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„Willst du Dortmund oben seh’n, musst du die Tabelle dreh’n“: BVB am Tabellenende angekommen

Den FC Bayern und Borussia Dortmund trennen in der aktuellen Tabelle der Fußball-Bundesliga (Stand: 1. Dezember 2014) bereits 22 Punkte. An und für sich nichts Besonderes, da die Münchener in 2013/2014 auch mit 19 Punkten und 2012/2013 mit 25 Punkten Vorsprung die deutsche Meisterschaft gewonnen haben.
Allerdings besitzen sie den derzeitigen Vorsprung nicht nach 34, sondern schon nach 13 Bundesliga-Spieltagen. Eine Tatsache, die einerseits die Dominanz der Bayern zeigt und andererseits nahelegt, dass die Dortmunder in dieser Spielzeit sich wohl so richtig ins Zeug legen (und auf Ausrutscher anderer Teams) hoffen müssen, um im Mai 2015 noch das Vizemeisterschafts-Triple einzufahren.

Nach dem 0:2-Auswärtsmisserfolg in Frankfurt findet sich der BVB tatsächlich auf dem letzten (!) Tabellenplatz wieder. Eine ungewöhnliche sportliche Konstellation, wenn der amtierende Vizemeister in Champions League sowie DFB-Pokal bereits für das Achtelfinale qualifiziert, aber in der Liga nur das achtzehntbeste Team ist.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. So sorgen einerseits extreme Formschwankungen (oft innerhalb eines Spiels), nicht aufhörende Verletzungssorgen und die Lücke, die Robert Lewandowski (u.a. als zweikampfstarker, Bälle haltender Stürmer) hinterlässt, für das nahezu kollektive Leistungstief. Andererseits leistet sich die Defensive der Dortmunder in den letzten Wochen und Monaten derart grobe Schnitzer, dass man gar nicht anders kann, als danach zu fragen, wie verunsichert die Akteure auf dem Platz eigentlich sind.

Das veranschaulicht nicht nur die misslungene Kopfballrückgabe von Ginter (oder das sinnfreie Herauslaufen von Keeper Weidenfeller) gegen Frankfurt, die zu einem weiteren Gegentor führte, die nächste Niederlage besiegelte.

Die Misere beginnt bereits am 1. Spieltag (0:2-Heimniederlage gegen Leverkusen), als Bellarabi gegen die Dortmunder nach handgestoppten neun Sekunden das schnellste Tor des Bundesliga-Historie erzielt. Den unglücklich agierenden Matze Ginter und Erik Durm sei Dank.

Gerade Youngster (und „Weltmeister“) Erik Durm widerfahren diverse Unkonzentriertheiten, die den Dortmundern in dieser Spielzeit bereits einiges an Gegentoren (und Punkteverlusten) bescherten. Auch Innenverteidiger Neven Subotic sucht derzeit nach der Souveränität vergangener Tage, genauso wie Neuzugang Matthias Ginter im Dress der Schwarz-Gelben bisher nahezu durchweg enttäuschte. Gut möglich, dass darum Linksverteidiger Marcel Schmelzer (seit Wochen nur Ersatzbankhüter), Mats Hummels (nach Bänderverletzung wohl noch vor Weihnachten zurück) und Sokratis (baldiges Comeback wahrscheinlich) sehnlichst zurückerwartet werden.

So könnte Jürgen Klopp zumindest wieder eine (eigentlich) stabile Viererkette aufbieten, die die Konzentration über 90 Minuten hält, krasse Patzer (und damit Torgeschenke) vermeidet. Vollenden die Dortmunder ihre Angriffe dann noch zielstrebiger, verwerten auch nur eine ihrer zahlreichen Torchancen, verabschieden sie sich ganz bald wieder aus dem Abstiegskampf (und überlassen dem Hamburger SV die rote Laterne). Ich gehe jede Wette ein, dass das (der Befreiungsschlag) spätestens nach der Winterpause gelingt und sie wieder aus eigener fußballerischer Kraft Spiele gewinnen, auf Schützenhilfe wie am 11. Spieltag (9. November 2014, gegen Gladbach) nicht länger angewiesen sind.

Darf ich vorstellen: Lasogga, Ginter, Hahn… und Mustafi.

Am kommenden Mittwoch (5. März 2014) empfängt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Mercedes-Benz-Arena zu Stuttgart die südamerikanischen WM-Teilnehmer aus Chile. Ein überaus ernst zu nehmender Gegner, der immerhin über europäische Topstars wie den Ex-Leverkusener Arturo Vidal und Barcas Flügelflitzer Alexis Sánchez verfügen, die sich in bestechender Form befinden und definitiv Spiele entscheiden können.
Auf deutscher Seite nominierte Bundestrainer Joachim Löw vier neue Gesichter in die A-Mannschaft, mit denen man so teilweise nicht rechnete. So ist Sturmtank Pierre-Michel Lasogga ebenfalls dabei wie Freiburgs Defensivtalent Matthias Ginter, Augsburgs Erfolgsgarant André Hahn und… Shkodran Mustafi. Skhodran… Wer? Der 21-jährige Mustafi verdient aktuell in Italien bei Sampdoria Genua seine Brötchen (Ex-HSV Jugend) und erarbeitete sich dort einen Stammplatz in der Innenverteidigung.

Ein Grund, warum Augsburg in der Bundesliga gerade auf der Erfolgswelle schwimmt und nun auch für Deutschland auflaufen darf: André Hahn. Foto: © Facebook

Ein Grund, warum Augsburg in der Bundesliga gerade auf der Erfolgswelle schwimmt. Nun darf André Hahn am Mittwoch möglicherweise zum ersten Mal für sein Heimatland auflaufen. Foto: © Facebook

Vier Personalien, für die man den Teamchef loben kann und den so schon fußballerisch hochwertig bestückten Kader in der Breite weiter aufwerten. In den kommenden Länderspielen (13. Mai gegen Polen, 1. Juni gegen Kamerun, 6. Juni gegen Armenien) sollten und könnten allerdings auch meiner Meinung nach Spieler wie Max Meyer, Serge Gnabry oder Kevin Volland ohne Weiteres eine Nominierung erhalten, selbst wenn die Offensivpositionen (wie so oft zuletzt) teilweise schon (Luxusproblem!) drei- und vierfach besetzt sind.

Leistungsträger bei Hoffenheim und eines der aktuell größten Offensivjuwele Deutschlands: Kevin Volland. Ob er am 13. Mai zum Testspiel gegen Polen einen Anruf vom Bundestrainer erhält? Foto: © Facebook.

Leistungsträger bei Hoffenheim und eines der aktuell größten Offensivjuwele Deutschlands: Kevin Volland. Ob er am 13. Mai zum Testspiel gegen Polen einen Anruf vom Bundestrainer erhält? Foto: © Facebook.

Sollte Philipp Lahm im DFB-Dress ebenfalls in das zentrale Mittelfeld rücken und die Rechtsverteidigerposition „abgeben“, erscheinen Aushilfsrechtsverteidiger Kevin Großkreutz oder Frankfurts Sebastian Jung für mich die naheliegendsten Optionen, um diese Position halbwegs adäquat zu besetzen. Im Fall aller Fälle könnte mit Sicherheit ein Anruf bei Sascha Riether das Problem aus der Welt schaffen, der seit Sommer 2012 beim FC Fulham Stammrechtsverteidiger und auch unter Quälix Magath gesetzt ist.

Weitere Kandidaten, die ich mir in naher/ferne Zukunft im deutschen Trikot vorstellen kann: Emre Can, Robin Knoche, Jonathan Tah, Christoph Kramer, Timo Werner, Johannes Geis, Erik Durm.
Allesamt deuten an, dass in Deutschland die Fußballjugendarbeit phänomenal läuft und eine Vielzahl hochveranlagter Spieler hervorbringt, die uns zumindest in den nächsten zehn Jahren auf dem Rasen begeistern können.

Ob (eigentlich eingestandene) Profis wie Kevin Kuranyi, Robert Huth, Gonzalo Castro oder Kefan Stießling (mit den Namen mogelt er sich vielleicht in den Kader) jemals nochmal eine Nominierung erhalten?
Zumindest einen erfahrenen wie flexibel einsetzbaren Spieler wie Castro sollte Joachim Löw – wenn nötig – ebenso eine Chance, wenn selbst ein Heiko Westermann ab und an dabei sein darf, der sich in den letzten Jahren sportlich alles andere als mit Ru(h)m bekleckert.

In diesem Sinne darf man gespannt sein, wer von den Debütanten am Mittwoch gegen Chile aufläuft – und sich möglicherweise für weitere Einsätze empfiehlt. Eine eventuell einmalige Gelegenheit, die Lasogga, Ginter, Hahn sowie Mustafi unbedingt nutzen sollten, da der Konkurrenzkampf im Nationalteam größer nicht sein könnte – und etliche weitere ambitionierte Fußballer ihnen im Nacken sitzen, quasi nur auf ihre Nominierung warten.