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Darf ich vorstellen: Lasogga, Ginter, Hahn… und Mustafi.

Am kommenden Mittwoch (5. März 2014) empfängt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Mercedes-Benz-Arena zu Stuttgart die südamerikanischen WM-Teilnehmer aus Chile. Ein überaus ernst zu nehmender Gegner, der immerhin über europäische Topstars wie den Ex-Leverkusener Arturo Vidal und Barcas Flügelflitzer Alexis Sánchez verfügen, die sich in bestechender Form befinden und definitiv Spiele entscheiden können.
Auf deutscher Seite nominierte Bundestrainer Joachim Löw vier neue Gesichter in die A-Mannschaft, mit denen man so teilweise nicht rechnete. So ist Sturmtank Pierre-Michel Lasogga ebenfalls dabei wie Freiburgs Defensivtalent Matthias Ginter, Augsburgs Erfolgsgarant André Hahn und… Shkodran Mustafi. Skhodran… Wer? Der 21-jährige Mustafi verdient aktuell in Italien bei Sampdoria Genua seine Brötchen (Ex-HSV Jugend) und erarbeitete sich dort einen Stammplatz in der Innenverteidigung.

Ein Grund, warum Augsburg in der Bundesliga gerade auf der Erfolgswelle schwimmt und nun auch für Deutschland auflaufen darf: André Hahn. Foto: © Facebook

Ein Grund, warum Augsburg in der Bundesliga gerade auf der Erfolgswelle schwimmt. Nun darf André Hahn am Mittwoch möglicherweise zum ersten Mal für sein Heimatland auflaufen. Foto: © Facebook

Vier Personalien, für die man den Teamchef loben kann und den so schon fußballerisch hochwertig bestückten Kader in der Breite weiter aufwerten. In den kommenden Länderspielen (13. Mai gegen Polen, 1. Juni gegen Kamerun, 6. Juni gegen Armenien) sollten und könnten allerdings auch meiner Meinung nach Spieler wie Max Meyer, Serge Gnabry oder Kevin Volland ohne Weiteres eine Nominierung erhalten, selbst wenn die Offensivpositionen (wie so oft zuletzt) teilweise schon (Luxusproblem!) drei- und vierfach besetzt sind.

Leistungsträger bei Hoffenheim und eines der aktuell größten Offensivjuwele Deutschlands: Kevin Volland. Ob er am 13. Mai zum Testspiel gegen Polen einen Anruf vom Bundestrainer erhält? Foto: © Facebook.

Leistungsträger bei Hoffenheim und eines der aktuell größten Offensivjuwele Deutschlands: Kevin Volland. Ob er am 13. Mai zum Testspiel gegen Polen einen Anruf vom Bundestrainer erhält? Foto: © Facebook.

Sollte Philipp Lahm im DFB-Dress ebenfalls in das zentrale Mittelfeld rücken und die Rechtsverteidigerposition „abgeben“, erscheinen Aushilfsrechtsverteidiger Kevin Großkreutz oder Frankfurts Sebastian Jung für mich die naheliegendsten Optionen, um diese Position halbwegs adäquat zu besetzen. Im Fall aller Fälle könnte mit Sicherheit ein Anruf bei Sascha Riether das Problem aus der Welt schaffen, der seit Sommer 2012 beim FC Fulham Stammrechtsverteidiger und auch unter Quälix Magath gesetzt ist.

Weitere Kandidaten, die ich mir in naher/ferne Zukunft im deutschen Trikot vorstellen kann: Emre Can, Robin Knoche, Jonathan Tah, Christoph Kramer, Timo Werner, Johannes Geis, Erik Durm.
Allesamt deuten an, dass in Deutschland die Fußballjugendarbeit phänomenal läuft und eine Vielzahl hochveranlagter Spieler hervorbringt, die uns zumindest in den nächsten zehn Jahren auf dem Rasen begeistern können.

Ob (eigentlich eingestandene) Profis wie Kevin Kuranyi, Robert Huth, Gonzalo Castro oder Kefan Stießling (mit den Namen mogelt er sich vielleicht in den Kader) jemals nochmal eine Nominierung erhalten?
Zumindest einen erfahrenen wie flexibel einsetzbaren Spieler wie Castro sollte Joachim Löw – wenn nötig – ebenso eine Chance, wenn selbst ein Heiko Westermann ab und an dabei sein darf, der sich in den letzten Jahren sportlich alles andere als mit Ru(h)m bekleckert.

In diesem Sinne darf man gespannt sein, wer von den Debütanten am Mittwoch gegen Chile aufläuft – und sich möglicherweise für weitere Einsätze empfiehlt. Eine eventuell einmalige Gelegenheit, die Lasogga, Ginter, Hahn sowie Mustafi unbedingt nutzen sollten, da der Konkurrenzkampf im Nationalteam größer nicht sein könnte – und etliche weitere ambitionierte Fußballer ihnen im Nacken sitzen, quasi nur auf ihre Nominierung warten.

Warum wechselt Sidney Sam überhaupt zum FC Schalke 04?

Sidney Sam war einer der auffälligsten Spieler in der Bundesliga-Hinrunde 2013/2014. Dort führt er seine „Werkself“ mit 7 Toren und 5 Vorlagen sowie vielen gelungenen Auftritten letztlich zur „Vize“-Herbstmeisterschaft – macht sein Team zum Bayernjäger Nummer eins.
Am gestrigen Mittwoch (8. Januar 2014) sickerte nun die Meldung durch die Fußballwelt, dass der gebürtige Kieler im kommenden Sommer (genauer: ab 1. Juli 2014) nicht mehr für Leverkusen aufläuft. Stattdessen sucht er sein fußballerisches Glück eher im 70 Kilometer nördlich gelegenen Gelsenkirchen – bei Schalke 04. Ablösesumme (aufgrund einer vertraglich festgelegten Ausstiegsklausel): 2,5 Millionen Euro, obwohl sein derzeitiger Marktwert etwa 10 Millionen Euro beträgt. Ein Transfer, der auf den ersten Blick aus sportlicher Sicht keinen Sinn ergibt – und auf den zweiten auch nicht.

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Macht scheinbar (des Geldes wegen) sportlich lieber Rück- als Fortschritte: Sidney Sam. Foto: © Facebook

Das fällt schon beim derzeitigen Mannschaftsvergleich auf. Während sich die Leverkusener aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz befinden, liegt Schalke 9 Punkte hinter ihnen nur auf Platz 7.

Wohl auch deshalb, da Schalke-Coach Jens Keller seit Sommer 2013 schon gefühlte 10 Mal kurz vor dem Rausschmiss steht, nur weil eigentlich gestandene Profis katastrophale Fehler machen, die dem Club wertvolle Punkte kosten. Und statt dem eigenen Trainer (selbst nach dem glücklichen Achtelfinaleinzug in der Königsklasse) den Rücken zu stärken, sucht sich Manager Horst Heldt lieber in Floskeln.

Und auch die Bundesliga-Bilanzen der letzten Jahre zeigen, dass Leverkusen insgesamt doch wesentlich konstanter daherkommt als Königsblau.

Während die „Werkself“ in 2012/2013 10 Punkte vor Schalke (Platz vier) auf dem dritten Platz landet, belegt Schalke 2011/2012 den dritten und Leverkusen den 5. Platz. Eine Spielzeit vorher wird Bayer Vizemeister – Schalke entrinnt auf Platz 14 geradeso dem Abstieg.

Die Tendenz belegt: Leverkusen ist aus sportlicher Sicht meist vor den Gelsenkirchenern, was wohl auch am gefestigteren, bodenständigeren Umfeld liegt.

Warum wechselt dann mit Sidney Sam einer der besten Spieler der Hinserie (sogar Topspieler der Hinrunde vom „Kicker“ mit Notenschnitt von 2,5, drittbester Spieler, hinter Franck Ribery und Arjen Robben) trotzdem dorthin, obwohl ihn im Mittelfeld mit Julian Draxler, Max Meyer, Kevin Prince Boateng, Jefferson Farfan eine namhafte Konkurrenz erwartet, die ihn möglicherweise auf die Reservebank verdrängt?

Schalke-04-Manager Horst Heldt erklärt den Wechsel wie folgt: „Sidney Sam hat nicht erst durch seine starken Leistungen in dieser Saison bewiesen, welche Impulse er in der Offensive setzen kann. Er ist auf vielen Positionen einsetzbar, sehr ehrgeizig und möchte mit Schalke viel erreichen. Wir freuen uns sehr, dass er sich für Königsblau entschieden hat.“

Wenn sportliche Gründe nicht der primäre Grund für den Abgang aus Leverkusen waren, liegt die Frage des Vertrags (und den darin festgehaltenen finanziellen Modalitäten) nahe.

Dass die „Knappen“ aus Gelsenkirchen dort einmal mehr über die Stränge schlagen und Sam ein saftiges Handgeld mitsamt millionenschwerem Gehalt und diversen (Wunsch-)Klauseln einräumen, liegt nahe.
In die Kerbe geht auch Leverkusens Manager Rudi Völler, der gesteht: „Bei uns gibt es finanzielle Grenzen“.

Trotzdem die „Werkself“ aus Leverkusen im Champions-League-Achtelfinale, DFB-Pokal-Viertelfinale sowie in der Liga auf dem zweiten Tabellenplatz überwintert, konnten sie Sam scheinbar nicht zu einer Vertragsverlängerung bewegen – obwohl die sportliche Perspektive eindeutig vielversprechender erscheint. Eine Entwicklung, die sich allerdings schon im Dezember 2013 andeutet.

Sams Vertrag bei den „Königsblauen“ läuft bis 30. Juni 2018. Dann ist er 30 Jahre alt – und durchlebt sein bestes Fußballalter somit auf Schalke, die sich in diesem Jahr möglicherweise nicht einmal für die internationalen Wettbewerbe qualifizieren, während Leverkusen (unter normalen Umständen) sich am Ende wahrscheinlich in die Champions-League-Spielzeit 2014/2015 spielt.

Und so können sich nun alle Leverkusen und Sam-Fans bis Ende der Spielzeit 2013/2014 von dem Spieler verabschieden, der ihnen in der Vergangenheit einige fußballerische Geschenke machte.

Geld regiert, dass weiß man nicht erst seit diesem Transfer, nicht nur die Welt, sondern eben auch durch und durch den Fußballsport. Leider.