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Das Gegenteil von Fanliebling: Warum meckert eigentlich gefühlt ganz Deutschland über Mario Gomez?

Er steht als Model vor der Kamera, gibt trotz herber Kritik meist bodenständige wie absolut authenische Interviews und erlebt beim FC Bayern München den wohl erfolgreichsten Karriereabschnitt seines Lebens (Champions-League-Sieg, zweimaliger deutscher Meister und Pokalsieger, zudem Torschützenkönig in 2010/2011 mit hervorragenden 28 Treffern).
Trotzdem verbindet gefühlt alle Welt (zumindest die Mehrheit in Fußballdeutschland) Mario Gomez und seine fußballerischen Qualitäten mit Fehlleistungen, beispielsweise als er gegen Österreich eine Großchance freistehend aus drei Metern über das Tor setzt. Natürlich eine skurrile Szene, da er unbedrängt viel Zeit hat, um das Spielgerät im Tor zu parken. Dennoch kennt es jeder, der selbst kickt, dass man manchmal einfach jede Menge Pech im Abschluss haben kann, sodass sich unglückliche Momente wie diese ergeben können.

Mittlerweile ist Mario Gomez 29 Jahre alt und spielt seit Juli 2013 für den AC Florenz, weil damals in München eher auf die Fähigkeiten von Mario Mandzukic gebaut wurde, der ein Jahr später ebenfalls „das Weite suchte“, nach Streitigkeiten (und der Verpflichtung von Robert Lewandowski) nicht mehr gebraucht wurde. Und während Mandzukic sich bei Atletico Madrid bereits prächtig eingefügt hat, sucht Gomez bei den „Violetten“ nach seiner Form und Torgefahr vergangener Tage. Ein Glück, dass ihm in so einer schwierigen Situation sein Trainer Vincenzo Montella zuletzt tatkräftig „Mut zu spricht“, ihm indirekt sein Karriereende empfiehlt.

Das muss man sich mal vorstellen: Gomez hat seit seinem Wechsel nach Italien nicht einmal 25 Spiele bestreiten können, weil ihn andauernd Knie- und Oberschenkelverletzungen plagen und dann sagt sein eigener Trainer so etwas. Immerhin ist er jetzt seit November 2014 wieder körperlich gesund, führt sein Team einige Male in Ligaspielen als Kapitän aufs Feld und erzielt beim 4:0-Auswärtserfolg in Cagliari Ende November sogar sein allererstes Saisontor.

Klar ist: Ja, er steckt weiterhin in einem gewissen Formtief, eben bedingt durch Verletzungen, vielleicht auch, weil er sich zu viele Gedanken um sich und seine Situation macht? Wer weiß. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er unter Louis van Gaal beim FC Bayern in 2010/2011 an den ersten sieben Bundesliga-Spieltagen wenig überzeugte, um dann in den folgenden 26 Partien mal eben 28 Tore zu erzielen, aber nicht verhindern kann, dass der FC Bayern den clubinternen Weltuntergang (da titellose Saison) durchlebt.

Alle, die Gomez immer als geborenen Chancentod und engagierten Balljungenunterhalter betiteln, übertreiben maßlos. Bei Miroslav Klose hat sich bei der WM 2014 auch beispielsweise niemand beschwert, dass er in seiner Karriere natürlich ebenfalls einige Fehlschüsse praktiziert hat, ein Mittelstürmer „alter Schule“ ist und deshalb dennoch gebraucht wurde.

Das heißt: Der gegnerische Strafraum ist (für Klose wie für Gomez) ihr Dreh- und Angelpunkt, riskante Dribblings und variierende Positionen (auf die Flügel oder ins Mittelfeld ausweichen) sind nicht unbedingt ihre Spezialität, was Oliver Kahn ähnlich sieht. Dass Mario Gomez dennoch auf jeden Fall weiß, wo das Tor steht, hat er in seiner Laufbahn bereits mehr als beeindruckend bewiesen. Wer in 236 Bundesliga-Begegnungen 138 Buden macht sowie mit 26 Toren derzeit noch der deutsche Toptorjäger in der Champions League ist, kann nicht so schlecht sein, wie ihn die Leute machen. Und auch diese etwa siebenminütige „Best Of“-Compilation kommt nicht zufällig zustande und zeigt einige seiner besten Torabschlüsse der Karriere.

Zuletzt wurde spekuliert, dass er bei Swansea City die Nachfolge von Wilfried Bony antreten soll. Oh really? Natürlich wäre die Premier League eine neue Chance für ihn. Allerdings halte ich es für absolut realistisch, dass er bis zum Saisonende (vorausgesetzt, er bleibt gesund) bei Florenz durchstartet und seine Torquote nach oben korrigiert, egal ob in der Serie A oder in der Europa League. Mit 29 Jahren steht Gomez jedenfalls wohl alles andere, aber ganz sicher nicht vor seinem Karriereende. Ich traue ihm absolut zu, dass er sein Formtief überwindet und ihm vielleicht schon heute (18. Januar 2015) im Ligaspiel auswärts gegen Chievo Verona ein gute Leistung glückt.

Und selbst, wenn bei ihm zuletzt nicht alles rund läuft, gab es möglicherweise trotzdem einen kleinen Grund für ihn zur Freude: Sein langjähriger „Lieblingsgegenspieler“ namens Maik Franz hat seine aktive Sportlerkarriere beendet, kann ihn und seine Gesundheit in fußballerischen Aufeinandertreffen wohl nicht mehr in Gefahr bringen.

Manuel Neuer im Duell mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo: Kann ein Torwart Weltfußballer des Jahres werden?

Ein Profi-Fußballtorwart kann als Einzelspieler heutzutage unterschiedliche Titel gewinnen: Torhüter des Jahres, Welttorhüter des Jahres, Spieler des Jahres (national), Europas Fußballer des Jahres, sogar „Welttorhüter des 21. Jahrhunderts“ (obwohl das Jahrhundert noch um die 85 Jahre geht) und die Torjägerkanone (Jörg Butt kam bspw. als torhungriger Keeper 1999/2000 mal auf 9 Bundesligatore) sind theoretisch möglich – und natürlich die Auszeichnung zum Weltfußballer des Jahres. Dass ein Keeper tatsächlich Weltfußballer des Jahres wird, den FIFA Ballon d’Or entgegennimmt, hat es allerdings bisher noch nie gegeben. Die wohl bedeutungstragendste Einzelauszeichnung im Fußballsport war bisher meist nur Ballzauberern wie Ronaldinho (2004, 2005), Zinedine Zidane (1998, 2000, 2003) oder Leo Messi (2009-2012) vergönnt.
Eine Ausnahme bildete der italienische Innenverteidiger Fabio Cannavaro, der 2006 zum Weltfußballer des Jahres ernannt wurde, nachdem er u.a. als Kapitän mit fantastischer Defensivarbeit sein Land zum Weltmeistertitel führte. Er dürfte ein Mutmacher für Manuel Neuer sein, der in diesem Jahr ebenfalls die Weltmeistertrophäe in den Händen gehalten hat – und nun gemeinsam mit Leo Messi und Cristiano Ronaldo unter die drei Kandidaten des Ballon d’Or 2014 nominiert wurde.

Hat Manuel Neuer bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2014 überhaupt eine Chance gegen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi?

Ein Problem für Neuer: Seine Leistungen lassen sich schwer vom Papier ablesen, wie das bei seinen Mitkonkurrenten möglich ist. Klar: Wer wettbewerbsübergreifend in 2013/2014 51 Tore in 47 Spielen für Real Madrid (Cristiano Ronaldo) oder 41 Buden in 46 Partien für den FC Barcelona (Leo Messi) erzielte, hat mit Sicherheit eine herausragende Spielzeit hinter sich. Um die Qualität der fußballerischen Leistung eines Manuel Neuer einzuschätzen, muss man diverse Spiele mit ihm gesehen haben, sich darüber bewusst sein, warum er mittlerweile Spitznamen wie „Torwart-Libero“ oder „Supermanu besitzt.

Denn es sind nicht nur die Glanzparaden, die ihn auszeichnen. Er ist für seine Torhüterverhältnisse enorm technisch beschlagen, was dazu führt, dass er Zuspiele auch mal per Hackenpass weiterleitet, mit gezielten Abwürfen und -stößen Angriffe initiiert, im Falle eines Elfmeterschießens auch ohne mit der Wimper zu zucken das Leder in die Maschen jagt. Das alles im Zusammenspiel mit seiner imposanten 1,93-Meter-Statur sorgt dafür, dass er ein enormes Standing genießt, das ihm (beim Gegner) den Spitznamen „The Wall“ beschert, da er regelmäßig reaktionsschnell 1on1-Situationen für sich entscheidet.

Eintrag in den Sportgeschichtsbüchern ist Manuel Neuer bereits sicher

Ganz egal, wie die Trainer und Kapitäne der Nationalmannschaften sowie die Medienvertreter am 12. Januar 2015 in Zürich abstimmen: Allein mit seiner Nominierung unter die Top 3 gelingt Manuel Neuer bereits etwas Historisches. Er ist nach Oliver Kahn (2002) erst der zweite Torhüter überhaupt, der jemals in die nähere Auswahl zur Weltfußballerwahl gekommen ist (zudem nach „Loddar“, „Icke“ Häßler, „Klinsi“ und dem Torwart-Titan erst der fünfte deutsche Kicker, der bei einer Weltfußballerwahl seine Berücksichtigung findet).

Er hat seine eigene Wachsfigur bei Madame Tussauds, entwickelt sich dank „YTITTY“ zum viralen Hit, hat mehr Facebook-Follower als Bulgarien Einwohner (7,52 Millionen). Mit den Bayern macht er bald wohl wieder Triple, Quadruple, Quintuple (or whatever) klar, ist Welttorhüter des Jahres 2013 (und möglicherweise auch 2014). Kurzum: Es könnte fast nicht besser laufen für Manuel Neuer.
Ohne Frage: Der Titel „Weltfußballer des Jahres 2014“, der FIFA Ballon d’Or 2014, würde seine herausragende Fußballerkarriere vorzeitig (er ist erst 28 Jahre jung, damit in Torhüterkreisen noch ein junger Hüpfer) krönen. Geht er doch seit vielen Monaten bodenständig wie souverän (nahezu tadellos) seiner Arbeit nach und versucht stetig den besten Ballartisten dieser Welt (wie Messi, Cristiano Ronaldo oder Lord Bendtner) den Torabschluss zu vermiesen. Und vielleicht ja auch den Ballon d’Or. Er hätte es auf jeden Fall verdient.

Die Bundesliga ist die geilste und stärkste Fußball-Liga der Welt: Vielleicht, vielleicht auch nicht?

Sechs Fußball-Teams repräsentieren aktuell Deutschland in den internationalen Wettbewerben und sorgten vor fünf Wochen für einen perfekten Europacup-Spieltag, als sie jeweils ihre Begegnungen gewannen und das bei einer hervorragenden Torbilanz von 26:6. Eine Tatsache, die bei vielen nur ein Fazit zuließ: Augenscheinlich müssen sich die deutschen Vertreter in internationalen Wettbewerben vor keinem Gegner fürchten. Dass das (leider) nur eine Momentaufnahme gewesen ist, veranschaulichen die Ergebnisse in Champions League wie Europa League in dieser Woche (25.-27. November).

Desolater Europapokal-Spieltag für deutsche Teams
Die Statistik lautet hier nicht 6-0-0 wie Ende Oktober, sondern 0-1-5, Tordifferenz 4:15. Allen voran gegen die englischen Teams (Chelsea, Manchester City, Arsenal, Everton) sahen die deutschen Teams dieses Mal wenig bis gar kein Land.

Dem FC Bayern widerfuhr etwas, was dort in den letzten Spielzeiten nur noch höchstselten anzutreffen gewesen ist: eine Pflichtspielniederlage, die letztlich aus drei individuellen Patzern (Benatia, Xabi Alonso, Boateng) sowie drei Glanzmomenten von Sergio Agüero resultierte. Insgesamt aber eine Pleite ohne größere Folgen, die Bayern stehen längst als Gruppenerster fest.

Wie die Münchener ging ebenso Borussia Dortmund als ungeschlagener Tabellenführer in den 5. Champions-League-Spieltag. Die 0:2-Niederlage vor heimischer Kulisse gegen Arsenal ändert zwar am ersten Tabellenplatz nichts, doch kriselt es nun bei Schwarz-Gelb sichtbar auch außerhalb der Bundesliga ein wenig. Zudem können die Dortmunder in zwei Wochen gegen Anderlecht noch ihren ersten Platz verspielen und würden dann im Achtelfinale auf Teams wie Real Madrid, den FC Bayern, Paris St. Germain/FC Barcelona oder den FC Chelsea treffen.

„Wenig kriseln“ wäre als Einschätzung für die zurückliegende Leistung des rund 30 Kilometer westlich von Dortmund heimischen FC Schalke 04 untertrieben. Die Schalker suchen unter Coach Roberto di Matteo weiter nach so etwas wie „Konstanz“ und gingen nach dem beachtlichen 3:2-Heimsieg gegen Wolfsburg mit NULL zu FÜNF gegen den FC Chelsea baden, was sie auf den dritten Platz zurückwirft und die Qualifikation für das Achtelfinale arg gefährdet. Zumal die Niederlage auch noch höher hätte ausfallen können.

Das galt für das Heimspiel der Leverkusener überhaupt nicht. Die Werkself versiebte ihr zweites Spiel gegen den AS Monaco, war allerdings spielbestimmend und ließ beste Chancen ungenutzt, bis die Monegassen eine ihrer wenigen Tormöglichkeiten eiskalt verwerteten, am Ende mit 1:0 als Sieger den Platz verließen. Immerhin: Bayer Leverkusen steht ebenfalls schon im Achtelfinale und kann am letzten Vorrundenspieltag aus eigener Kraft als Tabellenführer die Gruppenphase beenden.

Auch für Wolfsburg und Gladbach hielten sich die Erfolgserlebnisse in der UEFA Europa League „in Grenzen“. Während die „Wölfe“ gegen Everton (trotz gefühlter 133 Torchancen) erneut den kürzeren Zogen (0:2), errackerten sich die Gladbacher in Villareal nach zweimaligem Rückstand noch ein 2:2-Remis. Nun geht es für beide Teams in zwei Wochen um alles, der Einzug in die Zwischenrunde scheint für beide jedoch absolut machbar.

Bis auf die Bayern (die ohne die drei Patzer in Unterzahl wohl sogar noch gewonnen hätten) und Gladbach enttäuschten die restlichen Bundesliga-Teams und können sich am bevorstehenden 13. Bundesliga-Spieltag bei ihren Fans um Wiedergutmachung bemühen. Das sollte insbesondere für Schalke (Heimspiel gegen Mainz), Leverkusen (Heimspiel gegen Köln) und Dortmund (zu Gast in Frankfurt) möglich sein. Die Europa-League-Teilnehmer duellieren sich am Sonntagnachmittag (30. November, 15:30 Uhr) zum Spitzenspiel, die Bayern spielen 90 Minuten im Berliner Olympiastadion vor.

Superbayern gegen Stolperborussen – Schaffen die Dortmunder gegen den deutschen Rekordmeister die Liga-Wende?

Wenn der amtierende Meister auf den Vizemeister trifft, verheißt das meist eine spannende wie ausgeglichene Partie. Eine Tatsache, die auch am heutigen Abend (1. November 2014) um 18:30 in der Münchener Allianz-Arena so eintreten könnte, auch wenn den FC Bayern und Borussia Dortmund derzeit schon 14 Punkte und 13 (!) Tabellenränge trennen. Während die Münchener also ungeschlagen Kurs auf die Herbstmeisterschaft nehmen, finden sich die Dortmunder im Tabellenkeller wieder. Da kommt ihnen für die „Liga-Wende“ die unbesiegbaren Bayern vielleicht gerade recht.

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Foto: © Facebook.

Rückblick: Zuletzt bewältigten beide Teams im DFB-Pokal ihre Aufgaben souverän und bezwangen quasi im Vorbeigehen Hamburgs Fußballsaushängeschilder, die Bayern den HSV mit 3:1 und der BVB den FC St. Pauli mit 3:0.
Ähnlich erfolgreich präsentieren sie sich in der Königsklasse. Mit maximaler Punktausbeute (drei Siegen aus drei Partien) befinden sich hier sowohl der FCB (zuletzt mit einem wahnsinnigen 7:1-Auswärtssieg beim AS Rom) als auch die Dortmunder (zuletzt mit einem lockeren 4:0-Erfolg gegen Galatasaray Istanbul) schon nahezu mit einem Bein im Achtelfinale der UEFA Champions League.

Nur in der Liga herrscht aktuell irgendwie verkehrte Welt. Am 9. Spieltag kassierte der BVB seine vierte (!) Bundesliga-Pleite in Folge gegen Hannover (0:1) und steht mit nur einem Zähler vom Relegationsplatz entfernt fast schon im Abstiegskampf. Das komplette Gegenteil ist beim FCB an der Tagesordnung, immerhin liegt die letzte Bundesliga-Niederlage schon über ein halbes Jahr zurück. Hier verlor man am 12. April 2014 mit 0:3 vor heimischer Kulisse – gegen Borussia Dortmund. Zuletzt „strauchelten“ die Bayern gegen starke Gladbacher und kamen nicht über ein 0:0-Unentschieden hinaus.

Möglicherweise ein gutes Omen für das Spiel am heutigen Abend? Zumindest auf dem Papier scheint es schon einmal eine packende Begegnung zu werden. Eine Schlüsselposition könnte beim BVB die Besetzung der Linksverteidigerposition werden, die gegen Hannover (Liga) und St. Pauli (Pokal) Youngster Erik Durm nach Verletzungspause und vorher der gelernte Innenverteidiger Sokratis bekleidete. Gut möglich, dass sich Jürgen Klopp hier gegen Bayerns Außenwirbelwinde erneut für den defensiv stabileren Griechen entscheidet, der aber wiederum nicht über den Offensivdrang eines Erik Durm verfügt. Ebenfalls offen: Spielt Gündogan von Beginn an? Theoretisch könnte auch Zweikampfwunder Sven Bender auflaufen. Und wer darf beim BVB die Position in vorderster Front einnehmen? Aubameyang, Ramos oder doch Immobile? Hier dürften Ramos (im Sturmzentrum) und/oder Aubameyang (kann auch auf der rechten Außenbahn spielen) gute Chancen besitzen, um in der Startformation zu landen.

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„Da muss der Ball hin“, deutet Aubameyang seinem Kollegen Marco Reus an. Ob er sich diesen Hinweis heute zu Herzen nimmt oder den Ball doch eher (wie am 12. April 2014 beim 3:0-Auswärtssieg der Dortmunder) ins bayerische Tor jagt, bleibt abzuwarten. Foto: © Facebook.

Bei den Bayern gibt es wenig bis gar keine Fragezeichen, was die Aufstellung betrifft. Einzige Ausnahme: Spielt in der Verteidigung Dante oder Medhi Benatia (oder beide)? Außerdem dürfte Arjen Robben sein Comeback geben und die (zuletzt in der Liga häufig wacklige) Abwehrreihe der Dortmunder vor einige Probleme stellen. Insgesamt scheint es nicht ausgeschlossen, dass Josep Guardiola auf die Elf vertraut, die vor sechs Tagen (26. Oktober 2014) im Gladbacher Borussia-Park ein 0:0 erspielte.

Brisant dürfte die Begegnung auch durch das seit einigen Wochen durch die Medien tanzende „Reus“-Theater werden. Die Bayern kennen anscheinend die festgeschriebene Ablösesumme, für die Marco Reus Borussia Dortmund verlassen kann und sind (wen wundert es) an einem außerordentlichen Fußballer wie ihn nicht abgeneigt. Reus besitzt allerdings noch einen Vertrag bis Ende Juni 2017 und verkündete auf seiner Facebook-Seite, dass für ihn aktuell nur die nächsten Partien mit Dortmund sowie die Länderspiele zählen, sich andere Menschen weitaus mehr Gedanken über seine Zukunft machen würden, als er das tue. Ein eindeutiges Bekenntnis zu seinem Verein à la „BVB ein Leben lang“ o.ä. liest man hier zwar nicht heraus, aber wer weiß, was sich da in den kommenden Monaten noch ergibt.
Darüber hinaus treffen Dortmunds einstige Stars (Götze, Lewandowski) auf ihre ehemaligen Kollegen, was ihnen Pfiffe aus dem schwarz-gelben Gästeblock bescheren (aber auf dem Spielfeld selbst wenig stören) dürfte.

Für die Dortmunder wäre ein Sieg in der Allianz-Arena die ideale Möglichkeit, um einerseits das Unmögliche (Bayern besiegen, Liga spannender machen) und andererseits einen ersten Schritt Richtung Bundesliga-Wende zu schaffen. Denn eigentlich gehören sie mit diesem Kader in die Top (und nicht die Last) 5 der Fußball-Bundesliga. Sie müssen sich „nur“ endlich von ihrer Chancenvergeberitis auskurieren und die folgenschweren Unkonzentriertheiten in der Abwehrarbeit abstellen, um (wohl) auch in der Liga wieder erfolgreichere Zeiten einzuläuten. Vielleicht gelingt das ja schon am heutigen Abend gegen den deutschen Rekordmeister, immerhin haben sie noch kein „Flutlichtspiel“ in dieser Spielzeit verloren (wie die Kollegen von Sky Sport herausfanden und damit mal wieder offenbarten, wie schwach und sinnfrei manche Statistiken doch sein können).

Mein Tipp für heute Abend: Es wird ein packendes Spiel mit einem Chancenübergewicht seitens der Bayern, die am Ende 2:1 siegen. Natürlich kann mich die Borussia aus Dortmund gerne mit einem Remis/Sieg überraschen, am besten mit einem Last-Minute-Treffer in bester Grafite-Manier. Realitätsferne Vision oder möglicherweise von Aubameyang, Ramos und Co. umsetzbar? Heute Abend gegen 18:30 Uhr wissen wir mehr. Auf ein grandioses Spiel!

Mata Mata: Eine ausdrucksstarke Dokumentation über das Fußballgeschäft im 21. Jahrhundert

Am letzten Samstag (24. Mai 2014) läuft im TV vor dem Champions-League-Finale 2014 eine Doku, die sich für alle Fußballfans wirklich gelohnt haben dürfte. „Mata Mata – Spiel des Lebens“ heißt der Film mit der Länge eines Fußballspiels, der die „Talentakquise“ in Brasilien anhand von verschiedenen Spielern beleuchtet.

Einer von ihnen: Bayern Münchens Innenverteidiger Dante, der (bis jetzt) als einziger der vorgestellten Fußballtalente den Sprung in die brasilianische Selecao schafft. Alle anderen (Danilo, Dankler, Mosquito, Thiago, Carlinhos) träumen weiterhin davon und kämpfen mit ihren ganz eigenen Problemen, mit denen sie sich oft in der Kriminalität wiederfinden.
Für sie wie für Millionen andere Fußballer soll der Sport die Brücke sein, die sie und ihre Familie aus dem Armenviertel bringt. Für die Spielerberater und -vermittler sind sie hingegen lediglich „Kapital in Menschenform“, Ware, Verkaufsobjekte. Bleibt die fußballerische Entwicklung aus und ein Spieler ist nicht der erhoffte „neue Pele“, lassen sie ihn fallen – und in der sozialen Misere (Drogen, Gewalt, Korruption) der Heimat zurück.

All das und noch viel mehr thematisiert „Mata Mata – Spiel des Lebens“ und zeigt so auf authentische wie ausdrucksstarke Art und Weise, was eigentlich jeder weiß: Im Profibereich des Sports rückt das Sportliche bei allem Marketing und Geldverdienen immer mehr in den Hintergrund, ins Abseits.

In Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 (die in zwölf Tagen beginnt) also eine Pflicht-Doku, die jeder Fußballbegeisterte sich einmal angesehen haben sollte.
Ihr habt sie verpasst? Kein Problem. In der ARD-Mediathek ist sie noch bis zum 24. Mai 2015 verfügbar.