Kopf hoch, Edin Dzeko!

Gewusel im Strafraum und mehrere Spieler grätschen und ackern um das runde Leder. Mit einem Mal landet die Pille genau vor deinen Füßen, weil du mit so etwas gerechnet, dich entsprechend fre gelaufen hast. Für wenige Sekunden stehst du unbedrängt, hast freie Schussbahn und die Wahrscheinlichkeit, die Bude zu machen, ist wohl höher als sie zu versieben.

Und dann folgt ein einzigartiger, wunderbarer und zielgenauer Schuss – neben das Gehäuse. Einen Moment, den nicht nur ich zu gut kenne, sondern auch die großen Kicker dieser Welt. Zum Beispiel Mario Gomez gegen Österreich. Oder Marko Arnautovic gegen Deutschland? Ja, selbst Cristiano Ronaldo hat schon einmal das Visier im entscheidenden Moment verrissen.

Aus diesem Grund muss sich Edin Dzeko (derzeit beim AS Rom und unvergessener Sturmpartner von Grafite im Wolfsburger Meisterjahr 2009) für die Szene nicht grämen, die ihm im Ligaspiel (21. Februar 2016) gegen den US Palermo passiert ist.

Ohne Frage: ein Fehlschuss. Aber weiß man das in solchen Momenten unmittelbar danach nicht sowieso? Wenn ein derart sicheres Tor dann doch nicht gelingt, ist das so tragisch, dass es schonwieder (bzw. für die Zuschauer sowieso) amüsant ist.

Statt sich danach selbst auszuwechseln oder in der hintersten Ecke des Stadions zu verkriechen, hat Edin Dzeko das einzig Richtige, nämlich unverändert weitergemacht. Sekunden später traf er zum 1:0, legte seinen Mitspielern zwei Tore auf und erzielte in der 89. Spielminute sein zweites Tor des Tages zum 5:0-Endstand. Und das alles trotz (besser: gerade wegen) des Patzers zu Beginn. Weiter so, Edin.