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Das Erbe von „Zwetschge“ Misimovic und „Paule“ Beinlich: Die derzeitigen Freistoßexperten der Bundesliga

Vor nicht allzulanger Zeit waren es die Stefan „Paule“ Beinlichs, Bernd Schneiders, Zvjezdan Misimovics und Sejad Salihovics, die für Tore mitsamt Torhüter eine große Bedrohung darstellten. Mit ihren Standardsituationen sorgten sie regelmäßig für jede Menge Alarm im Strafraum, insbesondere durch ihre oft mit Lineal und Winkelmesser vorauskalkulierten Freistöße.

Paule Beinlich kickt seit 2008 nicht mehr, Schneider seit 2009. „Zwetschge“ Misimovic ist vereinlos und auf der Suche nach der möglicherweise letzten sportlichen Herausforderung seiner Karriere. Und Sejad Salihovic? Der kommt der TSG aus Hoffenheim nicht mehr über seine Reservistenrolle hinaus, schlenzt höchstens noch Trinkflaschen aus Frust regelmäßig in den Winkel der Auswechselbank. Wer ist es also, der gegenwärtig zu den Freistoßexperten der Fußball-Bundesliga zählt? Arjen Robben? Oder doch eher ein Sandro Wagner, der bei der Hertha diese besondere Gabe allerdings nur auf den Trainingsplatz (und wenn niemand zuschaut) bringen kann?

Von wegen! Der derzeit wohl freistoßstärkste Spieler der Liga ist Zlatko Junuzovic. Der Ösi im Trikot von Werder Bremen katapultierte so bereits vier Mal in dieser Spielzeit (Stand: 22. Februar 2015) den Ball formvollendet unter den Querbalken. Meist ließ er seinen Torhüterkollegen nicht den Hauch einer Chance, wie Paderborns Lukas Kruse, Hannovers Ron Robert Zieler, Gladbachs Yann Sommer sowie zuletzt Leverkusens Bernd Leno merkten.

Dabei hat besonders Leno in seinen Reihen doch ebenfalls einen begnadeten Freistoßschützen, nämlich Hakan Calhanoglu. Der hätte ihn in Vorbereitung auf die Rückrundenbegegnung gegen Werder wohl in Sachen Freistoßentschärfung einstimmen können. Immerhin hat er in dieser Saison ebenfalls schon beachtliche drei Freistöße ins Tor befördert, unvergessen auch sein Granatenfreistoß gegen Dortmund in der vergangenen Spielzeit.

Und sonst so? Klar: David Alaba hat ebenfalls ein feines Füßchen, mit dem er zuletzt gegen den VfB Stuttgart in cristianoronaldesker Manier ein Tor per Freistoß erzielte, oder auch gegen ZSKA Moskau in der Champions-League-Spielzeit 2013/2014.

Wolfsburg Innenverteidigerkante Naldo hingegen ist ein Spezialist dafür, den Ball abrissbirnenartig mit rechts in die Maschen zu dreschen. So gesehen zuletzt bei der 5:4-Wahnsinnsfahrt der Wolfsburger in Leverkusen am Valentinstag 2015, als er das Spielgerät trocken aus guten 30 Metern ins Tor knüppelt. Wobei: Zu besten Bremer Zeiten zirkelte er den Ball auch schon gefühlvoll ins Netz, sodass man von ihm in Sachen Freistöße wohl beide Ausführungen (gewaltsam wie gefühlvoll) erwarten kann.

Genug der Freistoßkünstler? Von wegen! Johannes Geis von Mainz 05 muss hier auf jeden Fall noch genannt werden. Der gebürtige Schweinfurter, der (wenn nichts dazwischenkommt) in diesem Jahr wohl sein Nationalmannschaftsdebüt bei Jogi Löw geben dürfte, ist nämlich ebenfalls ein formidabler Freistoßkünstler.
Das hat er nicht nur wieder beim gestrigen Heimsieg (21. Februar 2015) gegen Eintracht Frankfurt in der 47. Spielminute bewiesen, als er sein Team mit dem 2:1 per Freistoß den Weg Richtung Heimsieg ebnete. Auch im Dezember 2014 macht er seinem Verein ein Vorweihnachtsgeschenk in Form eines Freistoßes der Extraklasse, der den Mainzern einen Punkt im Duell mit dem VfB Stuttgart sichert.

Natürlich bleibt unstrittig, dass derzeitige Reservisten wie Hoffenheims Salihovic, Herthas Ronny, Hamburgs Raffaela van der Vaart oder Hannovers Kiyotake die Hohe Kunst der Freistoßschießerei ebenso noch beherrschen. Doch was nützt es, wenn sie sie nicht in Pflichtspielen zeigen können? Eben: Ziemlich wenig, deshalb erwähne ich sie an dieser Stelle zwar namentlich, aber nicht mit einem entsprechenden YouTube-Video, wie es sie von ihnen trotzdem zu genüge zu bewundern gibt. Genauso von Ex-Bundesliga-Profi Massimiliano Porcello und seinen teilweise kanonenkugelartigen Abschlüssen.

Wohin mit Schweinsteiger, Martinez und Co.? Das Gedränge auf der Bayernbank spitzt sich zu.

Am gestrigen Donnerstag (6. Februar 2014) erklärt der FC Bayern, dass Mittelfeldgehirn und langjähriger Vereinsrepräsentant Bastian Schweinsteiger seinem Comeback immer näher kommt und sich das erste Mal seit Langem wieder im Mannschaftstraining befindet.
Eine überaus erfreuliche Nachricht, wenn man sich einmal veranschaulicht, mit welchen gesundheitlichen Problemen der 29-Jährige in den letzten Monaten kämpft.
Und auch 40-Millionen-Mann Javi Martinez kehrt mit ziemlicher Sicherheit noch im Februar auf den Rasen zurück.
In der letzten Spielzeit waren beide im zentralen Mittelfeld die Garanten für den Gewinn von Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Doch auch ohne sie spielt der FC Bayern bis jetzt eine nahezu makellose Spielzeit.

Aus diesem Grund dürften sich Schweinsteiger und Martinez erst einmal hinten anstellen und ein wenig gedulden müssen. Denn im 4-1-4-1 von Josep Guardiola scheint es sowieso so gut wie sicher, dass beide nicht (wie im 2012/2013 von Josef „Jupp“ Heynckes präferierten 4-2-3-1) nebeneinander auf dem Platz agieren.

Vor allem Kapitän Philipp Lahm erweist sich dort bisher als clevere wie effektive Alternative im zentralen Mittelfeld. Durch das sich auf dieser Position anbahnende Überangebot von Stars dürfte er zurück auf die Rechtsverteidigerposition rücken, womit Rafinha (dem viele vor der Saison wenige bis gar keine Einsätze zumuten) trotz beachtlicher Leistungen auf der Reservebank Platz nehmen müsste.

Mischt endlich wieder auf dem Platz mit: Mittelfelddirigent Bastian Schweinsteiger. Foto: (c) Facebook

Mischt endlich wieder auf dem Platz mit: Mittelfelddirigent Bastian Schweinsteiger. Foto: © Facebook

Und selbst dann können Schweinsteiger, Martinez, Kroos, Thiago und Götze voraussichtlich nicht gleichzeitig auflaufen. Durch das konsequente Rotieren bekommen zwar alle „irgendwie“ zu ihren Einsatzzeiten. Von gesicherten Stammplätzen kann allerdings bei keinem von ihnen die Rede sein.
Nicht ausgeschlossen, dass sich beispielsweise Mario Mandzukic zum ersten Joker in vorderster Front entwickelt, wenn Thomas Müller oder Mario Götze dort nicht zünden sollten.

Die aus meiner Sicht stärkste Elf, die die Bayern demnächst ins Rennen schicken könnten, sieht folgendermaßen aus (positionsgetreu im 4-1-4-1 v.l.n.r.): Neuer – Alaba, Dante, Boateng, Lahm – Schweinsteiger – Ribery, Kroos, Thiago, Robben – Müller/Götze.

Ersatzbank: Starke, Contento, Rafinha, Martinez, Shaqiri, Götze/Müller, Mandzukic.

Auf der Tribüne (oder vor dem heimischen Fernseher): u.a. Höjbjerg, Pizarro, Van Buyten, Weiser.

Zumal ab August 2014 Robert Lewandowski, (mit ziemlicher Sicherheit) Sebastian Rode (und hoffentlich auch wieder der seit Dezember 2012 am Kreuzband verletzte Holger Badstuber) den Kader bereichern, den Konkurrenzkampf schärfen.

Kaum vorstellbar, dass die FCB-Jugendspieler wie Weiser, Green, Schöpf und Co. ihre Einsatzzeiten bekommen, wenn selbst ein eingestandener Profi wie Jan Kirchhoff in der Hinrunde der Bundesligasaison 2013/2014 trotz vieler Verletzungen auf den Positionen, die er bekleidet, nur wenige Minuten auf dem Rasen steht – und nun bis Sommer 2015 bei Schalke 04 sein berufliches Glück (und vor allem Spielpraxis) sucht.

Dabei muss man ohne Zweifel anerkennen, dass der deutsche Rekordmeister derzeit über einen phänomenalen Kader verfügt, der so in der Fußballwelt seines Gleichen sucht. So darf man gespannt sein, welches Team ihnen in dieser Spielzeit überhaupt noch Punkte abnehmen kann (oder sie sogar besiegt).

Die beiden (bisher) besten Rückrundenteams im direkten Duell (und Derby): Nürnberg gegen den FC Bayern. Lassen die Münchener ihre fußballerischen Muskeln spielen oder können die Franken ihnen mit etwas Glück ein Bein stellen? Foto: (c) Facebook.

Die beiden (bisher) besten Rückrundenteams im direkten Duell (und Derby): Nürnberg gegen den FC Bayern. Lassen die Münchener ihre fußballerischen Muskeln spielen oder können die Franken ihnen mit etwas Glück ein Bein stellen? Foto: © Facebook.

Bisher gelang das lediglich Borussia Dortmund (2:4-Niederlage im deutschen Supercup), in der Bundesliga dem SC Freiburg sowie Bayer Leverkusen (zwei Mal jeweils 1:1-Unentschieden), am 10. Dezember Manchester City (2:3-Niederlage im eigenen Stadion) in der Champions League und zuletzt Red Bull Salzburg (0:3-Pleite, allerdings in einem bedeutungslosen Testspiel). Und vielleicht auch dem 1. FC Nürnberg im morgigen Bundesliga-Derby (8. Februar 2014).