Schlagwort-Archive: Litauen

Ein Tor für die Ewigkeit: Warum Matteo Vitaiolo in den san-marinesischen Sportgeschichtsbüchern landet

14 Jahre kein Auswärtstor: eine Statistik, die nicht nur von mir selbst stammen könnte, sondern die bis zum gestrigen Abend auch auf die Fußballer aus San Marino zutraf. Wahnsinn, aber wahr: Ihr letztes Tor in der Fremde ist ihnen tatsächlich 2001 in Lettland gelungen. Bis, ja bis zum gestrigen Abend. In der 55. Spielminute legt sich ein gewisser (Sekunden später: san-marinesischer Volksheld) Matteo Vitaioli den Ball für einen Freistoß zurecht, der den nicht enden wollenden Negativrekord ein für alle Mal aus der Welt katapultiert.

Klar: Litauen war zu diesem Zeitpunkt bereits in Unterzahl, da Keeper Arlauskis sich fünf Minuten vorher eine rote Karte verdiente. Sollte es tatsächlich der erste Punktgewinn der San-Marinesen (auf dem FIFA-Weltranglistenplatz 193 zu Haus) in der diesjährigen EM-Qualifikation gelingen? An Motivation mangelte es ihnen jedenfalls nicht. Das verdeutlicht auch die gelb-rote Karte von Mittelfeldspieler Nicola Chiaruzzi (88. Spielminute). Umso unglücklicher, dass Litauens Lukas Spalvis kurz vor Abpfiff (90. + 2) den 2:1-Siegtreffer der Litauen erzielte und San Marino den bereits historischen Tag doch noch ein wenig vermasselt hat.

Sei es drum: Für beide Teams ist die EM-Quali gelaufen. Und mit einer Torstatistik von 1:27 haben die San-Marinesen wenigstens ein Tor auf der „Habenseite“. Wer weiß: Vielleicht kommt in den letzten beiden Duellen (gegen die Schweiz und Slowenien) noch ein weiteres dazu. Immerhin verbessern sie sich allmählich, was sich auch in der Torstatistik zeigt. Zum Vergleich: Die EM-Qualifikation 2012 beendeten sie mit zehn Niederlagen aus zehn Spielen und 0:53-Toren.

„Muss man hier denn alles selber machen“: Stürmer feiert seinen Torerfolg in Litauen klatschend von der Tribüne

Es gibt ganz verschiedene Art und Weisen, wie Fußballer heutzutage ihren Torerfolg bejubeln. Sie verbinden den Erfolgsmoment manchmal mit Salti und Flickflacks, zelebrieren einstudierte Choreographien mit den Mitspielern – oder gucken (weil heutzutage nahezu jeder ambitionierte Profikicker gefühlt alle zwei Jahre den Verein wechselt und darum irgendwann drei bis vier Mal pro Saison auf seinen Ex-Club trifft, gegen den er sich aus „Respekt“ keinen Torjubel erlaubt) so, als hätten sie ihrer Mannschaft Unglück beschert.

Oder man macht es wie Dmitri Kovb vom litauischen Erstligisten FK Trakai, der sich nach einem vollendeten Kopfballtreffer gegen den amtierenden Meister aus der Hauptstadt Vilnius kurzerhand selbst feiert. Klatschend. Auf der Tribüne.

In Bundesliga-Stadien wären solche „Ausflüge“ abseits des Platzes wohl undenkbar. Einerseits, da es dafür mindestens eine gelbe Karte gibt sowie zwischen Fußballfeld und -rängen meist Barrieren installiert sind, die ein „einfaches Durchschreiten“ (aus Sicherheitsgründen) unterbinden. Andererseits aber auch, da die Stadien (und vor allem die ersten Reihen) meist restlos ausgebucht sind.
Nun gut. Das kann man in einer Kleinstadt wie Trakai nicht erwarten, die ca. 5.200 Einwohner beherbergt. Dennoch eine skurrile Geste, mit der Kovb für einen kurzen Moment auch außerhalb Litauens an Bekanntheit gewinnen dürfte.