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Superstar ganz nah: David Beckham mit drei Kumpels unterwegs im brasilianischen Regenwald

Ex-Freistoßgott, Model, Unternehmer: Das sind wohl die drei ersten Assoziationen, die ich mit David Beckham verbinde. Mal ganz zu schweigen von seiner Frau und Ex-„Spice Girl“ Victoria, seinem neuen millionenschweren Fußballprojekt in Miami und den (na klar) immer passenden Outfits von „Becks“. Man kann sich sicher sein: Wenn er irgendwo auftritt, dann aber durchgestylt und bereit für die Kameras der Fotografen.
Umso beachtlicher finde ich das Filmprojekt „David Beckham – Into the Unknown„, in dem er sich mit einigen Freunden ins Amazonas-Gebiet von Brasilien wagt, „um sich selbst zu finden“ und ein einmaliges Abenteuer zu erleben.

Zu Fuß, Boot oder Motorrad: „Becks“ und seinen Kollegen wird hier von der Natur so einiges abverlangt. Doch ans Aufgeben denkt der ehemalige Fußballstar offenbar nie. Viel eher genießt er die Tour. Umso mehr, wenn er vergegenwärtigt, dass er vollkommen er selbst sein kann und zeitweise so weit weg vom Alltagstrubel scheint, dass ihn sogar die Menschen, die ihm begegnen, nicht mehr erkennen. Ihn, den Superstar, der wohl in vielen Metropolen der Welt allein mit seiner Präsenz innerhalb kürzester Zeit so einiges lahmlegen könnte.

Umso sympathischer ist es, wenn er über sein Leben nachdenkt und fantastisch überfordert ist, als ein Stammesmitglied ihn fragt, was denn bitteschön Fußball sei. Dadurch wirkt es so, als würde hier tatsächlich der Mensch David Beckham agieren, dem ich sein Verhalten in dieser doch wahrlich extremen Umgebung absolut abnehme. Wer also schon immer einmal wissen wollte, wie der private David Beckham so sein könnte (oder ist) und ob seine „magischen Haare“ auch nach mehreren Tagen im Regenwald immer noch so lässig liegen, der sollte sich die Sportler-Doku anschauen. Glücklicherweise liegt sie in voller Länge auf YouTube vor. Von daher: Film ab! And take a ride on the „Becks“-side.

Brasilianer Wendell gelingt Torabschluss, der einige Hobbykicker in die Sportinvalidität schicken würde

Ok Freunde, es gibt Tore, bei denen das runde Leder mit viel Herz und Kraft ins Netz geackert wird. Ab und an gelingt das mit einer derartigen Skurrilität, wie das monatliche Küren des Kacktors des Monats in Arndt Zeiglers Fußball-Unterhaltungs-TV-Format „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ beweist.
Dass die Bezeichnung „skurril“ bei Toren nicht immer negativ gemeint sein muss, beweist ein Tor, das mir vor wenigen Tagen aufgefallen ist. Tatort: Ein Rasenplatz irgendwo in Brasilien, auf dem sich Atletico GO und Goianesia duellierten. Eine Partie, die in Deutschland wohl zunächst auf ähnliche Begeisterung stieß wie das Bundesliga-Freitagsspiel zwischen Hertha BSC und dem VfB Stuttgart (6. März, Endstand 0:0) in Südostasien.

Die maximal zwei oder drei Experten, die es sich dennoch anschauten, sollten zumindest für einen Moment absolut dafür belohnt werden. Nach etwa 27 Spielminuten kombinierten sich die Kicker von Goianesia durch die Abwehrreihen von Atletico. Was mit einigen üblichen Kurzpässen beginnt, endet mit einem außerordentlichen Abschluss, an den die Sandro Wagners, Pierre-Michel Lasoggas oder Fabian Lamsters dieser Welt nicht auch nur im Ansatz denken (schon gar nicht so umsetzen) würden.

Bedenkt man zudem, dass Torschütze Wendell (bis jetzt) ein weitgehend unbekannter Fußballer ist, kann es gut sein, dass er sich seinen Fallrückzieher als GIF-Animation in einem digitalen Bilderrahmen in seiner Wohnung aufhängt. Einfach um jeden Tag daran erinnert zu werden, was fußballerisch möglich ist, selbst wenn ihm so eine Szene wohl erst einmal höchstens im Training (oder in seinem heimischen Fallrückziehertrainingsraum) gelingen dürfte.

Das Spiel endete übrigens 2:1 für Goianesia. Aufnahmen von den weiteren Toren liegen nicht vor. Gerüchten zufolge hatten die Kamerateams nach Wendells 1:0 ihr Equipment zusammengepackt, weil sie den Zuschauern an diesem Tag sowieso kein schöneres Fußballerlebnis mehr zeigen konnten.

Letzte Chance für den „Imperator“: Brasiliens Ex-Topstürmer Adriano geht nach Le Havre

Adriano kennen wohl noch einige Spieler älterer FIFA oder PES-Teile als „Mr. Schusskraft 99„, während seine Teamkollegen ihm aufgrund seiner Statur und Schussstärke einst den Spitznamen „Imperator“ verpassen. Das waren beispielsweise die Weltfußballer Ronaldinho und Kaka, mit denen er das Offensivspiel der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft eindrucksvoll prägte, was zum Beispiel 2005 zum Confed-Cup-Sieg gegen Argentinien (mit ihm als Torschützenkönig des Turniers mit fünf Treffern) führt. Doch nicht nur im Dress der Selecao, sondern ebenso bei Inter Mailand erballert sich Adriano als brasilianische Abrissbirne einen Namen. Zu dieser Zeit war er gerade erst 23 Jahre jung und einer großen Fußballkarriere schien wenig bis gar nichts im Weg zu stehen.

Doch dann widerfahren ihm mit dem Tod seines Vaters in 2006 sowie der Trennung von seiner Freundin zwei Ereignisse, die sein Leben aus dem Gleichgewicht bringen. So verliert er allmählich seine Stammplätze in Vereins- wie Nationalmannschaft, fällt in eine Depression, wendet sich dem Alkohol zu, wodurch er teilweise betrunken beim Training erschienen sein soll. Damit katapultiert er sich selbst ins sportliche Abseits, sodass man ihn gefühlt häufiger im Nachtleben als auf dem Trainingsplatz antrifft. Wohl auch ein Grund für seine Fehlernährung, mit der sich das Kraftpaket auf einmal Gewichtsprobleme einhandelt, in 2010 mit 102 Kilogramm dennoch den Medizincheck beim AS Rom besteht.

Zwischen 2008 und 2014 pendelt er allgemein zwischen einer fußballerischen Rückkehr in Italien (AS Rom), in seinem Heimatland Brasilien (u.a. Corinthians, Flamengo) und Vereinslosigkeit. Und spielt er sich doch einmal wieder in ein Formhoch (mit Flamengo in 2009 gewinnt er beispielsweise Meisterschaft und Torjägerkrone), lässt ein Tiefschlag (auch durch Verletzungen) nicht lange auf sich warten, oft wieder bedingt durch „nächtliche Ausflüge“ und Undiszipliniertheiten bei der Arbeit. Auch Kontakte ins Drogenmilieu sagt man ihm nach. Kein Zufall also, wenn die Staatsanwaltschaft Rio de Janeiro im November 2014 eine Klage gegen ihn erhebt. Scheint er denn seine Lektion nie zu lernen?

Und dann lese ich am gestrigen Samstag (27. Dezember 2014) die Nachricht, dass sich Adriano ab 1. Januar dem französischen Zweitliga-Club aus Le Havre anschließt. Eine Meldung, über die ich mich gefreut habe, weil er jetzt – wohl definitiv zum letzten Mal – zeigen kann, dass er das Fußballspielen trotz seines beachtlichen Eskapadenkatalogs noch bestens beherrscht. Es ist eigentlich absoluter Wahnsinn: Vor gut 10 Jahren sagt man ihm eine große Sportlerzukunft voraus, wohingegen man heute auf eine der vielleicht verschenktesten Fußballkarrieren jemals zurückblickt.

Mit 32 Jahren hat er nun beim AC Le Havre (derzeit Tabellenzehnter) die Möglichkeit der dezenten Schadensbegrenzung. Die Bilder auf seiner Facebook-Seite deuten immerhin einen geläuterten Adriano an, der zurück im Leben ist, wieder Freude im und am Leben hat. Ob das ebenso in fußballerischer Hinsicht zutrifft, darf Adriano in den kommenden Monaten in der Ligue 2 beweisen und hier seinen Fans möglicherweise neues Material für zukünftige „Best Goals of Adriano“-Videos liefern, die Tornetze in Frankreich auf ihre Belastbarkeit ausgiebigst prüfen.

Ein Filmtipp, der vor über 10 Jahren aktuell gewesen wäre und trotzdem nicht zu spät daherkommt

Noch vage erinnere ich mich an meine „erste“ Fußball-WM im Jahr 1998. Vom Fußballturnier in Frankreich blieben mir (neben dem enttäuschenden Aus der Deutschen im Viertelfinale) besonders der Name Davor Suker (WM-Torschützenkönig mit sechs Treffern, passend zu auftrumpfenden Kroaten, die überraschend WM-Dritter wurden), die bis zum Finale zaubernden Brasilianer (was für eine Offensive mit Ronaldo, Rivaldo und Bebeto) sowie ebenso grandios aufspielende Franzosen („Zizou“ in Bestform) im Gedächtnis. An den lebensgefährlichen Angriff deutscher Hooligans auf den französischen Polizist Daniel Nivel erinnere ich mich ebenfalls, auch wenn ich mit acht Jahren dieses (schreckliche) Ereignis natürlich noch nicht einordnen konnte.

Vier Jahre später zur Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea sehen die Erinnerungen etwas anders aus. Ich ärgerte mich oft genug darüber, dass ich zu den Anstoßzeiten (meist am Morgen bzw. vormittags) zur Schule musste (immerhin die ideale Gelegenheit gewesen, um an noch fehlende Panini-Sammelsticker zu kommen), auch wenn ich zu den Spielen der Deutschen (oft begannen sie gegen 13:30 Uhr) bereits Schulschluss hatte. Allein nach dem 8:0-WM-Auftakt mit einem überragenden Miro Klose (und Michael Ballack!) war ich so fasziniert vom Spiel der Deutschen, dass sie meiner Meinung nach nur Weltmeister werden konnten. Wurden sie ja immerhin auch fast, wenn, ja wenn da nicht Ronaldo im Finale zur richtigen Zeit am richtigen Ort (Mensch Olli, den Schuss hättest du sonst mit verbundenen Armen pariert!) und der ein Weltklasse-Turnier spielende Michael Ballack nicht (wie unglaublich ärgerlich) gelb gesperrt gewesen wäre. Für alle, die es nicht mehr auf dem Schirm haben: Deutschland verlor das Finale in Yokohama gegen Brasilien mit 0:2.

Es war eines jener Fußballspiele, die weltweit über eine Milliarde Menschen verfolgten, unter anderem auch die Nationalmannschaften von Bhutan und Montserrat, die sich die Partie gemeinsam anschauten. Als (damalige) Schlusslichter der FIFA-Weltrangliste veranstalteten sie vor dem WM-Finale 2002 ein besonderes Länderspiel, nämlich ihr eigenes inoffizielles „Finale“ in Thimphu (der bhutanischen Hauptstadt), um ein für alle mal zu klären, welche Nationalelf ihren ersten Sieg überhaupt einfahren sollte.
Ein durchaus skurriles, humorvolles und einzigartiges Szenario, dem sich der niederländische Filmemacher Johan Kramer annimmt und in der Fußballdokumentation „The Other Final“ festhält. Man ist dadurch zum Beispiel dabei, wenn Montserrats Nationalspieler ihre ersten Autogramme ihrer Karriere geben oder beide Nationalteams zusammen musizieren und ein Gefühl für die unterschiedlichen Kulturen entwickeln.

Ob es in Zukunft ein „The Other Final“-Sequel geben wird, ist ungewiss. Ohne Frage würde ich mir das auf jeden Fall gönnen. Nach heutigem Stand (9. November 2014, 21 Uhr) würde dadurch die Partie San Marino gegen Bhutan zustande kommen.
Trotzdem die bhutanische Nationalelf am 30. Juni 2002 Montserrat mit 4:0 besiegt (und es dennoch nur Gewinner gibt), teilen sie sich nun wieder zusammen mit San Marino die rote Laterne der FIFA-Weltrangliste. Montserrat hingegen befindet sich „im Vormarsch“ und macht es sich aktuell auf Platz 170 (zwischen Nicaragua und den Seychellen) bequem. Und das ist absolut kein Problem. Denn wie „The Other Final“ eindrucksvoll zeigt, geht es (zum Glück) nicht immer nur um Gewinnen oder Verlieren, sondern ebenso einfach nur um den Spaß am Spiel, der maßgeblich zur interkulturellen Verständigung beiträgt und Menschen spielend zusammenbringt.

Schock für’s Leben: Coritibas Jungprofi Joel übersieht abgedecktes Loch bei Torjubel

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich (Wahnsinn, so lange ist das schon her?) Mitte Januar 2014 ein Posting über den Absturz von Aston Villas Gabriel Agbonlahor berichtet habe. „Absturz“ nicht etwa, weil ihn ein Karrieretief ereilt oder er bei einer Vereinsfeier zu tief ins Glas geschaut hat, sondern da er nach einem Zweikampf über die Stadionbande rumpelt und die Sicherheitsvertiefung zwischen Tribüne und Rasen hinunterfällt. Eine skurrile Szene, die ein Liverpool-Fan sicherheitshalber auf seiner Digitalkamera festgehalten hat (statt ihm zu helfen).

Eine ähnliche Szene ereignet sich vor einigen Tagen in Brasilien bei der Begegnung zwischen Coritiba FC und den FC Sao Paulo. Erst gelingt dem 20-jährigen Joel der Torerfolg. Und als er seinen Abschluss entsprechend feiern möchte und sich denkt: „Endlich kann ich den Fans meine über mehrere Stunden eingeübte neu Jubelchoreo präsentieren!“, passiert es: Er verschwindet vom Erdboden. Der Grund dafür ist ein direkt hinter der Werbebande abgedecktes Loch, in das er stürzt.

Bemerkenswert sind hier nicht nur die Reaktionen der Stadionordner, kurz bevor Joel zum Sprung über die Bande ansetzt. Auch der Torschütze selbst wirkt sichtlich schockiert und geht anschließend (zum Glück) körperlich unverletzt zurück aufs Feld. Ob/Wie er seinen nächsten Treffer bejubeln wird, ist unklar. Wahrscheinlich aber ein wenig „bescheidener“, als beim 3:1-Sieg gegen Sao Paulo.