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Gigi hält und hält und hält: Italiens Lebensversicherung auf der Torwartposition denkt nicht ans Aufhören.

Die Mehrheit derjenigen, die ein Fußballspiel verfolgen, tun das meist aus naheliegenden Gründen: Sie wollen tolle Tore sowie traumhafte Pässe, Flanken und Kombinationen sehen. Desto höher die Spielklasse bzw. renommierter der Wettbewerb, umso häufiger sollen die 22 Spielern auf dem Rasen solche Kunststücke kreieren.
So kommt es viel zu selten vor, dass die „Ladenhüter“ der Mannschaften ihre angemessene Würdigung erhalten. Und das, obwohl sie oft genau jene Traumkombinationen (zumindest deren Vollendung mit einem Tor) verhindern, die die Zuschauer von den Sitzen reißen würden. Ein Torhüter, der das (äußerst erfolgreich) seit fast 20 Jahren praktiziert, ist die italienische Torwartlegende Gianluigi Buffon.

Trotzdem er sich in der Serie-A-Spielzeit 2000/2001 als Tabellenvierter mit dem FC Parma (damals noch mit namhaften Kollegen wie Lilian Thuram, Fabio Cannavaro und Savo Milosevic) für die Champions-League qualifiziert, zieht es ihn im Juli 2001 zur „alten Dame“ nach Turin, immerhin Vizemeister und damit ebenso zur Teilnahme an der Königklasse berechtigt. Parma lässt ihn nur ungern ziehen, kann aber bei einem Angebot von 52,8 Millionen Euro (!) unmöglich widerstehen. Es ist nach wie vor die höchste Summe, für die weltweit ein Fußballtorwart über die Ladentheke gegangen ist.
Und doch scheint sie im Rückblick irgendwie berechtigt, denn Buffon gewinnt als Stammtorhüter mit Juve anschließend (offiziell) fünf Mal die italienische Meisterschaft, wird vier Mal zum Welttorhüter des Jahres ernannt und führt die Squadra Azzura 2006 zum WM-Titel, ist mittlerweile ihr Kapitän.

Und am letzten Donnerstag (20. November 2014) verlängert er mit 36 Jahren seinen laufenden Vertrag bei Juventus und bleibt dem italienischen Rekordmeister bis 2017 erhalten. Klar: mit 39 Jahren hat er dann über 23 Jahre als Profikeeper hinter sich (zumal dann auch seine Medaillen- und Pokalvitrine langsam aber sicher voll sein dürfte). Dabei kann „Gigi“ längst auf eine beeindruckende Sportlerkarriere mit unzähligen Glanzparaden zurückblicken, wie ein 143 sekündiger Arbeitsnachweis von ihm beweist.

Nachvollziehbar, dass sich Juve bereits nach einem geeigneten Nachfolger umschaut, damit dieser wiederum noch rechtzeitig von Buffon in seinen letzten aktiven Spielzeiten lernen kann. Ein Anwärter hierfür ist ganz bestimmt der achtzehnjährige Simone Scuffet, der aktuell wohl als größtes Torwarttalent Italiens angesehen wird, trotzdem er derzeit bei Udinese Calcio nicht Stammtorhüter ist.
Er hätte wohl im Juli bereits ins Ausland wechseln können, macht aber derzeit noch sein Abitur in Udine, bevor es ihn in die große weite Welt (oder einfach nach Turin) zieht. Kaum vorstellbar, dass sich Juve nicht um ihn bemüht. Denn die Verantwortlichen dort wissen seit Dino Zoff und Gianluigi Buffon, dass sich (auch höhere) perspektivische Invesitionen in aufstrebende (einheimische) Keeper lohnen.

Giorgio Chiellinis „ungewöhnlicher“ Hattrick gegen Aserbaidschan / Deutschland zu Gast in Warschau

Alle Bundesliga-Fans werden es schon mitbekommen haben: Es herrscht mal wieder Länderspielpause. Für die einen ärgerlich, da die höchste deutsche Fußballiga gerade wieder so viel Spaß macht, für die anderen eine gelungene Abwechslung, um mit die besten Kicker verschiedener Länder im direkten Duell zu sehen.

Am gestrigen Abend (10. Oktober 2014) traf Italien Zuhause in Palermo schon einmal auf die von Berti Vogts bereits seit April 2008 trainierten Aserbaidschaner. Eigentlich eine fußballerisch klare Angelegenheit, da Aserbaidschan sich (wahrscheinlich) zusammen mit Malta um die rote Laterne und Italien sich mit Kroatien um den ersten Tabellenplatz balgt. Doch trotzdem die Italiener mit Torwartlegende Buffon, Mittelfelddirigent Andrea „No Pirlo no party“ Pirlo und BVB-Neuzugang Ciro Immobile aufliefen, hielten die blendend verteidigenden Aserbaidschaner lange beachtlich gut dagegen. Dabei konnten sie sich bei einem Mann bedanken, der erst gegen sie (44. Minute, Kopfball), dann für sie (76. Minute, Eigentor) und am Ende noch einmal (82. Minute, Kopfball) gegen sie einnetzte: Innenverteidiger Giorgio Chiellini. Er war der Matchwinner in einer von Italien eher angriffsschwachen Begegnung, die sie durch seinen „Hattrick“ (noch) mit 2:1 gewannen.

Und die Weltmeister aus Deutschland? Die spielen heute in Warschau gegen Polen, die wohl stärksten Konkurrenten um den Gruppensieg in ihrer Gruppe. Nicht unwahrscheinlich, dass Lewandowski, Piszczek und Co. gegen die Deutschen (mindestens) ein Tor gelingt. Denn sollte die deutsche Abwehrformation tatsächlich aus den zuletzt unterdurchschnittlichen Hummels, Durm und Rüdiger (ich würde Rudy als RV beginnen lassen) bestehen, würde es mich doch wundern, wenn das 90 Minuten ohne Querschläger, Ballkerzen oder Notbremsen über die Bühne geht. Wobei Durm und Hummels im Nationaltrikot ja schon ihre Fähigkeiten gezeigt haben und sich mit einer guten Leistung gegen Polen (natürlich ebenso wie Antonio Rüdiger) formtechnisch ein wenig stablisieren könnten, was ihnen nachhaltig genauso auf Vereinsebene helfen dürfte.

Offensiv debütiert bei den Deutschen Karim Bellarabi, der erstmals auf der schwarz-rot-goldenen Ersatzbank Platz nimmt. Eine vertretbare Nominierung, die allerdings André Hahn, Lars Bender, Gonzalo Castro (warum er nach wie vor nie nominiert wird, bleibt ein Rätsel) oder Niklas Süle verdient gehabt hätten.
Ein Glück: Max Kruse ist wieder mit an Bord. Worauf Jogi Löw mit der Beförderung von Kevin Volland wartet, bleibt mir ebenso unklar. Früher oder später wird er an ihm und seinen Angriffsqualitäten nicht vorbeikommen. Vielleicht hat er sich diesen Schritt aktuell noch erspart, da Mario Götze derzeit ganz gut trifft und gegen Polen wahrscheinlich in vorderster Spitze beginnt. Ob sich das als sinnvoll erweist, muss man dann sehen. Tendenziell kann das aber nicht die Lösung der Sturmprobleme darstellen, denn Götze gehört ins Mittelfeld und bewirkt dort wesentlich mehr als auf der Stürmerposition.

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Deutschlands Offensivhoffnungen für das EM-Qualifikationsspiel in Warschau. Wer wird ihnen gerecht werden? Wirbelwind André Schürrle? WM-Final-Held Mario Götze? Real Madrids neuer Star Toni Kroos? Debütant Karim Bellarabi? Auch „Edelreservist“ und aktuell erfahrenster DFB-Profi Lukas Podolski scheint für das Duell gegen sein Geburtsland bestens motiviert. Foto: © Facebook

Heute ab 20:45 Uhr wissen wir dann mehr. Ich bin gespannt, mit wie viel direkter/indirekter Werbung „RTL“ seine Zuschauer zuballert und wie sich die deutsche Mannschaft in Warschau präsentiert. Ich rechne mit einer umkämpften Begegnung, die am Ende in einem 2:2-Unentschieden endet. Nicht, weil ich aus deutscher Sicht Ultrapessimist bin, sondern weil ich glaube, dass die Startformation vom heutigen Abend sich noch finden/einspielen muss und zwangsläufig noch Fehler gegen fußballerisch gut aufgestellte Polen machen wird. Gerne lasse ich mich (wie immer) eines Besseren belehren und hoffe auf ein abwechslungsreiches wie spannendes Spiel (gerne auch von aufstrebenden DFB-Profis wie Kruse, Durm und Co.).

Ganz große Fußballkunst: Jérémy Ménez‘ Hackenzauber gegen Parma lässt den Zuschauer staunend zurück

Wenn man denkt, man hat nach Zlatan Ibrahimovics Distanz-Fallrückzieher oder dem zielfindenden Abstoß von Torhüter Asmir Begovic schon alle vorstellbaren Tore gesehen, kommt von irgendwo ein Jérémy Ménez daher und belehrt einen einfach mal eines Besseren. Jérémy wer?

Jérémy Ménez, 27 Jahre jung, mittlerweile 24-facher Nationalspieler Frankreichs und vor einigen Jahren eines der größten Fußballtalente des Landes. Ein Etikett, das er allerdings meist nur auf der Konsole bei Pro Evolution Soccer (vielleicht auch bei Fifa) bestätigen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit der Ménez-Nachbildung im Spiel die Außenbahnen unsicher machte, den Gegenspielern davondribbelte, ab und an auch mal das Spielgerät mit ihm im Gehäuse parkte. Allesamt so Dinge, die sich Ménez auch in der Realität gewünscht hätte, aber nicht konstant aufs Spielfeld gebracht hat. So sammelt der temperamentvolle Franzose in Italien (AS Rom) und in der Heimat (Paris St. Germain) zwar insgesamt 99 Scorerpunkte (45 Tore, 44 Assists) in 277 Partien, aber ebenso 55 Einträge in den Notizbüchern der Schiedsrichter (53 gelbe, jeweils ein gelb-roter und roter Karton).

Weil die Spielzeit 2013/2014 bei Paris für ihn zum Vergessen ist und er nur in Notfällen in der Startelf steht, wechselt er zum 1. Juli 2014 zurück nach Italien. Dieses Mal nicht nach Rom, sondern zum AC Mailand.
An der Seite von Fußballgrößen wie Nigel de Jong oder Keisuke Honda sorgt er hier zuletzt dafür, dass erst einmal kein mailändischer Hahn nach Neuzugang Fernando Torres kräht. Denn als wendiger, trickreicher und dribbelstarker Spieler präsentiert er sich in den ersten beiden Saisonspielen der Serie-A das Sturmzentrum Milans und trägt maßgeblich zu den beiden Auftaktsiegen bei.

Bei der gestrigen (14. September 2014) Auswärtsschlacht in Parma (Endstand 5:4 für den AC Milan) netzt er doppelt ein und bereitet einen Treffer vor. Mit seinem Treffer zum 5:3 sorgt er in der 79. Minute für die Vorentscheidung, auch wenn Parma durch Mattia de Ceglie zehn Minuten später noch auf 4:5 verkürzen kann.

Dieses Tor zum 5:3 war definitiv die sehenswerteste Bude, die ich in letzter Zeit gesehen habe und bei dessen Nachahmung ich wohl gleich mehrfach scheitern würde (Torwart umrennen, Ball Richtung Tribüne ballern, gegen den Pfosten laufen o.ä.). Sei es drum: Jérémy Ménez ist das alles nicht passiert. Er wittert den Fehlpass und verwertet ihn zum Solo-Kunststück allererster Güte. In Kurzform heißt das: Torwart umkurven und ihm noch eine vermeintliche Chance lassen, um dann lässig per Hackenschuss einzuschieben. Klingt unverschämt gut? Bei aller Liebe zu Fernschüssen: Das war es auch.

Die Königinnen der Lüfte versammelt beim „Nine Queens 2014“

Während hierzulande vielerorts schon präsommerliche Temperaturen um die 20 Grad Celsius die Menschen ins Freie treibt, finden im italienische Livigno derzeit (seit 27. März) die diesjährigen „Suzuki Nine Queens 2014“ statt.
In luftiger Höhe und bei jeder Menge Schnee treffen sich ski-/snowboardaffine Mädels, um sich zu präsentieren, zu duellieren – und vor allem Spaß zu haben.

Eine von ihnen ist die 23-jährige Slowakin Zuzana Stromková, die seit 8 Jahren das Freestyle-Skiing mit voller Begeisterung betreibt, was sich auch im kleinen „GoPro“-Clip zeigt, der gestern (29. März 2014) auf YouTube landet.

So darf man letztlich auf weitere qualitativ hochwertige wie sehenswerte Beiträge vom Event gespannt sein, die mit Sicherheit in den nächsten Tagen und Wochen ihren Weg ins Internet finden.
Die Veranstaltung endet nämlich schon am heutigen Sonntag (30. März 2014) mit einer standesgemäßen „Nine Queens“-Afterparty in Miky’s Pub. Also wer heute Abend noch nichts vorhat, zufällig durch Livignos Gassen spaziert und sich einen Skihasen (oder einfach nur Snowboard/Ski-Tipps) angeln möchte: Hin da!

Lass das mal den Pirlo machen, der Pirlo macht das gut.

89. Minuten gähnende Langeweile und ein Spiel, das mindestens so taktisch geprägt ist wie das Finale der Schachmeisterschaften. So oder so ähnlich könnte man die gestrige Begegnung (16. März 2014) zwischen dem CFC Genua und Juventus Turin (immerhin amtierender Meister sowie derzeitiger Tabellenführer der Serie A) wohl beschreiben.

Doch das Langeweilehoch auf den Rängen verfliegt, als der Schiedsrichter (quasi schon nahezu zum Abpfiff bereit mit dem Mund an der Pfeife) der „Alten Dame“ kurzerhand ein Geschenk in Form eines Freistoßes macht.
Ein Fall für Standardsituationsexperte Andrea Pirlo, bei dem sich das bestimmt täglich achtstündige Freistoßtraining mal wieder auszahlte, da er die Kugel mit seinem rechten Scharfschützenschlappen aus etwa 23 Metern unhaltbar im linken Toreck parkt und damit seinem Team den später 1:0-Auswärtssieg beschert.

Wichtige Punkte auf dem Weg zum Meistertitel, dem die Turiner ein Stückchen näher kommen, wenn die „Roma“ heute Abend gegen Udinese Calcio Federn lässt.
Und sollte es in den kommenden Partien doch mal wieder „enger“ werden, dürfte möglicherweise wieder die Zeit für einen weiteren pirlonischen Geniestreich gekommen sein.