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Ein Leben lang Lyon? Stürmerstar Lacazette verlängert

Ein klasse Rechtsschuss, starkes Kopfballspiel und eine fantastische Ballbehandlung: Dinge, die niemals auf meine, dafür aber auf die Fußballskills von Lyons derzeit heißestem Stürmereisen zutreffen. Immerhin hat Alexandre Lacazette, in Lyon geboren und die Jugendabteilungen von Olympique durchlaufen, in der vergangenen Spielzeit mit 27 Buden nicht nur mehr als „Saint Zlatan“ erzielt, sondern auch maßgeblich zur Vizemeisterschaft der Lyonnais beigetragen.

Darum erschien es eigentlich nicht abwegig, dass jetzt im Sommer so einige lukrative Anfragen für den 24-Jährigen einflattern. Wird er der Nachfolger von Benzema bei Real Madrid? Beerbt er Van Persie bei Manchester United? Oder kommt er als „neuer“ Henry zum FC Arsenal? Viele Transfers wirkten naheliegend und doch kam alles anders. Denn vor wenigen Tagen (am 8. August 2015) verkündete er, seinen aktuellen Vertrag bis 2019 zu verlängern.

Warum? Weil er sich dort nach wie vor wohl fühle und glücklich sei. Natürlich kein Zufall: Er spielt dieses Jahr in der Champions League, kann mit Lyon die Titeljagd auf die Pariser Millionentruppe starten. Für ihn sicherlich eine reizvolle Aufgabe, wenn auch wohl nur für diese Spielzeit. Trifft er erneut quasi „aus allen Lagen“, dürfte er bei aller Vereinstreue und Sympathie für Lyon nicht mehr zu halten sein. Man darf gespannt sein, wie sich Lyon speziell in der Gruppenphase der Champions League schlägt. Gut möglich, dass sich Lacazette auf der großen Bühne prächtig präsentiert und zusätzlich Werbung für sich macht. Und die Manchester Citys, Real Madrids oder (warum eigentlich nicht?) Bayern Münchens dieser Welt bereit sind, ihn für 30-40 Millionen Groschen über die Ladentheke gehen zu lassen.

Das französische Pendant zu Zlatan Ibrahimovic: Die schönsten Tore von Philippe Mexes

Er mag nicht der beste Verteidiger Frankreichs sein, schon gar nicht der Welt. Dafür hat Philippe „Das Solarium ist mein zweites Zuhause“ und „Jede Woche eine neue Frise“ Mexes ganz andere Qualitäten. Nicht, dass der 33-Jährige Messi ausdribbelte oder einen Sprint gegen David Odonkor (schnell rennen konnte er damals ja wirklich, wenn auch scheinbar nicht viel mehr) gewonnen hat.

Nein, er hat es sich wohl als persönliches Ziel gesetzt, durch brachiale Tore in Erinnerung zu bleiben. Dabei steht auf seiner Visitenkarte eher „Spielzerstörer“ oder „Mensch gewordene Abrissbirne“, wenn er die Bälle resolut klärt und in Kopfballduellen in elf von zehn Fällen als Sieger hervorgeht. Das beweist er zuletzt erneut, als er beim Testspiel seines AC gegen Inter Mailand in unnachahmlicher Art und Weise einen Eckball per „Sprung-Volley-Seitfallzieher“ aus gut siebzehn Metern direkt ins Tor wemmst.

Zu gerne würde man wissen, was ihm Sekunden vor der Aktion durch seinen Kopf geht. Ich zumindest wüsste, dass ich mich allein bei dem Versuch so dermaßen schwer verletzen würde, dass ich niemals mehr auch nur ansatzweise auf die Idee käme, solch einen Move zu starten. Viel spannender ist auch: Wo hat er so etwas gelernt? Hat er bei sich zu Hause ein Volley-, Seitfall- und Fallrückzieherzimmer, in denen er in der Freizeit Sonderschichten schiebt? Kaum vorstellbar, dass Aktionen wie diese zufällig entstehen. Dafür sehen sie doch zu souverän aus, gerade für ihn (und das macht es umso bemerkenswerter) als Innenverteidiger, als Abwehrhaudegen.

Die Kollegen von 11FREUNDE sprachen hier glatt vom „Tor seines Lebens“ und hatten dabei wohl seinen zlatanesken Fallrückzieher aus 2012 kurzzeitig vergessen, mit dem er sich (gefühlt) die fußballerische Unsterblichkeit erspielt hat.

Allerdings trägt Mexes auch in vielen Video den Beinamen „The Beast“. Dann kommtes vor, dass er als Heißsporn die Contenance verliert und mit (nie eine gute Idee) Zlatan Ibrahimovic auf Tuchfühlung geht oder Gegenspieler Stefano Mauri „lieb hat“. Unschöne Szenen, die wir so nicht sehen wollen. Viel lieber habe ich es, wenn er sich als (Traum-)Torschütze versucht – und hier bereits einige Male denkbar knapp scheiterte. Zum Beispiel im Ligaspiel gegen seinen Ex-Club (AS Rom), als er einen Ball aus 41 Metern Richtung Tor jagt und Roma-Keeper De Sanctis zu einer Parade zwingt. Andernfalls wäre das Leder wohl direkt im Netz eingeschlagen – und die Welt um ein Traumtor von Philippe Mexes reicher.

Au revoir: Thierry „Titi“ Henry beendet seine Fußballkarriere

Macht er noch ein Jahr beim FC Arsenal? Geht er zurück zum AS Monaco, dem Fußballverein, bei dem seine Profikarriere begann? Weder noch, denn Thierry Henry verkündete am gestrigen Dienstag (16. Dezember 2014) auf seiner Facebook-Seite, dass er nach 20 Jahren Profifußballerdasein seine aktive Karriere beendet. Seinen Anschlussjob verkündete der 37-Jährige ebenfalls im selben Post: Ja, er geht zurück nach London, aber nicht zu den „Gunners“, sondern zu Sky Sports, um dem Fernsehsender als TV-Experte zur Seite zu stehen.

Damit hängt ohne jeden Zweifel einer der bemerkenswertesten Mittelstürmer der letzten 15 Jahre seine Schuhe an den Nagel, mit denen er über die Jahre die größten Triumphe im Profifußball zelebrierte. Im Detail gehörte dazu: der Weltmeistertitel im eigenen Land (1998), der Gewinn der Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden, der Champions-League-Sieg 2009 gegen Manchester United. Ohne zu übertreiben kann man konstatieren: Pokale pflastern seinen Weg.

Sichert sich seinen Eintrag in den Clubannalen des FC Arsenal

Dabei hatte er die Ehre, Teil phänomenaler Mannschaften (FC Arsenal, vor allem in der Spielzeit 2003/2004 oder den FC Barcelona in 2008/2009) zu sein und sie durch seine grandiosen Fußballfähigkeiten oft noch ein bisschen besser zu machen. Denn egal, bei welchem Team Henry auflief (Ausnahme: sein sechsmonatiger Aufenthalt bei Juventus Turin): Mit seiner Verpflichtung kaufte man die Torgarantie in Person. Eine Tatsache, die sich in 226 Toren für den FC Arsenal widerspiegeln, die ihn zum Rekordtorschützen des Clubs machen. Ein Grund, weswegen die „Gunners“ ihm zu Ehren eine Bronzestatue vor ihr Emirates Stadium errichten, die seine Wertschätzung, seinen Legendenstatus im Verein andeutet.

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Der jubelnde Thierry Henry, verewigt in Bronze vor dem Stadion des FC Arsenal. Als Toptorschütze und langjähriger Erfolgsgarant wird er hier wohl für immer ein außerordentliches Ansehen genießen. Foto: © Facebook

Ein Handspiel, das ihm zum Verhängnis wird

Solch eine Wertschätzung genießt er hingegen in seinem Heimatland Frankreich nicht wirklich, trotzdem er der „Equipe Tricolore“ große Erfolge beschert, mit 51 Länderspieltreffern ihr Rekordtorschütze ist, ihnen durch eine irreguläre Torvorlage (Handspiel) im Entscheidungsspiel zur WM-Qualifikation in Südafrika (2010) die Teilnahme maßgeblich sichert. Zwar gibt er nach Abpfiff zu, den Ball mit der Hand gespielt zu haben, hätte dies aber wohl eher direkt nach der Aktion dem Schiedsrichtergespann mitteilen sollen, statt sich über das dadurch entstandene Tor zu freuen. Aufgrunddessen geht das Bild des unsportlichen, gewinnorientierten Fußballers Thierry Henry um die Welt, insbesondere in Frankreich (und na klar: in Irland) nimmt man ihm das übel.

Und das, obwohl er vorher für seine Vereinstreue, seinen Humor, sein Engagement gegen Rassismus, kurzum: nicht nur als Fußballerspieler, sondern als Persönlichkeit ein überaus positives Standing genießt, sich privat keine ausschweifenden Eskapaden wie manch andere Kollegen leistet. Hätte er dem Schiedsrichter sein Handspiel direkt melden sollen, ja müssen?

Natürlich hätte er sich damit den inoffiziellen Fairplay-Award des Jahrzehnts gesichert, für den es (so hart das klingen mag) aber kein Geld gibt. Wenn es um die Qualifikation zum größten internationalen Fußballturnier der Welt geht, du das entscheidende Tor eben so vorbereitest und das Schiedsrichtergespann es durchgehen lässt, dann wirst du als gestandenden Profi (ehrlich) einen Teufel tun und auf eine Zurücknahme des Treffers pochen, was deinem Land wohl die WM-Teilnahme kostet, dir und deiner Mannschaft einen Millionengewinn ruiniert.

„Titi“ erzielt Tore, von denen so mancher Kollege träumt

Bei allem hin und her um das Handspiel sollte man nicht vergessen, dass das eine (ein Glück) einmalige Szene gewesen ist und Henry in seinen mehr als 700 Partien solche irregulären Mittel eigentlich nie nötig hatte. Eher wusste er mit maßgültigen Vorlagen und technisch häufig herausragenden Toren zu überzeugen, was die diversen „Best Of“-Videos von ihm auf YouTube veranschaulichen.

Als er sich im Alter von 33 Jahren zu einem Wechsel in die amerikanische Major League Soccer entscheidet, betitelt das so mancher Henry-Kritiker als „entspannten Karriereausklang bei fürstlicher Bezahlung“. Zwar gewinnt er mit den New York Red Bulls keinen Titel, macht aber nach wie vor seine (teilweise auch im „hohen Fußballeralter“ unverändert fantastischen) Tore, insgesamt 52 (sowie 42 Assists) in 135 Spielen. Nun ist die MLS vom Niveau in dieser Zeit natürlich nicht mit europäischen Fußballstandards vergleichbar. Trotzdem hätte er wahrscheinlich bei jedem anderen Verein ebenso (auch in diesem Alter) seine Buden gemacht.

Henrys Erben: Benzema, Lacazette, Gignac, Sanogo?

In der französischen Nationalmannschaft versuchen nun Spieler wie Karim Benzema (Real Madrid), Alexandre Lacazette (Olympique Lyon) oder André-Pierre Gignac (Olympique Marseille) in seine Mittelstürmer-Fußstapfen zu treten. Fraglich, ob einem von ihnen das gelingt.

Einer, der ganz bestimmt ähnlich erfolgreiche Pfade wie sein Landsmann Henry beschreiten möchte, befindet sich aktuell in den Reihen vom FC Arsenal: der 21 Jahre junge Yaya Sanogo. Dort spielt er seit Juli 2013 und arbeitet sich nach Verletzungspausen immer besser in das Team ein, erzielt beispielsweise beim Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund (am 26. November 2014) das Tor zum 2:0-Endstand.
Seine Markenzeichen: prächtige Ballbehandlung, guter Torriecher, ebenso beachtliches Kopfballspiel, Hang zur Beidfüßigkeit. Allesamt fußballerische Eigenschaften, die so mehrheitlich wohl auch auf Thierry Henry zutreffen. Zufall? Wer weiß. Man darf gespannt sein, wie sich Sanogo bei Arsenal entwickelt und wie viel „Thierry Henry“ in ihm steckt. Eine Angelegenheit, die Henry selbst bei Sky Sports als TV-Experte in London vielleicht genau beobachten und einschätzen wird.

Von daher bleibt letztlich nur zu sagen: Vielen Dank „Titi“ für deine Fußballkunst, mit der du die Zuschauer über Jahre begeistert hast. Es war mir immer eine Ehre, mit dir bei alten Teilen von Pro Evolution Soccer Traumkombinationen zu initiieren und (gerne per Fallrückzieher) abzuschließen. Au revoir, King Henry.

Ganz große Fußballkunst: Jérémy Ménez‘ Hackenzauber gegen Parma lässt den Zuschauer staunend zurück

Wenn man denkt, man hat nach Zlatan Ibrahimovics Distanz-Fallrückzieher oder dem zielfindenden Abstoß von Torhüter Asmir Begovic schon alle vorstellbaren Tore gesehen, kommt von irgendwo ein Jérémy Ménez daher und belehrt einen einfach mal eines Besseren. Jérémy wer?

Jérémy Ménez, 27 Jahre jung, mittlerweile 24-facher Nationalspieler Frankreichs und vor einigen Jahren eines der größten Fußballtalente des Landes. Ein Etikett, das er allerdings meist nur auf der Konsole bei Pro Evolution Soccer (vielleicht auch bei Fifa) bestätigen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit der Ménez-Nachbildung im Spiel die Außenbahnen unsicher machte, den Gegenspielern davondribbelte, ab und an auch mal das Spielgerät mit ihm im Gehäuse parkte. Allesamt so Dinge, die sich Ménez auch in der Realität gewünscht hätte, aber nicht konstant aufs Spielfeld gebracht hat. So sammelt der temperamentvolle Franzose in Italien (AS Rom) und in der Heimat (Paris St. Germain) zwar insgesamt 99 Scorerpunkte (45 Tore, 44 Assists) in 277 Partien, aber ebenso 55 Einträge in den Notizbüchern der Schiedsrichter (53 gelbe, jeweils ein gelb-roter und roter Karton).

Weil die Spielzeit 2013/2014 bei Paris für ihn zum Vergessen ist und er nur in Notfällen in der Startelf steht, wechselt er zum 1. Juli 2014 zurück nach Italien. Dieses Mal nicht nach Rom, sondern zum AC Mailand.
An der Seite von Fußballgrößen wie Nigel de Jong oder Keisuke Honda sorgt er hier zuletzt dafür, dass erst einmal kein mailändischer Hahn nach Neuzugang Fernando Torres kräht. Denn als wendiger, trickreicher und dribbelstarker Spieler präsentiert er sich in den ersten beiden Saisonspielen der Serie-A das Sturmzentrum Milans und trägt maßgeblich zu den beiden Auftaktsiegen bei.

Bei der gestrigen (14. September 2014) Auswärtsschlacht in Parma (Endstand 5:4 für den AC Milan) netzt er doppelt ein und bereitet einen Treffer vor. Mit seinem Treffer zum 5:3 sorgt er in der 79. Minute für die Vorentscheidung, auch wenn Parma durch Mattia de Ceglie zehn Minuten später noch auf 4:5 verkürzen kann.

Dieses Tor zum 5:3 war definitiv die sehenswerteste Bude, die ich in letzter Zeit gesehen habe und bei dessen Nachahmung ich wohl gleich mehrfach scheitern würde (Torwart umrennen, Ball Richtung Tribüne ballern, gegen den Pfosten laufen o.ä.). Sei es drum: Jérémy Ménez ist das alles nicht passiert. Er wittert den Fehlpass und verwertet ihn zum Solo-Kunststück allererster Güte. In Kurzform heißt das: Torwart umkurven und ihm noch eine vermeintliche Chance lassen, um dann lässig per Hackenschuss einzuschieben. Klingt unverschämt gut? Bei aller Liebe zu Fernschüssen: Das war es auch.

Ziel verfehlt: Doppelpack ins eigene Gehäuse.

Es gibt Tage, an denen möchte man die Welt umarmen, weil irgendwie alles dermaßen reibungslos über die Bühne geht, dass es irgendwie nicht ganz normal zu sein scheint. Allerdings gibt es bei der Achterbahnfahrt des Lebens natürlich nicht nur Sonnen-, sondern auch mal wolkenreiche oder Regentage, was wohl jeder für sich selbst im stillen Kämmerlein nachvollziehen kann.

Einen solchen „geschenkten“ Tag (zumindest auf der Arbeit) erwischte am letzten Wochenende (Samstag, 5. April 2014) der etatmäßige Rechtsverteidiger des französischen Erstligisten Stade Reims.
So „übernahmAissa Mandi einfach mal die Torabschlüsse vom verletzten Ibrakadabra, versenkte gleich zwei (!) Mal das runde Leder beim Auswärtsspiel gegen Paris St. Germain im eigenen Netz und sicherte sich damit den goldenen Unglücksraben des Tages.

Besonders sein Abschluss zum 3:0-Endstand kann sich sehen lassen und beweist, über welche Torjägerqualitäten er im Fünfmeterraum verfügt.

Damit traf der 22-Jährige in der aktuellen Spielzeit öfter ins „Weiße“ als ins Schwarze. Eine Negativquote, an der er morgen Abend (13. April 2014) beim Heimspiel gegen AS St. Etienne und ebenso in 61 Tagen bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien arbeiten kann, wenn er für sein Heimatland Algerien aufläuft. Der Fernschussblog drückt ihm die Daumen!