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Die Bundesliga ist die geilste und stärkste Fußball-Liga der Welt: Vielleicht, vielleicht auch nicht?

Sechs Fußball-Teams repräsentieren aktuell Deutschland in den internationalen Wettbewerben und sorgten vor fünf Wochen für einen perfekten Europacup-Spieltag, als sie jeweils ihre Begegnungen gewannen und das bei einer hervorragenden Torbilanz von 26:6. Eine Tatsache, die bei vielen nur ein Fazit zuließ: Augenscheinlich müssen sich die deutschen Vertreter in internationalen Wettbewerben vor keinem Gegner fürchten. Dass das (leider) nur eine Momentaufnahme gewesen ist, veranschaulichen die Ergebnisse in Champions League wie Europa League in dieser Woche (25.-27. November).

Desolater Europapokal-Spieltag für deutsche Teams
Die Statistik lautet hier nicht 6-0-0 wie Ende Oktober, sondern 0-1-5, Tordifferenz 4:15. Allen voran gegen die englischen Teams (Chelsea, Manchester City, Arsenal, Everton) sahen die deutschen Teams dieses Mal wenig bis gar kein Land.

Dem FC Bayern widerfuhr etwas, was dort in den letzten Spielzeiten nur noch höchstselten anzutreffen gewesen ist: eine Pflichtspielniederlage, die letztlich aus drei individuellen Patzern (Benatia, Xabi Alonso, Boateng) sowie drei Glanzmomenten von Sergio Agüero resultierte. Insgesamt aber eine Pleite ohne größere Folgen, die Bayern stehen längst als Gruppenerster fest.

Wie die Münchener ging ebenso Borussia Dortmund als ungeschlagener Tabellenführer in den 5. Champions-League-Spieltag. Die 0:2-Niederlage vor heimischer Kulisse gegen Arsenal ändert zwar am ersten Tabellenplatz nichts, doch kriselt es nun bei Schwarz-Gelb sichtbar auch außerhalb der Bundesliga ein wenig. Zudem können die Dortmunder in zwei Wochen gegen Anderlecht noch ihren ersten Platz verspielen und würden dann im Achtelfinale auf Teams wie Real Madrid, den FC Bayern, Paris St. Germain/FC Barcelona oder den FC Chelsea treffen.

„Wenig kriseln“ wäre als Einschätzung für die zurückliegende Leistung des rund 30 Kilometer westlich von Dortmund heimischen FC Schalke 04 untertrieben. Die Schalker suchen unter Coach Roberto di Matteo weiter nach so etwas wie „Konstanz“ und gingen nach dem beachtlichen 3:2-Heimsieg gegen Wolfsburg mit NULL zu FÜNF gegen den FC Chelsea baden, was sie auf den dritten Platz zurückwirft und die Qualifikation für das Achtelfinale arg gefährdet. Zumal die Niederlage auch noch höher hätte ausfallen können.

Das galt für das Heimspiel der Leverkusener überhaupt nicht. Die Werkself versiebte ihr zweites Spiel gegen den AS Monaco, war allerdings spielbestimmend und ließ beste Chancen ungenutzt, bis die Monegassen eine ihrer wenigen Tormöglichkeiten eiskalt verwerteten, am Ende mit 1:0 als Sieger den Platz verließen. Immerhin: Bayer Leverkusen steht ebenfalls schon im Achtelfinale und kann am letzten Vorrundenspieltag aus eigener Kraft als Tabellenführer die Gruppenphase beenden.

Auch für Wolfsburg und Gladbach hielten sich die Erfolgserlebnisse in der UEFA Europa League „in Grenzen“. Während die „Wölfe“ gegen Everton (trotz gefühlter 133 Torchancen) erneut den kürzeren Zogen (0:2), errackerten sich die Gladbacher in Villareal nach zweimaligem Rückstand noch ein 2:2-Remis. Nun geht es für beide Teams in zwei Wochen um alles, der Einzug in die Zwischenrunde scheint für beide jedoch absolut machbar.

Bis auf die Bayern (die ohne die drei Patzer in Unterzahl wohl sogar noch gewonnen hätten) und Gladbach enttäuschten die restlichen Bundesliga-Teams und können sich am bevorstehenden 13. Bundesliga-Spieltag bei ihren Fans um Wiedergutmachung bemühen. Das sollte insbesondere für Schalke (Heimspiel gegen Mainz), Leverkusen (Heimspiel gegen Köln) und Dortmund (zu Gast in Frankfurt) möglich sein. Die Europa-League-Teilnehmer duellieren sich am Sonntagnachmittag (30. November, 15:30 Uhr) zum Spitzenspiel, die Bayern spielen 90 Minuten im Berliner Olympiastadion vor.

Ex-„Angstgegner“ Spanien empfängt die deutsche Nationalmannschaft zum Jahresabschluss in Vigo

4:0, 1:1, 0:2: So lauten die letzten Ergebnisse der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation 2016 gegen Gibraltar, Irland und Polen. Überschaubare Leistungen, die viele Fans unberechtigterweise Sorgen bereiten. Denn jetzt zum Jahresende hin sind die physischen wie psychischen Batterien bei „unseren Weltmeistern“ wie Kroos, Müller und Co. langsam aber sicher aufgebraucht, sodass es normal ist, wenn nicht jedes Mal ein 7:1 wie gegen Brasilien herausspringt.
Viel eher sollte man sich vor Augen führen, welches unglaublich erfolgreiche Jahr die deutsche Nationalelf hinter sich hat. In den insgesamt 17 Begegnungen in 2014 gab es zehn Siege, vier Remis, lediglich zwei Niederlagen (damit die Pessimisten Bescheid wissen: ein 2:4 im Freundschaftsspiel gegen Argentinien und eben die EM-Quali-Niederlage gegen Polen) – und einen (unvergesslichen) Weltmeisterpokal.

Begegnen sich zwei Weltmeister
Zum Jahresabschluss trifft sich am heutigen Dienstagabend (18. November 2014) im spanischen Vigo der amtierende auf den vorherigen Weltmeister aus Spanien. In den letzten Jahren immer eine Begegnung mit allerhöchster fußballerischer Brisanz, bei der sich die Spanier gewissermaßen zum Angstgegner Deutschlands entwickelten, da sie ihnen 2008 im EM-Finale (0:1) und 2010 im WM-Halbfinale (0:1) jeweils sämtliche Titelträume ruinierten.

Doch von „Angstgegner“ spricht im Vorfeld fast niemand. Das liegt einerseits am Freundschaftsspielcharakter und andererseits am Personal, das beide Trainer heute im Balaidos-Stadion zu Vigo ins Rennen schicken. Weil auf deutscher Seite Stammkräfte wie Neuer und Boateng ausfallen, dürfen Roman Weidenfäller und Shkodran Mustafi beginnen – ebenso wie die Youngster Rüdiger (mal wieder als Rechtsverteidiger) und (endlich, wurde ja auch Zeit) Sturmtalent Kevin Volland. Auf der schwarz-rot-goldenen Ersatzbank nimmt heute darüber hinaus zum ersten Mal (auch hier wie bei Volland gilt: endlich) Innenverteidiger Robin Knoche Platz, der sich aktuell mit dem VfL Wolfsburg in fantastischer Form befindet.

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Im heutigen Freundschaftsspiel gegen Spanien dürfen sich Nationalmannschaftsneulinge wie Karim Bellarabi, Kevin Volland, Antonio Rüdiger, Jonas Hector und (zum ersten Mal) Robin Knoche empfehlen. Foto: © Facebook

Und auch Vicente del Bosque gibt (nach dem enttäuschenden Vorrundenaus bei der WM 2014 nachvollziehbar) dem spanischen Fußballnachwuchs eine Chance, sodass noch eher weniger bekannte Kicker wie Stürmer Paco Alcácer, Ignacio Camacho (im defensiven Mittelfeld) oder Keeper (kein Tippfehler, spielt wohl für Iker Casillas) Kiko Casilla auflaufen dürften.

Spanien geht als dezenter Favorit ins Spiel
Aufgrund der vielen Wechsel und den veränderten Startformationen rechne ich mit einer abwechslungsreichen Begegnung, die die Spanier mit 2:1 für sich entscheiden. Ganz allein aus dem Grund, weil spielstarke Offensivspieler wie Isco, Koke und Co. der (neu zusammengewürfelten) deutschen Hintermannschaft große Schwierigkeiten bereiten dürften. Zumal Weltmeister wie Toni Kroos und Thomas Müller sich zuletzt schon gegen Gibraltar über den „Sinn solcher Spielansetzungen“ beklagten und einen erschöpften Eindruck machten, sie in einem Freundschaftsspiel jetzt wohl kaum 110 Prozent ihrer Klasse abrufen.

Wohin mit Podolski?
Oder etwa doch? Heute Abend ab 20:45 Uhr wissen wir mehr. Dennoch würde ich den Deutschen den 11. Sieg im Kalenderjahr 2013 wünschen, am besten durch Tore der Neulinge in der Startformation (Weidenfeller!) oder den zuletzt sportlich unglücklichen Lukas Podolski. Eigentlich ein Wahnsinn: Mit seinen 29 Jahren hat er bereits 121 Länderspiele hinter sich (zum Vergleich: Rekordnationalspieler Loddar M. machte sein 150. Spiel im DFB-Dress mit 39 Jahren). Und doch wirkt es so, als würde der bullige, schussstarke Linksaußen im Verein wie im Nationalteam nicht mehr wirklich gebraucht werden. Warum Joachim Löw ihn nicht beispielsweise mal auf der „Problemposition“ in vorderster Spitze einsetzt, bleibt mir schleierhaft. Das auf dem linken Flügel dribbelstarke wie pfeilschnelle Spieler wie Reus, Draxler, Schürrle (oder möglicherweise sogar schon Karim Bellarabi) ihn verdrängen, ist kein Geheimnis. Aus diesem Grund darf man gespannt sein, in welche Richtung sich Podolskis Fußballerkarriere in den nächsten Jahren entwickelt. Unter normalen Umständen sollte er die noch fehlenden 29 Länderspiele auf jeden Fall bestreiten können, um Herrn Matthäus als Rekordnationalspieler der deutschen Nationalelf abzulösen. Ich würde es ihm als authentische wie sympathische Fußballulknudel definitiv gönnen.

Ein Filmtipp, der vor über 10 Jahren aktuell gewesen wäre und trotzdem nicht zu spät daherkommt

Noch vage erinnere ich mich an meine „erste“ Fußball-WM im Jahr 1998. Vom Fußballturnier in Frankreich blieben mir (neben dem enttäuschenden Aus der Deutschen im Viertelfinale) besonders der Name Davor Suker (WM-Torschützenkönig mit sechs Treffern, passend zu auftrumpfenden Kroaten, die überraschend WM-Dritter wurden), die bis zum Finale zaubernden Brasilianer (was für eine Offensive mit Ronaldo, Rivaldo und Bebeto) sowie ebenso grandios aufspielende Franzosen („Zizou“ in Bestform) im Gedächtnis. An den lebensgefährlichen Angriff deutscher Hooligans auf den französischen Polizist Daniel Nivel erinnere ich mich ebenfalls, auch wenn ich mit acht Jahren dieses (schreckliche) Ereignis natürlich noch nicht einordnen konnte.

Vier Jahre später zur Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea sehen die Erinnerungen etwas anders aus. Ich ärgerte mich oft genug darüber, dass ich zu den Anstoßzeiten (meist am Morgen bzw. vormittags) zur Schule musste (immerhin die ideale Gelegenheit gewesen, um an noch fehlende Panini-Sammelsticker zu kommen), auch wenn ich zu den Spielen der Deutschen (oft begannen sie gegen 13:30 Uhr) bereits Schulschluss hatte. Allein nach dem 8:0-WM-Auftakt mit einem überragenden Miro Klose (und Michael Ballack!) war ich so fasziniert vom Spiel der Deutschen, dass sie meiner Meinung nach nur Weltmeister werden konnten. Wurden sie ja immerhin auch fast, wenn, ja wenn da nicht Ronaldo im Finale zur richtigen Zeit am richtigen Ort (Mensch Olli, den Schuss hättest du sonst mit verbundenen Armen pariert!) und der ein Weltklasse-Turnier spielende Michael Ballack nicht (wie unglaublich ärgerlich) gelb gesperrt gewesen wäre. Für alle, die es nicht mehr auf dem Schirm haben: Deutschland verlor das Finale in Yokohama gegen Brasilien mit 0:2.

Es war eines jener Fußballspiele, die weltweit über eine Milliarde Menschen verfolgten, unter anderem auch die Nationalmannschaften von Bhutan und Montserrat, die sich die Partie gemeinsam anschauten. Als (damalige) Schlusslichter der FIFA-Weltrangliste veranstalteten sie vor dem WM-Finale 2002 ein besonderes Länderspiel, nämlich ihr eigenes inoffizielles „Finale“ in Thimphu (der bhutanischen Hauptstadt), um ein für alle mal zu klären, welche Nationalelf ihren ersten Sieg überhaupt einfahren sollte.
Ein durchaus skurriles, humorvolles und einzigartiges Szenario, dem sich der niederländische Filmemacher Johan Kramer annimmt und in der Fußballdokumentation „The Other Final“ festhält. Man ist dadurch zum Beispiel dabei, wenn Montserrats Nationalspieler ihre ersten Autogramme ihrer Karriere geben oder beide Nationalteams zusammen musizieren und ein Gefühl für die unterschiedlichen Kulturen entwickeln.

Ob es in Zukunft ein „The Other Final“-Sequel geben wird, ist ungewiss. Ohne Frage würde ich mir das auf jeden Fall gönnen. Nach heutigem Stand (9. November 2014, 21 Uhr) würde dadurch die Partie San Marino gegen Bhutan zustande kommen.
Trotzdem die bhutanische Nationalelf am 30. Juni 2002 Montserrat mit 4:0 besiegt (und es dennoch nur Gewinner gibt), teilen sie sich nun wieder zusammen mit San Marino die rote Laterne der FIFA-Weltrangliste. Montserrat hingegen befindet sich „im Vormarsch“ und macht es sich aktuell auf Platz 170 (zwischen Nicaragua und den Seychellen) bequem. Und das ist absolut kein Problem. Denn wie „The Other Final“ eindrucksvoll zeigt, geht es (zum Glück) nicht immer nur um Gewinnen oder Verlieren, sondern ebenso einfach nur um den Spaß am Spiel, der maßgeblich zur interkulturellen Verständigung beiträgt und Menschen spielend zusammenbringt.

Giorgio Chiellinis „ungewöhnlicher“ Hattrick gegen Aserbaidschan / Deutschland zu Gast in Warschau

Alle Bundesliga-Fans werden es schon mitbekommen haben: Es herrscht mal wieder Länderspielpause. Für die einen ärgerlich, da die höchste deutsche Fußballiga gerade wieder so viel Spaß macht, für die anderen eine gelungene Abwechslung, um mit die besten Kicker verschiedener Länder im direkten Duell zu sehen.

Am gestrigen Abend (10. Oktober 2014) traf Italien Zuhause in Palermo schon einmal auf die von Berti Vogts bereits seit April 2008 trainierten Aserbaidschaner. Eigentlich eine fußballerisch klare Angelegenheit, da Aserbaidschan sich (wahrscheinlich) zusammen mit Malta um die rote Laterne und Italien sich mit Kroatien um den ersten Tabellenplatz balgt. Doch trotzdem die Italiener mit Torwartlegende Buffon, Mittelfelddirigent Andrea „No Pirlo no party“ Pirlo und BVB-Neuzugang Ciro Immobile aufliefen, hielten die blendend verteidigenden Aserbaidschaner lange beachtlich gut dagegen. Dabei konnten sie sich bei einem Mann bedanken, der erst gegen sie (44. Minute, Kopfball), dann für sie (76. Minute, Eigentor) und am Ende noch einmal (82. Minute, Kopfball) gegen sie einnetzte: Innenverteidiger Giorgio Chiellini. Er war der Matchwinner in einer von Italien eher angriffsschwachen Begegnung, die sie durch seinen „Hattrick“ (noch) mit 2:1 gewannen.

Und die Weltmeister aus Deutschland? Die spielen heute in Warschau gegen Polen, die wohl stärksten Konkurrenten um den Gruppensieg in ihrer Gruppe. Nicht unwahrscheinlich, dass Lewandowski, Piszczek und Co. gegen die Deutschen (mindestens) ein Tor gelingt. Denn sollte die deutsche Abwehrformation tatsächlich aus den zuletzt unterdurchschnittlichen Hummels, Durm und Rüdiger (ich würde Rudy als RV beginnen lassen) bestehen, würde es mich doch wundern, wenn das 90 Minuten ohne Querschläger, Ballkerzen oder Notbremsen über die Bühne geht. Wobei Durm und Hummels im Nationaltrikot ja schon ihre Fähigkeiten gezeigt haben und sich mit einer guten Leistung gegen Polen (natürlich ebenso wie Antonio Rüdiger) formtechnisch ein wenig stablisieren könnten, was ihnen nachhaltig genauso auf Vereinsebene helfen dürfte.

Offensiv debütiert bei den Deutschen Karim Bellarabi, der erstmals auf der schwarz-rot-goldenen Ersatzbank Platz nimmt. Eine vertretbare Nominierung, die allerdings André Hahn, Lars Bender, Gonzalo Castro (warum er nach wie vor nie nominiert wird, bleibt ein Rätsel) oder Niklas Süle verdient gehabt hätten.
Ein Glück: Max Kruse ist wieder mit an Bord. Worauf Jogi Löw mit der Beförderung von Kevin Volland wartet, bleibt mir ebenso unklar. Früher oder später wird er an ihm und seinen Angriffsqualitäten nicht vorbeikommen. Vielleicht hat er sich diesen Schritt aktuell noch erspart, da Mario Götze derzeit ganz gut trifft und gegen Polen wahrscheinlich in vorderster Spitze beginnt. Ob sich das als sinnvoll erweist, muss man dann sehen. Tendenziell kann das aber nicht die Lösung der Sturmprobleme darstellen, denn Götze gehört ins Mittelfeld und bewirkt dort wesentlich mehr als auf der Stürmerposition.

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Deutschlands Offensivhoffnungen für das EM-Qualifikationsspiel in Warschau. Wer wird ihnen gerecht werden? Wirbelwind André Schürrle? WM-Final-Held Mario Götze? Real Madrids neuer Star Toni Kroos? Debütant Karim Bellarabi? Auch „Edelreservist“ und aktuell erfahrenster DFB-Profi Lukas Podolski scheint für das Duell gegen sein Geburtsland bestens motiviert. Foto: © Facebook

Heute ab 20:45 Uhr wissen wir dann mehr. Ich bin gespannt, mit wie viel direkter/indirekter Werbung „RTL“ seine Zuschauer zuballert und wie sich die deutsche Mannschaft in Warschau präsentiert. Ich rechne mit einer umkämpften Begegnung, die am Ende in einem 2:2-Unentschieden endet. Nicht, weil ich aus deutscher Sicht Ultrapessimist bin, sondern weil ich glaube, dass die Startformation vom heutigen Abend sich noch finden/einspielen muss und zwangsläufig noch Fehler gegen fußballerisch gut aufgestellte Polen machen wird. Gerne lasse ich mich (wie immer) eines Besseren belehren und hoffe auf ein abwechslungsreiches wie spannendes Spiel (gerne auch von aufstrebenden DFB-Profis wie Kruse, Durm und Co.).

Jogi ohne Hansi und Deutschland ohne Miro, Per und Lahm im ersten Länderspiel seit dem WM-Finale 2014.

Wahnsinn. 52 Tage ist es also bereits her, als sich quasi ganz Deutschland zu später Stunde in den Armen lag, auf die Straße ging und den Nachthimmel mit Feuerwerkskörpern erleuchtete. Ja, an diesem Sonntag, den 13. Juli 2014, ist mit dem vierten WM-Sieg einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein sporthistorischer Triumph gelungen, auf den man in anderen Ländern wahrscheinlich mit der Einführung eines Nationalfeiertags reagiert hätte.

Oh, wie war das schön! Mario Götze wird heute als Siegtorschütze aus dem WM-Finale 2014 auch heute Abend in aller Munde sein. Foto: © Facebook.

Oh, wie war das schön! Mario Götze wird als Siegtorschütze aus dem WM-Finale 2014 auch heute Abend ein Gesprächsthema sein. Foto: © Facebook.

Und hier in Deutschland? Nichts dergleichen. Die WM-Euphorie ist längst verflogen und man macht sich (wie sonst auch fast immer) unnötig Sorgen um die Qualität des deutschen Teams. Stimmt. Jetzt, wo Co-Trainer Hans-Dieter (hat ihn eigentlich jemals jemand so genannt?) Flick nicht mehr Bundestrainer Joachim Löw assistiert (sondern ab Oktober Thomas Schneider). Und zerfällt die Mannschaft nun komplett, da sich Kapitän Philipp Lahm (konzentriert sich jetzt wohl auf sein Engagement als inoffizielles Testimonial von „Kinder Riegel“), Abwehrhüne Per „The Wall“ Mertesacker und die Torlebensversicherung der letzten Jahr names Miroslav Klose in den Nationalmannschaftsruhestand verabschiedet haben?

Allesamt Fragen, denen man beim heutigen Freundschaftsspiel in Düsseldorf ganz entspannt begegnen kann. Zwar fällt der auserkorene „neue“ Mannschaftskapitän Bastian Schweinsteiger (Lahms Nachfolger als Nationalmannschaftskapitän) verletzt aus, doch auch Manuel Neuer dürfte dieser Herausforderung gewachsen sein.
Wer Lahm allerdings fußballerisch als Außenverteidiger (hier hinterlässt er die größte Lücke, im zentral-defensiven Mittelfeld existiert sowieso ein Spielerüberangebot) ersetzt, muss man heute und in Zukunft sehen. Möglich, dass Löw hierfür auf Wolfsburgs Sebastian Jung, Freiburgs Oliver Sorg, Dortmunds Kevin Großkreutz oder Leverkusens Lars Bender zurückgreift. Auch Jerome Boateng spielte die Rechtsverteidigerposition schon einige Male im DFB-Trikot. Warum Leverkusens Gonzalo Castro scheinbar überhaupt keine Rolle in Löws Planungen spielt, der ebenfalls diese Position (und noch viele mehr) bekleiden könnte, müsste man ihn auch nochmal fragen.

In Sachen Innenverteidigung (und Mertesackers Erben) muss man sich wirklich keine Sorgen machen. Hier können Hummels, Badstuber, Rüdiger, Ginter, Boateng, Mustafi, Höwedes, ferner auch Robin Knoche (Wolfsburg), Niklas Süle (Hoffenheim), Jonathan Tah (HSV, nach Düsseldorf verliehen) oder Marc-Oliver Kempf (Freiburg) in den kommenden Jahren gemeinsam versuchen, so wenig Gegentore wie nur möglich zuzulassen und eine stabile Abwehrformation zu bilden.

Und im Sturm? Ja, dort herrscht nach wie vor Ebbe. Ein Glück, dass Mario Gomez wieder fit und auf Torejagd gehen kann, wenn, ja wenn Löw mal wieder einen „klassischen“ Mittelstürmer benötigt. Für die vorderste Spitze bieten sich zudem die Herren Lasogga (HSV), Volland (Hoffenheim), Kruse (Gladbach), Schieber (wenn er in jedem Spiel bis Saisonende für die Hertha trifft) oder (man kann es nicht oft genug sagen) Kießling an. Alles Spieler, die ich eher dort sehe, als Götze, Özil oder Thomas Müller.

Kurzum: Auch ohne Lahm, Mertesacker und Klose dreht sich die weltmeisterliche Fußballwelt der deutschen Nationalmannschaft weiter. Und das sogar sehr gut, denn bei dieser Riesenauswahl an hochtalentierten Profifußballern wäre es doch gelacht, wenn die Erfolgskurve sich nicht in den kommenden EM/WM-Turnieren fortsetzt.

Austragungsort des heutigen Länderspiels: die Esprit-Arena in Düsseldorf. Foto: © Facebook.

Austragungsort des heutigen Länderspiels: die Esprit-Arena in Düsseldorf. Gelingt Deutschland hier der nächste Sieg gegen Argentinien? Foto: © Facebook.

Das Freundschaftsspiel heute Abend ist dahingehend allerdings von nur äußerst geringer Aussagekraft. Na klar: Einige Medien sprechen von einer „Revanche“, die die Argentinier an uns nehmen können/müssen/sollten. Absoluter Quatsch, denn Weltmeister ist und bleibt (zumindest bis zur WM 2018) nun eben trotzdem Deutschland. Da das auch alle beteiligten Akteure wissen, rechne ich mit einer munteren Partie, die die Argentinier durchaus für sich entscheiden können, wenn Agüero, di Maria und Co. mit Einzelaktionen der wahrscheinlich neu formierten deutschen Abwehrformation Probleme bereiten. Darum erscheint mir ein 2:1 Auswärtserfolg der „Albiceleste“ wahrscheinlich, selbst wenn man mal schauen muss, wie bei den Kickern auf dem Rasen die allgemeine Motivation auf das Freundschaftsspiel heute aussieht. Ansonsten sind auch mehr oder weniger Tore (und gelbe/rote Karten) möglich.