Hinter den Kulissen: Ein Rundgang durch den Erdgas Sportpark in Halle

Im vergangenen Oktober schaute ich mir den Erdgas Sportpark das erste Mal live bei einem Heimspiel des Halleschen FC an. Damals waren 6.132 Zuschauer neben mir daran interessiert, sich das Heimspiel gegen Fortuna Köln anzuschauen (das 1:1 endete).

So schaut der Erdgas-Sportpark an normalen Spieltagen aus. Hier ein Schnappschuss aus dem Heimspiel gegen Fortuna Köln.

So schaut der Erdgas Sportpark an normalen Spieltagen aus. Hier ein Schnappschuss aus dem Heimspiel vom 31. Oktober 2015 gegen Fortuna Köln. Die Spielstätte fasst insgesamt 15.065 Zuschauer.

Damit waren trotz des fantastischen Wetters etwas weniger als die durchschnittliche Zuschauerzahl in der Spielzeit 2015/2016 (Stand 22. Februar 2016) vor Ort (Überblick über die Zuschauerzahlen im Erdgas-Sportpark).

Wenig später erfuhr ich, dass man sich ebenfalls zu Stadionführungen (6 Euro pro Ticket) anmelden könnte. Einmal hinter die Kulissen des Erdgas Sportparks blicken? Das wollte ich sehen. Und sicherte mir eine Karte für den Rundgang am 17. Februar 2016.

Am besagten Mittwoch schien am Morgen die Sonne. Es war quasi optimales Stadionführungswetter und ich hoffte, dass das bis zum Nachmittag so bleiben würde. Dann tauchten mit jeder Stunde mehr graue Wolken auf, die letztlich gegen 15 Uhr sich dafür entschieden, Schnee und Regen gen Erdboden zu schicken. Warm anziehen war also angesagt. Um 16 Uhr startete die Führung vor dem Marathontor (an der Nordseite des Stadions, angrenzend an die Kantstraße).

Das Marathontor am Erdgas-Sportpark steht unter Denkmalschutz und versammelt einiges an Fußballhistorie der Stadt Halle.

Das Marathontor am Erdgas Sportpark steht unter Denkmalschutz und versammelt einiges an Fußballhistorie.

Kurzer historischer Rückblick zu Beginn

Dieser Treffpunkt ist natürlich nicht zufällig gewählt. Das Marathontor und die sich angrenzenden historischen Figuren und Gedenktafeln deuten an, dass dieser Ort bereits eine umfassende Geschichte erzählen kann. Angefangen bei Kurt Wabbel, der in Halle in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts jede Menge bewegte und bis 2010 Namensgeber der Spielstätte des Halleschen FC war. Dann wurde das Kurst-Wabbel-Stadion abgerissen und auf seinem Grund der Erdgas Sportpark errichtet.

Ebenfalls eindrucksvoll ist eine Gedenktafel, die an den 26. September 1997 erinnert, an dem sich ein tragisches Unglück ereignete. Vor dem Stadtderby zwischen dem Halleschen FC und dem VfL Halle 96 sollte ein Fallschirmspringer den Spielball ins Stadion bringen. Doch sein Fallschirm öffnete sich nicht. Er stürzte direkt vor den Toren des Kurt-Wabbel-Stadions ab. Insgesamt vier Menschen starben. An diesen schwarzen Tag in der Sportgeschichte von Halle erinnern sich noch heute viele Zuschauer – auch ohne Gedenktafel.

Die Gedenktafel zum Unglück vom 26. September 1997, wenige Schritte vom Marathontor entfernt.

Die Gedenktafel zum Unglück vom 26. September 1997 ist wenige Schritte vom Marathontor entfernt.

Das Hauptgebäude im Erdgas Sportpark

Anschließend ging es auf das Stadiongelände, das sonst den Zuschauern nicht zugänglich ist. Aus dem Hauptgebäude kamen an diesem winterlichen Mittwochnachmittag Kicker wie Stürmer Osayamen Osawe oder Mittelfeldspieler Sören Bertram, die gerade ihre Trainingsschicht im Fitnessbereich des Stadions beendet hatten.

Ein Blick auf das Hauptgebäude auf dem Stadiongelände des Halleschen FC.

Nach einigen weiteren Ausführungen zum Stadion und dem Drumherum ging es ins Innere des Komplexes. Der Treppenaufgang zum VIP-Raum wurde mit Spielerporträts der Aufstiegself von 2012 und amüsanten Fußballerzitaten ausgeschmückt.

Außerdem befindet sich hier eine kleine Hommage an „Zaubermaus“ Dariusz Wosz, den vielleicht bekanntesten Ex-Profi des Halleschen FC, der später mit Hertha BSC in der Champions-League und für die deutsche Nationalmannschaft kickte. Keineswegs der einzige namhafte Profi, der beim HFC gespielt hat. Beispielsweise trug auch Christian Tiffert (ehemals VfB Stuttgart, 1. FC Kaiserslautern u.a., in Halle geboren) das Trikot der Rot-Weißen.

Der VIP-Raum selbst ist schnell erklärt. Jeder Hallenser kann ihn für Feste, Feiern o.ä. zu (so meinte unser Betreuer) erschwinglichen Preisen mieten. Möchte man es sich an Spieltagen des Halleschen FC hier gut gehen lassen, ist das mit einem VIP-Ticket für 180 Euro möglich.

Wesentlich interessanter allerdings der Blick von der VIP-Tribüne auf das Spielfeld. Dieser war zwar im menschenleeren Stadion von überschaubarer Dynamik, aber dennoch eindrucksvoller als der VIP-Raum zuvor.

Der menschenleere Erdgas-Sportpark mit Blick vom VIP-Bereich.

Der menschenleere Erdgas-Sportpark mit Blick vom VIP-Bereich.

Spielertunnel und Kabine im Erdgas Sportpark

Anschließend ging es hinunter an den Rasen, bei dem gerade die Rasenheizung das grüne Geläuf auf das anstehende Heimspiel gegen den SG Großaspach (Endstand 4:1) vorbereitete. Danach wurden die Katakomben des Stadion, also Spielertunnel, Gästekabine („Die Kabine des HFC ist das zweite Zuhause der Spieler. Die ist tabu. Da war selbst ich noch nie drin“, so unser Betreuer) und Aufbewahrungszelle (für Flitzer und gegen die Stadionordnung verstoßende Zuschauer) gezeigt.
In der Kabine plauderte unser Betreuer auch ziemlich unbefangen über einige Interna des Vereins. Zum Beispiel, dass die Spieler (ohne Auflauf-, Torprämien etc.) alle etwa zwischen 4.000 und 5.000 Euro brutto verdienen würden.
Zudem hoffte er sehr, dass Coach Stefan Böger dem Club über die Spielzeit 2015/2016 erhalten bleibe. Eine Hoffnung, die sich genau einen Tag später erfüllte: Stefan Böger bleibt. Zwar nicht als Trainer, dafür aber als Sportdirektor.

Bereit für den Anpfiff? Der Spielertunnel im Erdgas-Sportpark soll den Kicker des HFC motivieren und beim Gegner Respekt erzeugen.

Bereit für den Anpfiff? Der Spielertunnel im Erdgas Sportpark soll die Kicker des HFC motivieren und beim Gegner Respekt erzeugen.

Abschluss der Stadionführung mit einer Pressekonferenz

Das Ende der rund 70-minütigen Führung bildete der Gang durch den Presseraum des Halleschen FC. Hier inszenierte unser Betreuer eine spontane Pressekonferenz, bei der sich die jüngsten Teilnehmer des Rundgangs einmal wie die Spieler, Trainer usw. fühlen durften, die sonst auf diesen Plätzen sitzen.
Hier ging er auf weitere Fragen seiner Gäste ein, verschenkte ein paar Poster des HFC (mit einem Mannschaftsfoto des aktuellen Teams) und bot Stadionhefte sowie ein Autogramm von Sören Bertram für wenige Euro als Andenken an.

Presseraum im Erdgas-Sportpark

Am Presseraum selbst gefiel mir die Wand, die die historischen Eckdaten des Vereins chronologisch festhält. Und wer sich schon immer fragte, ob das als Werbeartikel in jeder Pressekonferenz des HFC platzierte Bier noch gut ist: Ist es nicht. Zum Zeitpunkt unserer Stadionführung waren die Flaschen seit über einem Jahr abgelaufen.

Historische Wand im Presseraum im Erdgas-Sportpark

Danach war die Stadionführung offiziell beendet. Ich drehte zum Abschluss noch eine Runde über den Park- hin zum leeren Trainingsplatz, auf dem sich die Kicker des HFC sonst auf ihre Spiele vorbereiten. Natürlich nicht an diesem Tag. Es begann langsam stärker zu schneien und die Dunkelheit setzte ein. Das war für mich das Zeichen, noch einen letzten Schnappschuss zu wagen und dann das Gelände nach der durchaus lohnenswerten Stadionführung zu verlassen.
Der Trainingsplatz auf dem Stadiongelände des Halleschen FC.