt. Das hat den Vorteil, dass man quasi vor dem Anpfiff einmal quer das Stadion ablaufen und aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Weitere Ausnahme: der VIP-Bereich, in dem man es sich für 400 Euro pro Ticket bequem machen kann.

Während ich herumwanderte, machten sich die Profis und Schiedsrichter auf dem Platz warm und das Stadion füllte sich. Wie viele Fußballverrückte wohl zum Ostderby kommen würden? Vielleicht doch weniger als erwartet? Aus irgendeinem Grund blieb der Gästeblock mit den Fans von Union Berlin komplett leer.

Das Spiel beginnt

Wenig später ertönte (Gästeblock weiterhin leer) die RB-Leipzig-Hymne, die Kicker betraten das Feld und das Fußballmenü war angerichtet.

5-Die-RB-Hymne-ertönt

6-Es-ist-angerichtet

Die Leipziger gaben von Beginn an den Takt an und belohnten sich früh nach einem schnellen Spielzug über die linke Seite, den Kapitän Dominik Kaiser zum 1:0 abschloss (13. Minute).

Ein Weckruf für Union Berlin, auch weil ab der 15. Spielminute ihre Fans ins Stadion strömten (und ihre Protestaktion gegen Rasenballsport Leipzig beendeten)? Leider nein. Die Bullen machten weiter Druck auf das Gehäuse der Berliner. Das führte zu einem Freistoß, bei dem der Ball vor dem ungedeckten Willi Orban landete, der zum 2:0 einnetzte (25. Minute).

Die Rasenballsportler hatten bis zur Pause eine weitere Großchance durch Emil Forsberg (38. Minute), der an einer prima Parade von Jakob Busk scheiterte. Es fielen keine weiteren Tore in der ersten Halbzeit (in der von Union Berlin offensiv gar nichts zu sehen war).

Die Bullen aus Leipzig lagen im Heimspiel gegen Union Berlin zur Pause verdient mit 2:0 in Front.

Die Bullen aus Leipzig lagen im Heimspiel gegen Union Berlin zur Pause verdient mit 2:0 in Front.

Das war für mich der Moment, das Speisen- und Getränkeangebot zu begutachten. Ich entschied mich für eine Currywurst mit Brötchen für 3,50 Euro (und verzichtete auf ein Getränk – viele Red-Bull-Variationen standen zur Auswahl). Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass das mit die beste Stadionwurst war, die ich jemals verputzt hatte. Das Brötchen unfassbar frisch (gutes Omen), die Wurst genau richtig gebraten und in Kombination mit Ketchup und Curry überraschend gut abgestimmt.

Ebenfalls verrückt: Die Plastikbecher im Stadion besitzen am Griff eine Einkerbung, die mit der Passform der Sitzlehnen harmoniert (=ideale Becherhalter). Ein weiteres Indiz dafür, dass hier bei den Modernisierungsarbeiten an wirklich viele Dinge gedacht wurde. Genug gemümmelt. Die zweite Halbzeit wartete.

Union mit Schwung in die zweite Halbzeit?

„Kann Union hier noch Akzente setzen?“, fragten sich sicherlich die Gästefans vor dem Wiederanpfiff. Und erhielten früh eine Antwort. Denn Leipzig gab den Ball weiterhin ungern her, spielte munter nach vorne – und erzielte in der 52. Minute das 3:0 durch Poulsen (der mir in der ersten Hälfte durch starke Dribblings, aber auch eine ekelhafte Theatralik aufgefallen war).

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Die Vorentscheidung. Die Bullen ließen es nun sichtbar ruhiger angehen, doch die Angriffsbemühungen der Berliner blieben weiter harmlos. Das Spiel flachte ab. Davon hatte Schiedsrichter Felix Brych dann gegen 20:15 Uhr ebenfalls genug und pfiff (ohne Nachspielzeit) ab.

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Leipzig bleibt Tabellenführer (und ist am Freitag, 26. Februar, zu Gast in Paderborn), während die Unioner auf Rang 12 liegen (und ebenfalls kommenden Freitag im Heimspiel den Karlsruher SC begrüßen).

Mit diesen doch vielfältigen Eindrücken ging es für mich zurück nach Halle. Ich werde mir im April/Mai bestimmt noch ein weiteres Heimspiel von Rasenballsport Leipzig anschauen, die („durchkommerzialisiert“ hin oder her) einen sehenswerten Angriffsfußball spielen und eine auf ihre eigene Art und Weise beeindruckende Arena haben.

Ein Gedanke zu „Besuch in der Red Bull Arena: Das Ostderby zwischen Rasenballsport Leipzig und Union Berlin

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