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„Da sind entscheidende Fehler gemacht worden“: Christian Streichs Appell zur Flüchtlingskrise

Sollten sich Fußballprofis zur Flüchtlingsproblematik äußern? Einerseits sind es Personen der Öffenlichkeit, die wie jeder andere Mensch auch eine freie Meinung haben und sie auf Anfrage selbstverständlich äußern können, gerade auch aufgrund ihrer teilweisen Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche. Nicht immer ist das ratsam, da bei falschen, unglücklichen oder inhaltsarmen Formulierungen der nächste mediale Shitstorm nur einen Augenschlag entfernt scheint. Allein aus diesem Grund würde ich als Kicker, Trainer oder Rasentherapeut zur eigenen Sicherheit schweigen, ehe etwas gegen mich ausgelegt wird.

Umso mehr Respekt gebührt ihnen, wenn sie Stellung beziehen. Und verdeutlichen, dass sie nicht nur „etwas“ zur Thematik wissen, sondern sich eine umfassende Meinung dazu gebildet haben, die sie entsprechend begründen können. So tat es Freiburgs Trainer Christian Streich im Vorfeld des Heimspiels seines Sportclubs gegen Arminia Bielefeld in einer Pressekonferenz am 17. September.

Auch, wenn ich nicht haargenau den Wahrheitsgehalt der Ausführungen recherchiert habe, bleibt mir nach der Antwort eigentlich nur eines zu sagen: Chapeau Herr Streich. Wenn doch nur mehr Menschen auf der ganzen Welt diese Sichtweise hätten, wären wir wohl zumindest zwischenmenschlich eine riesige Ecke weiter.

Erkenntnisse, die eigentlich jedem klar sein sollten: Fußballer sind ganz normale Menschen. Und können lieben, wen sie wollen.

Keine Sportart steht in Deutschland seit Jahren (und durch den WM-Titel noch ein Stückchen mehr) im medialen Fokus wie der Fußball. Und sieht man die Profifußballer nicht bei einer Live-Übertragung im Fernsehen, dann aber auf jeden Fall in Fernsehspots, auf Plakaten und Titelblättern von Zeitschriften. Überall.
Eine Tatsache, die dazu führt, dass selbst unwichtige Lapalien (z. B. der Dönerwurf von Kevin Großkreutz oder die sinnfreie Diskussion um das Mitsingen der Nationalhymne) sich zu vermeintlichen großen Geschichten entwickeln. Anfang des Jahres sorgte das Outing von Ex-Profi Thomas Hitzlsperger dafür, dass es (gefühlt) kein anderes Thema in Fußballdeutschland gegeben hat. Wahnsinn. Ein Mann, der auf Männer steht. Für manche scheinbar eine Tatsache, die am liebsten nichts im Alltag und schon gar nicht etwas im durchprofessionalisierten Fußballsport des 21. Jahrhunderts zu suchen hat.

Klar: Als moderner, angesagter Vorzeige-Fußballstar kommt einem eher Real Madrids Cristiano Ronaldo in den Sinn. Er beweist seit Jahren, dass es heutzutage nicht mehr wirklich genügt, wenn jemand „nur“ ein herausragender Fußballspieler ist. Darum wirft er eine Unterwäschekollektion auf den Markt, hat mit Irina Sheyk ein Model als bessere Hälfte an seiner Seite, eröffnet sein eigenes Museum und flimmert in Werbeclips über Fernsehschirme.

Wo Fußballstars wie er in der Öffentlichkeit auftauchen, werden sie immer häufiger auf Händen getragen. Sie verkörpern Erfolg, Zielstrebigkeit, gelten bei so manchem Jugendlichen ganz bestimmt als Vorbild. Doch worin liegt nun das „Problem“, was ist das „Besondere“, das „Ungewöhnliche“ an homosexuellen Fußballern?
Eine Thematik, die auch der aktuelle Song „Der Tag wird kommen“ vom Singer-Songwriter Marcus Wiebusch behandelt, in dem die aktive Karriere eines fiktiven Fußballstar nach einem Outing am medialen Druck zugrundegeht.

Unter aktuellen Profifußballern gibt es mit Sicherheit auch einige, die homosexuell sind. Doch damit an die Öffentlichkeit zu gehen, kommt für sie nachvollziehbarerweise nicht infrage, weil die ach so moderne, zivilisierte Fußballwelt dafür noch nicht bereit zu sein scheint. Denn wenn schon bei Thomas Hitzlsperger „alle Welt“ an die Decke geht, den sonst vorher außerhalb des Sports kaum jemand kannte: Was passiert dann erst, wenn gestandene Nationalspieler sich „bekennen“ würden?

Es ist schade, dass das aktuell noch der Fall ist. Schließlich kann jeder Mensch lieben, wen er möchte, unabhängig vom Geschlecht. Warum steht diese Entscheidungsfreiheit nicht auch Profifußballern zu? Passt so etwas wie gleichgeschlechtliche Liebe nicht in die Fußball-Glamourwelt der Gegenwart? Fußballprofis sind doch ebenfalls ganz normale Menschen. Mit dem einzigen gravierenden Unterschied, dass sie ihren Job meist aller Welt zugänglich (und von Kameras verfolgt) ausüben. Ich bin mir sicher, dass so mancher Spieler auf das alltägliche Blitzlichtgewitter verzichten könnte.
So kann man letztlich nur hoffen, dass sich die letzten Zeilen des Songs von Marcus Wiebusch irgendwann im Gedächtnis der Menschen verankern: „Jeder liebt den, den er will und der Rest bleibt still. Ein Tag, als hätte man gewonn‘, dieser Tag wird komm‘. Hoffentlich dauert das nicht mehr lange.

Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar: Statt WM-Feeling finden immer mehr Arbeiter den Tod

Rund drei Wochen ist es her, als gefühlt ganz Deutschland wie gebannt auf das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hingefiebert hat. Überall war die Farbkombination schwarz-rot-gold präsent, egal ob an Hauswänden, Autospiegeln oder in der Werbung. Selbst in den Nachrichten waren neben Krim-Krise und Co. News von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM 2014 in den Hauptmeldungen. Und während sich Brasilien insgesamt als guter Gastgeber erwiesen hat (auch wenn unzählige Protestbewegungen leider von den Medien gefiltert wurden), laufen am anderen Ende der Welt bereits die Vorbereitungen für das nächste Fußball-Weltmeisterschafts-Spektakel, nämlich in Katar.

Dort soll die WM 2022 stattfinden, dann erstmals (Stand: 1. August 2014) im November/Dezember/Januar, wenn in Europa und eben auch in Katar meteorologischer Winter ist. Eine klassische Sommer-WM wäre in Katar bei Außentemperaturen von über 50 Grad Celsius nicht denkbar.

Auch von der Infrastruktur ist im eher fußballfremden Land im Osten der arabischen Halbinsel jede Menge vorzubereiten, was eine Reportage vom „The Guardian“ zeigt. Darum ist beispielsweise die Fußballspielerausbildung katarischer Nationalspieler und der Stadionbau in vollem Gange.
Dass beim Stadionbau in Sachen Arbeitsbedingungen alles „ein wenig“ menschunwürdig abläuft, die Arbeiter trotz monatelanger Arbeit keinen Lohn erhalten und stattdessen mit ihrem Leben bezahlen, ist schockierend, beschämend und traurig.

Es lässt mich nur hoffen, dass in 2015 das Großprojekt „Fußball-Weltmeisterschaft 2022“ lieber an ein Land (z. B. England) delegiert wird, in dem die sportlichen Grundvoraussetzungen bereits in entsprechendem Maße vorhanden sind, um eine Fußball-WM auszurichten. Und wo bei den Vorbereitungen keine Menschen ihr Leben lassen oder sich wie Dreck behandeln lassen müssen.

Der Titel um das wervollste Fußball-WM-Sonderheft 2014 vorzeitig entschieden?

Nur noch 42 Tage, bis die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 endlich beginnt. Klingt zu weit weg? Man könnte auch sagen: Heute in sechs Wochen (am 12. Juni 2014) startet das Fußball-Event des Jahres!
Ganz egal, wie man sich nun ausdrücken mag: Schon sehr bald also fängt die 20. Fußball-WM überhaupt im Land der Fußballveredeler an. Und seit 23. April 2014 bereite ich mich mit jedem Tag ein bisschen mehr darauf vor. Ein Anzeichen dafür: Die Lektüre unterschiedlichster WM-Sonderhefte, die mittlerweile vor jedem Turnier die Zeitschriftensortimente bereichern. Darum war es für mich quasi eine Selbstverständlichkeit, einen Blick auf „Das komplette Nachschlagewerk“ von Transfermarkt.de zu werfen, das an jenem 23. April 2014 bei mir im Briefkasten liegt. Seitdem sind acht Tage vergangen und ich habe das Heft einmal komplett begutachtet, sodass ich an dieser Stelle eine kurze Einschätzung zum Gesamteindruck des Hefts wagen möchte. Auch in Vorbereitung darauf, dass im Mai die Sonderhefte von Kicker, Sport Bild etc. folgen und zu Vergleichen einladen.

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Das WM-Sonderheft von Transfermarkt.de macht fast alles richtig

  • Stichwort Haptik: Das im ca. A5-Format gehaltene Sonderheft besticht durch glattes und gut belastbares Papier, was den Lesekomfort verbessert. Zudem ist es durch die A5-Größe wirklich sehr gut transportierbar, kompakt und handlich, setzt sich allein dadurch optisch vom sonstigen A4-Sonderheft-Standard ab.

Das Heft verzichtet fast komplett auf Werbung und ist trotzdem mit einem Preis von 4,90 Euro erschwinglich. Eine super Sache, die andeutet, dass der Fokus eben auf Inhalten und nicht auf sonstige „Ablenkungen“ liegt.

  • Transfermarkt.de lebt von seinen Usern, von seiner Community. Darum war ich gespannt, wie sie ihre User im Sonderheft involvieren. Das Ergebnis: Sie durften abstimmen, welche Spieler auf dem Titelblatt landen und sind in Fan-Prognosen zu den 32 WM-Teilnehmern vertreten. Eine gelungene Einbindung, auch wenn die User-Meinungen auf dem Cover als „Experten-Einschätzungen“ verkauft werden. Dort erwartet man beim ersten Lesen wohl eher renommierte Ex-Nationalspieler, die sich zu den Teams äußern. Gerade deshalb eine Überraschung, die positiv, aber auch negativ ankommen kann.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Das Heft glänzt durch einfache, aber ausdrucksstarke Illustrationen, die die vielen Informationen zur WM prima untermalen. Denn das ist doch eigentlich das wichtigste an einem solchen Heft: Kann es durch Inhalte überzeugen und den Wissensschatz des Lesers erweitern?
Eine Frage, die man definitiv bejahen kann. So bekommt man nicht nur ausführliche Porträts zu den unterschiedlichen Teams, sondern ebenfalls Informationen zu Spielstätten, Schiedsrichtern, WM-Bällen… Letztlich allen Dingen, die von Bedeutung sind und sein können. Hier wurde definitiv in Sachen „Content“ alles richtig gemacht.

Viel Licht mit wenig Schatten beim WM-Sonderheft von Transfermarkt.de

Dennoch gibt es auch wenige Punkte, bei denen ich Verbesserungsbedarf sehe.

  1. Wie hat man das „nur 4,90 Euro“ auf dem Cover zu verstehen? Klar, nur eine Randnotiz. Dennoch finde ich „nur“ hier überflüssig.
  2. Wirklich super haben mir die Texte zur WM-Historie gefallen, die auf Skurrilitäten hinweisen und zeigen, dass bei den ersten Fußball-Weltmeisterschaften alles noch ein wenig anders vonstatten ging als im durchprofessionalisierten Sport der Gegenwart. Darum fand ich es schade, dass diese Texte bei der WM 1982 auf einmal aufhören und man sich als Leser rein über die Statistiken einen Eindruck von den Turnieren verschaffen soll. Schade! Denn selbst, wenn sich viele noch grob an die „jüngeren“ WM-Endrunden erinnern sollten: Ein paar wissenswerte Fun-Facts wären hier lesenswerter gewesen als die einzelnen Ergebnisse.
  3. Zwar lassen sie sich nicht ausschließen, aber bei der genauen Lektüre fielen mir immer wieder Schusselfehler im Text, bei Namen und bei Länderflaggen auf. Natürlich kein Weltuntergang, aber mit einer weiteren Woche Bearbeitungszeit hätten sie wohl auf ein Minimum reduziert werden können.

Fazit: Das Transfermarkt-Sonderheft hält, was es verspricht

Insgesamt bin ich mit dem Sonderheft absolut zufrieden. Es liefert auf 254 Seiten Informationen satt zur „schönsten Zeit des Jahres“, ist immer (und auch für Laien) verständlich und durch das handliche sowie kompakte A5-Format ein Hingucker im Zeitschriftenregal. Man darf gespannt sein, inwieweit folgende WM-Sonderhefte daran anknüpfen können.

Sieht man von den wenigen „Makeln“ ab, erwirbt man für 4,90 Euro ein Sonderheft, das seine Erwartungen als „Nachschlagewerk zur Fußball-WM 2014“ hervorragend erfüllt. Bloß schade, dass es nur an ausgewählten Standorten ausliegen dürfte. Kein Hindernis allerdings, da man es sich unkompliziert via Online-Bestellung ins Haus liefern lassen kann. Am besten gleich mehrmals. Denn damit fördert man wiederum DIE Fußball-Community überhaupt, die die finanzielle Unterstützung ganz bestimmt in Zukunft in noch mehr Qualität umwandelt.

Wie geil ist das denn? Oder: Wenn Buschi ein Buch schreibt.

Pünktlich am Erscheinungstag (14. April 2014) flattert ein Amazon-Paket mit einer Büchersendung zu mir ins Haus. Soweit so unspektakulär. Allerdings befand sich mit „Am Ende kackt die Ente! Aus dem Leben eines Sportverrückten“ ein Buch von Frank Buschmann im Briefkasten, der mir vor allem als Fußballkommentator (zuletzt auf „Kabel eins“ bei Europa-League-Spielen) ein Name ist. Seitdem ich ihn (und seinen YouTube-Channel „Buschi.TV„) auf Facebook folge, kam ich nicht drumherum, mir (als Sportverrückter) einen eigenen Eindruck vom „Erstlingswerk“ (des Sportverrückten) zu verschaffen.

Buschi-Cover

Mein Fazit lautet in aller Kürze wie folgt: Es ist ein wirklich unkompliziert geschriebenes Buch, das einen verschiedene Einblicke und Erfahrungen zum Mensch Frank Buschmann und seinem Traumjob als Sportjournalist liefert.

So erfährt man, woher überhaupt seine Sportverrücktheit entspringt, wie ihm der Schritt in den Sportjournalismus gelingt und was er bei einigen Arbeitseinsätzen als Kommentator über die Jahre so erlebt.
Gewürzt wird das ganze mit verschiedenen Anekdoten, von denen man wenige bis überhaupt gar keine kennt. Sie geben Aufschluss zum Drumherum bei Sportübertragungen, von denen man als Zuschauer (egal ob vor dem Fernseher oder im Stadion) nichts mitbekommt.

Ein Beispiel: seine Begegnung mit Ex-US-Basketballprofi Dennis Rodman, die schwierige Anfangszeit bei den Fußballübertragungen der zweiten Fußball-Bundesiga im „DSF“ am Montagabend oder was es mit dem Buchtitel „Am Ende kackt die Ente“ auf sich hat.

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Der aus meiner Sicht einzige (indirekte) Kritikpunkt ist: Vom Vorwort (Kapitelauftakt) bis zum Buchabschluss mit „Die Geschichte mit der Linsensuppe“ sind es 224 Seiten, die „wie im Flug“ vergehen. Es bescherte mir ein vielleicht vier bis fünf Stunden andauerndes (unterhaltsames wie informatives) Lesevergnüngen, das aufgrund der abwechslungsreichen wie spannenden Geschichten noch mindestens einmal genauso lang hätte sein können.

Dennoch kann ich dem Büchlein das Prädikat „absolut lesenswert“ erteilen, da es für Sportbegeisterte (speziell in Sachen Fußball, Basketball, Olympia etc.) nie langweilig wird und beim Lesen immer irgendwie die prägende Kommentatorenstimme von Buschi begleitend mitschwingt.

Ich bin gespannt, ob er beim zweiten Teil seiner Lesereise (ab Herbst 2014) auch einmal im Osten der Republik vorbeischaut. Denn „live“ dürfte die Sache noch einen Zacken mehr abgehen, als wenn man „Am Ende kackt die Ente“ für sich selbst als Buch/Hörbüch konsumiert.

Zumindest kann man sich so oder so für die authentische wie ehrliche Selbstreflexion seiner Erlebnisse bedanken sowie hoffen, dass ihm sein Markenzeichen (die Stimme) noch lange gute Dienste leistet und Türen für weitere neue Projekte öffnet. Denn wer weiß: Am Ende kackt die Ente vielleicht noch ein zweites Mal. Es würde mich freuen.