Archiv der Kategorie: Sport-Humor

André Schürrles Zweitkarriere als Slayer in Call of Duty kommt ans Tageslicht

Er leistete die Vorlage zu Mario Götzes goldenem Tor im WM-Finale 2014 und machte sich damit zumindest für einen Moment „Teilzeit-unsterblich“. Und als Ende Januar 2015 der VfL Wolfsburg anklopfte, um ihn zu verpflichten, gaben die Verantwortlichen vom FC Chelsea und auch er grünes Licht. Für unglaubliche (und heute für mich weiterhin etwas schleierhafte) 32 Millionen Euro ging er letztlich über die Ladentheke, um den linken Wolfsburger Flügel fußballerisch neue Qualitäten zu verleihen. Zwar landeten die „Wölfe“ am Saisonende auf Tabellenplatz zwei und gewannen den DFB-Pokal, doch würde niemand André Schürrle einen maßgeblichen Anteil daran bescheinigen. Irgendwie kam Schürrle, trotz Bundesligaerfahrung bei Mainz und Leverkusen, nicht in Wolfsburg zurecht und startete häufiger von der Bank, als ihm lieb war. Das lag einerseits an den wirklich furious aufspielenden Ivan Perisic und Daniel Caligiuri, zum anderen aber auch an der Inkonstanz, die ihn irgendwie seit einiger Zeit auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene begleitet. Es stellt sich also bewusst die Frage: André, was ist los mit dir?

Warum ihm teilweise der Kopf fürs Kicken nicht frei genug ist, legt er nun in einem Interview in einer Sendung beim Online-TV-Sender „Rocket Beans“ dar. Hier enttarnt eine investigative Journalistin seine Zweit-Identität namens „Christian Chmiel“, der vielen E-Sport-Fans aus dem Bereich Counterstrike ein Begriff sein dürfte. Zunächst lässt sich „Medienprofi Schürrle“ natürlich nichts anmerken und spielt das Spiel der gewieften Interviewerin mit, bis, ja bis sich (für beide Seiten) doch alles ein wenig anders entwickelt als erwartet.

Eines der besten Zitate der Interviewerin: „Wieso lacht ihr alle? Seid ihr doof?“. Ein wirklich herzallerliebstes Gespräch, das wohl auch André Schürrle in Erinnerung behalten dürfte. Immerhin bekommt er Call-of-Duty-Fragen gestellt, die er als kleine gedankliche Transferleistung aus seiner Sicht als Kicker vom VfL Wolfsburg beantwortet und brav darüber spricht, „was er in der Nationalmannschaft so letztens geholt“ hat und welches Team seiner Meinung nach die „Championship“ gewinnt.

Ein durch und durch sympathischer Beitrag, bei dem es einfach schön anzusehen ist, wie die Interviewerin von ihrem Team „bestens vorbereitet“ ins Gespräch geschickt wird. Dafür, dass sie bis zu einem Moment überhaupt keine Ahnung hat, wer dort eigentlich vor ihr sitzt, beweist sie immerhin Nervenstärke und einen Sinn für Humor. Ebenso wie André Schürrle, der das Ganze mitmacht und hoffentlich auch bald wieder als „Slayer“ auf der linken Außenbahn seine Fußballkünste präsentiert. Vielleicht ja schon am Samstag beim Heimspiel seiner „Wölfe“ gegen Hertha BSC.

70 Jahre Lichtgestalt: Alles Gute, Franz Beckenbauer

Quasi seit ich mich in Kindheitstagen in den Fußballsport verguckte, tauchte ein Name immer und immer und immer wieder auf. Damals konnte ich natürlich noch überhaupt nicht einordnen, ob das nur Zufall war oder ob mehr hinter der Person Franz Beckenbauer steckte. Ein Blick ins Sportgeschichtsbuch verdeutlichte mir dann später schnell: Der „Kaiser“ ist wohl das bekannteste deutsche Fußballerexportgut, das es jemals gegeben hat. Das mag einen Lothar Matthäus oder Sandro Wagner jetzt enttäuschen. Aber wer sowohl als Spieler und auch als Trainer maßgeblich zum Weltmeistertitel beiträgt, der kann so viel in seiner Sportlerlaufbahn nicht falsch gemacht haben.

Doch auch die hellste Lichtgestalt bleibt nicht ewig jung. Aus diesem Grund feierte Franz Beckenbauer am gestrigen Freitag (11. September 2015) seinen 70. Geburtstag. Umso mehr habe ich mich zu diesem Anlass über ein älteres Video aus der „Harald Schmidt Show“ gefreut, das sein Leben in Kurzform (bis ca. 2006) zusammenfasst. Harald Schmidt geht hier mithilfe von Playmobilfiguren auf Ehefrauen, seine Mannschaften und sonstige erwähnenswerte Leistungen ein, die ihn letztlich zu der Sportlerpersönlichkeit gemacht haben, die er heute ist.

Ein fantastischer Beitrag, der mich wiederum ein wenig traurig stimmte, da es die „Harald Schmidt Show“ bekanntlich nicht mehr gibt. Sei es drum: Happy Birthday, „Kaiser Franz“. Bleib so, wie du bist. Auf dass sich die Bestechungsvorwürfe als falsch erweisen und du weiterhin den Medien als Zitatgeber zu allen Sorgen und Themen der Menschheit zur Verfügung stehst. Eines meiner Lieblingszitate von ihm ist und bleibt: „Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten: Gewinnen, verlieren oder unentschieden spielen.“

Ein Tor für die Ewigkeit: Warum Matteo Vitaiolo in den san-marinesischen Sportgeschichtsbüchern landet

14 Jahre kein Auswärtstor: eine Statistik, die nicht nur von mir selbst stammen könnte, sondern die bis zum gestrigen Abend auch auf die Fußballer aus San Marino zutraf. Wahnsinn, aber wahr: Ihr letztes Tor in der Fremde ist ihnen tatsächlich 2001 in Lettland gelungen. Bis, ja bis zum gestrigen Abend. In der 55. Spielminute legt sich ein gewisser (Sekunden später: san-marinesischer Volksheld) Matteo Vitaioli den Ball für einen Freistoß zurecht, der den nicht enden wollenden Negativrekord ein für alle Mal aus der Welt katapultiert.

Klar: Litauen war zu diesem Zeitpunkt bereits in Unterzahl, da Keeper Arlauskis sich fünf Minuten vorher eine rote Karte verdiente. Sollte es tatsächlich der erste Punktgewinn der San-Marinesen (auf dem FIFA-Weltranglistenplatz 193 zu Haus) in der diesjährigen EM-Qualifikation gelingen? An Motivation mangelte es ihnen jedenfalls nicht. Das verdeutlicht auch die gelb-rote Karte von Mittelfeldspieler Nicola Chiaruzzi (88. Spielminute). Umso unglücklicher, dass Litauens Lukas Spalvis kurz vor Abpfiff (90. + 2) den 2:1-Siegtreffer der Litauen erzielte und San Marino den bereits historischen Tag doch noch ein wenig vermasselt hat.

Sei es drum: Für beide Teams ist die EM-Quali gelaufen. Und mit einer Torstatistik von 1:27 haben die San-Marinesen wenigstens ein Tor auf der „Habenseite“. Wer weiß: Vielleicht kommt in den letzten beiden Duellen (gegen die Schweiz und Slowenien) noch ein weiteres dazu. Immerhin verbessern sie sich allmählich, was sich auch in der Torstatistik zeigt. Zum Vergleich: Die EM-Qualifikation 2012 beendeten sie mit zehn Niederlagen aus zehn Spielen und 0:53-Toren.

Es war einmal, es war einmal: Werder Bremen im Jahr 2010

Erinnert sich von euch noch jemand an das Werder Bremen der Spielzeit 2009/2010? Mein lieber Scholli, das solltet ihr schleunigst nachholen. Denn es lohnt sich, sich noch einmal vor Augen zu führen, wen die Grün-Weißen damals alles in ihren Reihen hatten (und was aus ihnen geworden ist). Selten begeisterten Spieler wie Sandro Wagner, Jurica Vranjes oder Petri Pasanen ihre Fans so sehr, sodass noch heute die ihnen angedachten Gesänge durch das Westerstadion schallen.

Spaß beiseite: Mit Torgarant (leider zutreffender Spitzname: Mister Muskelfaserriss) Claudio Pizarro, Kanonenschuss-Sturmpartner Hugo Almeida, einem gewissen Mesut Özil (heute kaum noch bekannt), Deutschlands (damalige) Antwort auf Leo Messi namens Marko Marin und der Innenverteidigerwand Naldo-Mertesacker praktizierten die Bremer teilweise einen mitreißenden Fußball, an den sich heute ganz sicher noch viele Werder-Fans mit Freude erinnern. Werder Bremen, das stand damals unter Thomas Schaaf und Klaus Allofs für einen gewissen „Offenes-Visier-Stil“, bei dem der Offensivdrang überwiegte und es das klassische Ziel war, „einfach“ am Ende immer ein Tor mehr zu schießen als der Gegner.

Das veranschaulichte auf besondere Art und Weise die Qualifikationsspiele zur Champions League gegen Sampdoria Genua, die ich damals beide live im Fernsehen verfolgte. Nach einem 3:1-Hinspielerfolg vor heimischer Kulisse (Hat Clemens Fritz jemals wieder so ein Tor erzielt?) ging es zum Rückspiel nach Genua und es sollte ein heißer Tanz werden. Klar, Werder und Spektakel: Zwei Begriffe, die zu dieser Zeit Hand in Hand gingen. Und als im Rückspiel in der 85. Spielminute Antonio Cassano das 3:0 erzielte, waren die Bremer zu diesem Zeitpunkt an der Qualifikation gescheitert. Bis, ja bis glücklicherweise ausgerechnet Markus Rosenberg, der sonst zu Bremer Zeiten häufig als Unglücksfigur agierte, mit einem präzisen Flachschuss aus siebzehn Metern das Bonuslevel „Verlängerung“ für seine Mannschaft freischaltete.

Anschließend nahm Claudio Pizarro seine Verantwortung als Bremer Lebensversicherung wahr und erzielte das Tor zum 2:3, das die Werderaner an diesem Abend in die Champions League führte. Dass sie hier in der Vorrunde scheiterten? Geschenkt. Und auch die Bundesliga-Spielzeit 2010/2011 verlief enttäuschend, Platz 13 (nach Tabellenplatz drei in der Vorsaison). Die Werder-Magie (und mit ihr eines der stärksten Teams der Vereinsgeschichte) zerfiel.Vom damaligen Team sind heute lediglich Clemens Fritz, Philipp Bargfrede, Felix Kroos und Felix Wiedwald dabei.

Und möglicherweise bald auch wieder Claudio Pizarro, der sich nach aktuellem Stand in Verhandlungen mit dem Club befinden soll. Als derzeit vertragloser Kicker könnte er (auch wenn das Transferfenster seit 1. September dicht ist) sofort wechseln. Aufgrund seines Alters (36 Jahre) und seiner Krankenakte kein unproblematischer Transfer. Fakt ist: Bringt er die entsprechende körperliche Gesund- und Ausgeruhtheit mit, wäre es ein fantastischer „Altzugang“ für Werder und ein erfahrener Backup für Ujah und Johannsson. Denn als erfolgreichster ausländischer Torschütze (fantastische 176 Buden) der Bundesliga-Geschichte weiß „Pizza“ auch mit 36 Lenzen ganz sicher noch, wo das Tor steht und könnte sich bei Gleich- oder knappem Rückstand als erste Option für einen Wechsel in der Schlussviertelstunde erweisen. Und, na klar, den Trikotverkauf im Werder-Fanshop gehörig ankurbeln. Denn egal ob er kommt oder nicht: Einen wie Pizarro vergisst man in Bremen nicht. Ebensowenig wie die Erfolgself aus 2010.

Can’t touch this: Straßenkickerin Lisa testet ihre Tricks an Fußgängern in Paris

Überlupfen, tunneln oder mit einer einfachen Körpertäuschung: Es gibt wohl mehr Möglichkeiten, sich irgendwie gegen mich im Zweikampf durchzusetzen als daran zu scheitern. Vor allem die „Schüsse durch die Hosenträger“ passieren mir als Mensch gewordene Lauchstange eigentlich in jeder Begegnung, egal ob mit Gleichaltrigen oder deutlich jüngeren Kickern. Umso froher bin ich, dass ich bisher noch nicht „Lisa Female Freestyle Ball“ begegnet bin. Gut, die junge Dame lebt scheinbar in Paris, was eine direkte Begegnung unwahrscheinlich macht. Hier vertreibt sich die 15-Jährige ihre Freizeit scheinbar damit, Passanten in der Fußgängerzone fußballerisch zu testen. Oder ihnen einfach nur ihr fantastisches Ballgefühl vorzuführen.

Sie bedient das runde Leder derart flüssig, dass vor allem jüngere Zuschauer es kaum fassen können und das Ganze (typisch: eine Unart unserer Zeit) auf ihren Smartphones festhalten. Sympathisch: Bei aller Ballverrücktheit ist sich Lisa allerdings für Selfies (die sie selbst zu gerne macht, zum Beispiel mit Marseilles Keeper Steve Mandanda) keinesfalls zu schade.

Kaum vorstellbar, dass die brünette Ballakrobatin ihre Dribblings und Hackentricks nicht auch in einem Fußballverein (die armen Mitspieler/innen!) regelmäßig ausprobiert. Klar: Das schützt sie zwar wohl auch nicht vor einer Jermaine-Jones-Gedächtnis-Sense. Trotzdem meinen größten Respekt dafür, dass sie sich auf die Straße traut und sich spontane Mitspieler sucht. Zwar geht sie nicht ganz so krass ab wie der verkleidete Cristiano Ronaldo, was nicht weiter stört. Viel eher leistet sie einen eindrucksvollen Beitrag in Sachen Frauenfußball und verdeutlicht, was man sowieso schon seit Puskas-Anwärterin Stephanie Roche und der Frauenfußball-WM 2015 in Kanada weiß: Die Mädels können teilweise richtig gut kicken.