Archiv der Kategorie: Fußball-Weltmeisterschaft

Ein Filmtipp, der vor über 10 Jahren aktuell gewesen wäre und trotzdem nicht zu spät daherkommt

Noch vage erinnere ich mich an meine „erste“ Fußball-WM im Jahr 1998. Vom Fußballturnier in Frankreich blieben mir (neben dem enttäuschenden Aus der Deutschen im Viertelfinale) besonders der Name Davor Suker (WM-Torschützenkönig mit sechs Treffern, passend zu auftrumpfenden Kroaten, die überraschend WM-Dritter wurden), die bis zum Finale zaubernden Brasilianer (was für eine Offensive mit Ronaldo, Rivaldo und Bebeto) sowie ebenso grandios aufspielende Franzosen („Zizou“ in Bestform) im Gedächtnis. An den lebensgefährlichen Angriff deutscher Hooligans auf den französischen Polizist Daniel Nivel erinnere ich mich ebenfalls, auch wenn ich mit acht Jahren dieses (schreckliche) Ereignis natürlich noch nicht einordnen konnte.

Vier Jahre später zur Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea sehen die Erinnerungen etwas anders aus. Ich ärgerte mich oft genug darüber, dass ich zu den Anstoßzeiten (meist am Morgen bzw. vormittags) zur Schule musste (immerhin die ideale Gelegenheit gewesen, um an noch fehlende Panini-Sammelsticker zu kommen), auch wenn ich zu den Spielen der Deutschen (oft begannen sie gegen 13:30 Uhr) bereits Schulschluss hatte. Allein nach dem 8:0-WM-Auftakt mit einem überragenden Miro Klose (und Michael Ballack!) war ich so fasziniert vom Spiel der Deutschen, dass sie meiner Meinung nach nur Weltmeister werden konnten. Wurden sie ja immerhin auch fast, wenn, ja wenn da nicht Ronaldo im Finale zur richtigen Zeit am richtigen Ort (Mensch Olli, den Schuss hättest du sonst mit verbundenen Armen pariert!) und der ein Weltklasse-Turnier spielende Michael Ballack nicht (wie unglaublich ärgerlich) gelb gesperrt gewesen wäre. Für alle, die es nicht mehr auf dem Schirm haben: Deutschland verlor das Finale in Yokohama gegen Brasilien mit 0:2.

Es war eines jener Fußballspiele, die weltweit über eine Milliarde Menschen verfolgten, unter anderem auch die Nationalmannschaften von Bhutan und Montserrat, die sich die Partie gemeinsam anschauten. Als (damalige) Schlusslichter der FIFA-Weltrangliste veranstalteten sie vor dem WM-Finale 2002 ein besonderes Länderspiel, nämlich ihr eigenes inoffizielles „Finale“ in Thimphu (der bhutanischen Hauptstadt), um ein für alle mal zu klären, welche Nationalelf ihren ersten Sieg überhaupt einfahren sollte.
Ein durchaus skurriles, humorvolles und einzigartiges Szenario, dem sich der niederländische Filmemacher Johan Kramer annimmt und in der Fußballdokumentation „The Other Final“ festhält. Man ist dadurch zum Beispiel dabei, wenn Montserrats Nationalspieler ihre ersten Autogramme ihrer Karriere geben oder beide Nationalteams zusammen musizieren und ein Gefühl für die unterschiedlichen Kulturen entwickeln.

Ob es in Zukunft ein „The Other Final“-Sequel geben wird, ist ungewiss. Ohne Frage würde ich mir das auf jeden Fall gönnen. Nach heutigem Stand (9. November 2014, 21 Uhr) würde dadurch die Partie San Marino gegen Bhutan zustande kommen.
Trotzdem die bhutanische Nationalelf am 30. Juni 2002 Montserrat mit 4:0 besiegt (und es dennoch nur Gewinner gibt), teilen sie sich nun wieder zusammen mit San Marino die rote Laterne der FIFA-Weltrangliste. Montserrat hingegen befindet sich „im Vormarsch“ und macht es sich aktuell auf Platz 170 (zwischen Nicaragua und den Seychellen) bequem. Und das ist absolut kein Problem. Denn wie „The Other Final“ eindrucksvoll zeigt, geht es (zum Glück) nicht immer nur um Gewinnen oder Verlieren, sondern ebenso einfach nur um den Spaß am Spiel, der maßgeblich zur interkulturellen Verständigung beiträgt und Menschen spielend zusammenbringt.

Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar: Statt WM-Feeling finden immer mehr Arbeiter den Tod

Rund drei Wochen ist es her, als gefühlt ganz Deutschland wie gebannt auf das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hingefiebert hat. Überall war die Farbkombination schwarz-rot-gold präsent, egal ob an Hauswänden, Autospiegeln oder in der Werbung. Selbst in den Nachrichten waren neben Krim-Krise und Co. News von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2014 in den Hauptmeldungen. Und während sich Brasilien insgesamt als guter Gastgeber erwiesen hat (auch wenn unzählige Protestbewegungen leider von den Medien gefiltert wurden), laufen am anderen Ende der Welt bereits die Vorbereitungen für das nächste Fußball-Weltmeisterschafts-Spektakel, nämlich in Katar.

Dort soll die WM 2022 stattfinden, dann erstmals (Stand: 1. August 2014) im November/Dezember/Januar, wenn in Europa und eben auch in Katar meteorologischer Winter ist. Eine klassische Sommer-WM wäre in Katar bei Außentemperaturen von über 50 Grad Celsius nicht denkbar.

Auch von der Infrastruktur ist im eher fußballfremden Land im Osten der arabischen Halbinsel jede Menge vorzubereiten, was eine Reportage vom „The Guardian“ zeigt. Darum ist beispielsweise die Fußballspielerausbildung katarischer Nationalspieler und der Stadionbau in vollem Gange.
Dass beim Stadionbau in Sachen Arbeitsbedingungen alles „ein wenig“ menschunwürdig abläuft, die Arbeiter trotz monatelanger Arbeit keinen Lohn erhalten und stattdessen mit ihrem Leben bezahlen, ist schockierend, beschämend und traurig.

Es lässt mich nur hoffen, dass in 2015 das Großprojekt „Fußball-Weltmeisterschaft 2022“ lieber an ein Land (z. B. England) delegiert wird, in dem die sportlichen Grundvoraussetzungen bereits in entsprechendem Maße vorhanden sind, um eine Fußball-WM auszurichten. Und wo bei den Vorbereitungen keine Menschen ihr Leben lassen oder sich wie Dreck behandeln lassen müssen.

Ein letzter Abschiedsgruß zur Fußball-WM 2014

31 Tage, 64 Partien, 171 Tore und einen schwarz-rot-goldenen Triumph später war es das, mit der Fußball-WM in Brasilien. Während die sehenswertesten Treffer mittlerweile hinlänglich bekannt sind und gekürt wurden, bedarf es noch einer angemessenen Gesamtzusammenfassung, die diesen Fußball-Wahnsinn visuell aufbereitet.

Et voilà: Da ist sie, der „Closing Montage“ von ESPNFC.com sei dank. Wer also die letzten vier Wochen (geht das überhaupt?) gar nichts von der WM 2014 mitbekommen hat, kann sich die circa vierminütige Zusammenfassung genehmigen. Und feststellen: Verdammt, was muss das für eine packende Sportveranstaltung gewesen sein.

Machs gut, Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Wir werden dich vermissen. Und erfreuen uns bis zum Wiedersehen in 2018 an den schönsten Momenten, die du uns beschert hast.

Die 20. Fußball-Weltmeisterschaft ist beendet und beschert der Welt neben unzähligen Social-Media-Aktionen (Der Biss von Luis Suarez, Van Persing, Robbens theatralischer Fall, Mertesackers Eistonne usw.) natürlich auch aus fußballerischer Sicht einige Glanzpunkte.

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’54, ’74, ’90, 2014: Deutschland gewinnt in Brasilien zum vierten Mal eine WM-Endrunde und besiegt Argentinien im Finale mit 1:0 nach Verlängerung. Foto: © Lisa Guhl

Aus diesem Grund präsentiert euch der Fernschussblog an dieser Stelle die (aus seiner Sicht) sehenswertesten Treffer der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Und zählt insgeheim schon die Tage bis zum Start der nächsten Fußball-WM, die schon in 1425 Tagen (am 8. Juni 2018) in Russland beginnt.

10. John Boye, Ghana: Das schönste Eigentor der WM gegen Portugal, Endstand 2:1

9. Jermaine Jones, USA: Netter Rechtsschuss zum 1:1-Ausgleich gegen Portugal, Endstand 2:2

8. Xherdan Shaqiri, Schweiz: Machts mit links das 1:0 gegen Honduras, Endstand 3:0

7. Lionel Messi, Argentinien: Spätes Traumtor gegen den Iran, Endstand 1:0

6. Robin van Persie, Niederlande: Ein Flugkopfball der Kategorie „besser geht es nicht“ gegen Spanien, Endstand 5:1

5. André Schürrle, Deutschland: Zufall oder gewollt? Das Hackentor zur Führung gegen Algerien, Endstand 2:0 n.V.

4. David Villa, Spanien: Verabschiedet sich mit fantastischem Hackentor gegen Australien aus Brasilien, Endstand 3:0

3. Tim Cahill, Australien: Sagenhafte Direktabnahme zum Ausgleich gegen die Niederlande, Endstand 2:3

2. David Luiz, Brasilien: Der Innenverteidiger zeigt seine Freistoßkünste gegen Kolumbien, Endstand 2:1

1. James Rodriguez, Kolumbien: Perfekte Direktabnahme zur Führung gegen Uruguay, Endstand 2:0

Die „Moves“ der Fußballprofis im Alltag angewendet: Minimale Berührung, maximale Flugkurve

Arjen Robben ist ein Fußballer von Weltformat, dessen flinke Dribblings die Gegenspieler auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zur Verzweiflung bringen. Darüber hinaus führt er sein Heimatland mit drei Toren und zwei Vorlagen bis ins Halbfinale, in dem er gegen die Argentinier seine schwächste Leistung beim Turnier darbietet. Zwar verwandelt er im Elfmeterschießen sicher, kann aber die Niederlage nicht aufgrund des glänzend parierenden argentinischen Torwarts namens Sergio Romero nicht verhindern.

Aus sportlicher Sicht war es insgesamt ein durchaus erfolgreiches Turnier von Robben, der zu Beginn des Turniers zusammen mit Kapitän Robin van Persie für jede Menge spektakuläre Offensivaktionen gesorgt hat.
Allerdings erntet er nach seinem theatralischen Fall im Achtelfinale gegen Mexiko einiges an negativer Kritik, da er (wie so oft) zu Boden geht, als hätte ihn jemand mit einem Scharfschützengewehr erwischt. Eine amüsante wie umstrittene Szene, die im Web collagiert u.a. in Super Street Fighter, Eiskunstlauf oder Ballett-Tanz seine Wiederverwendung findet.

Dabei ist Robben leider nur einer von unzähligen Fußballprofis, die neben der fußballerischen Klasse scheinbar ein vielfältiges Repertoire an Schauspieleinlagen in petto haben. Eine, wie ich finde, äußerst unschöne Tendenz, wenn Spieler gefühlt bei jeder Kleinigkeit zu Boden gehen und es den Schiedsrichtern bei der Entscheidungsfindung (Schwalbe oder Foul?) noch schwerer machen.

Wie es aussieht, wenn diese „Fouls“ den zwischenmenschlichen Alltag erreichen, präsentiert der Clip „Everyday Football Fouls von „Fourgrounds Film aus Kanada.
Er beweist, dass man für solche Szenen außerhalb des Fußballplatzes viele Lacher ernten kann, während sie auf dem Feld alle Beteiligten zurecht in Rage versetzen. Und hoffentlich sich von dort auch bald wieder verabschieden.