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Es war einmal, es war einmal: Werder Bremen im Jahr 2010

Erinnert sich von euch noch jemand an das Werder Bremen der Spielzeit 2009/2010? Mein lieber Scholli, das solltet ihr schleunigst nachholen. Denn es lohnt sich, sich noch einmal vor Augen zu führen, wen die Grün-Weißen damals alles in ihren Reihen hatten (und was aus ihnen geworden ist). Selten begeisterten Spieler wie Sandro Wagner, Jurica Vranjes oder Petri Pasanen ihre Fans so sehr, sodass noch heute die ihnen angedachten Gesänge durch das Westerstadion schallen.

Spaß beiseite: Mit Torgarant (leider zutreffender Spitzname: Mister Muskelfaserriss) Claudio Pizarro, Kanonenschuss-Sturmpartner Hugo Almeida, einem gewissen Mesut Özil (heute kaum noch bekannt), Deutschlands (damalige) Antwort auf Leo Messi namens Marko Marin und der Innenverteidigerwand Naldo-Mertesacker praktizierten die Bremer teilweise einen mitreißenden Fußball, an den sich heute ganz sicher noch viele Werder-Fans mit Freude erinnern. Werder Bremen, das stand damals unter Thomas Schaaf und Klaus Allofs für einen gewissen „Offenes-Visier-Stil“, bei dem der Offensivdrang überwiegte und es das klassische Ziel war, „einfach“ am Ende immer ein Tor mehr zu schießen als der Gegner.

Das veranschaulichte auf besondere Art und Weise die Qualifikationsspiele zur Champions League gegen Sampdoria Genua, die ich damals beide live im Fernsehen verfolgte. Nach einem 3:1-Hinspielerfolg vor heimischer Kulisse (Hat Clemens Fritz jemals wieder so ein Tor erzielt?) ging es zum Rückspiel nach Genua und es sollte ein heißer Tanz werden. Klar, Werder und Spektakel: Zwei Begriffe, die zu dieser Zeit Hand in Hand gingen. Und als im Rückspiel in der 85. Spielminute Antonio Cassano das 3:0 erzielte, waren die Bremer zu diesem Zeitpunkt an der Qualifikation gescheitert. Bis, ja bis glücklicherweise ausgerechnet Markus Rosenberg, der sonst zu Bremer Zeiten häufig als Unglücksfigur agierte, mit einem präzisen Flachschuss aus siebzehn Metern das Bonuslevel „Verlängerung“ für seine Mannschaft freischaltete.

Anschließend nahm Claudio Pizarro seine Verantwortung als Bremer Lebensversicherung wahr und erzielte das Tor zum 2:3, das die Werderaner an diesem Abend in die Champions League führte. Dass sie hier in der Vorrunde scheiterten? Geschenkt. Und auch die Bundesliga-Spielzeit 2010/2011 verlief enttäuschend, Platz 13 (nach Tabellenplatz drei in der Vorsaison). Die Werder-Magie (und mit ihr eines der stärksten Teams der Vereinsgeschichte) zerfiel.Vom damaligen Team sind heute lediglich Clemens Fritz, Philipp Bargfrede, Felix Kroos und Felix Wiedwald dabei.

Und möglicherweise bald auch wieder Claudio Pizarro, der sich nach aktuellem Stand in Verhandlungen mit dem Club befinden soll. Als derzeit vertragloser Kicker könnte er (auch wenn das Transferfenster seit 1. September dicht ist) sofort wechseln. Aufgrund seines Alters (36 Jahre) und seiner Krankenakte kein unproblematischer Transfer. Fakt ist: Bringt er die entsprechende körperliche Gesund- und Ausgeruhtheit mit, wäre es ein fantastischer „Altzugang“ für Werder und ein erfahrener Backup für Ujah und Johannsson. Denn als erfolgreichster ausländischer Torschütze (fantastische 176 Buden) der Bundesliga-Geschichte weiß „Pizza“ auch mit 36 Lenzen ganz sicher noch, wo das Tor steht und könnte sich bei Gleich- oder knappem Rückstand als erste Option für einen Wechsel in der Schlussviertelstunde erweisen. Und, na klar, den Trikotverkauf im Werder-Fanshop gehörig ankurbeln. Denn egal ob er kommt oder nicht: Einen wie Pizarro vergisst man in Bremen nicht. Ebensowenig wie die Erfolgself aus 2010.

Das Erbe von „Zwetschge“ Misimovic und „Paule“ Beinlich: Die derzeitigen Freistoßexperten der Bundesliga

Vor nicht allzulanger Zeit waren es die Stefan „Paule“ Beinlichs, Bernd Schneiders, Zvjezdan Misimovics und Sejad Salihovics, die für Tore mitsamt Torhüter eine große Bedrohung darstellten. Mit ihren Standardsituationen sorgten sie regelmäßig für jede Menge Alarm im Strafraum, insbesondere durch ihre oft mit Lineal und Winkelmesser vorauskalkulierten Freistöße.

Paule Beinlich kickt seit 2008 nicht mehr, Schneider seit 2009. „Zwetschge“ Misimovic ist vereinlos und auf der Suche nach der möglicherweise letzten sportlichen Herausforderung seiner Karriere. Und Sejad Salihovic? Der kommt der TSG aus Hoffenheim nicht mehr über seine Reservistenrolle hinaus, schlenzt höchstens noch Trinkflaschen aus Frust regelmäßig in den Winkel der Auswechselbank. Wer ist es also, der gegenwärtig zu den Freistoßexperten der Fußball-Bundesliga zählt? Arjen Robben? Oder doch eher ein Sandro Wagner, der bei der Hertha diese besondere Gabe allerdings nur auf den Trainingsplatz (und wenn niemand zuschaut) bringen kann?

Von wegen! Der derzeit wohl freistoßstärkste Spieler der Liga ist Zlatko Junuzovic. Der Ösi im Trikot von Werder Bremen katapultierte so bereits vier Mal in dieser Spielzeit (Stand: 22. Februar 2015) den Ball formvollendet unter den Querbalken. Meist ließ er seinen Torhüterkollegen nicht den Hauch einer Chance, wie Paderborns Lukas Kruse, Hannovers Ron Robert Zieler, Gladbachs Yann Sommer sowie zuletzt Leverkusens Bernd Leno merkten.

Dabei hat besonders Leno in seinen Reihen doch ebenfalls einen begnadeten Freistoßschützen, nämlich Hakan Calhanoglu. Der hätte ihn in Vorbereitung auf die Rückrundenbegegnung gegen Werder wohl in Sachen Freistoßentschärfung einstimmen können. Immerhin hat er in dieser Saison ebenfalls schon beachtliche drei Freistöße ins Tor befördert, unvergessen auch sein Granatenfreistoß gegen Dortmund in der vergangenen Spielzeit.

Und sonst so? Klar: David Alaba hat ebenfalls ein feines Füßchen, mit dem er zuletzt gegen den VfB Stuttgart in cristianoronaldesker Manier ein Tor per Freistoß erzielte, oder auch gegen ZSKA Moskau in der Champions-League-Spielzeit 2013/2014.

Wolfsburg Innenverteidigerkante Naldo hingegen ist ein Spezialist dafür, den Ball abrissbirnenartig mit rechts in die Maschen zu dreschen. So gesehen zuletzt bei der 5:4-Wahnsinnsfahrt der Wolfsburger in Leverkusen am Valentinstag 2015, als er das Spielgerät trocken aus guten 30 Metern ins Tor knüppelt. Wobei: Zu besten Bremer Zeiten zirkelte er den Ball auch schon gefühlvoll ins Netz, sodass man von ihm in Sachen Freistöße wohl beide Ausführungen (gewaltsam wie gefühlvoll) erwarten kann.

Genug der Freistoßkünstler? Von wegen! Johannes Geis von Mainz 05 muss hier auf jeden Fall noch genannt werden. Der gebürtige Schweinfurter, der (wenn nichts dazwischenkommt) in diesem Jahr wohl sein Nationalmannschaftsdebüt bei Jogi Löw geben dürfte, ist nämlich ebenfalls ein formidabler Freistoßkünstler.
Das hat er nicht nur wieder beim gestrigen Heimsieg (21. Februar 2015) gegen Eintracht Frankfurt in der 47. Spielminute bewiesen, als er sein Team mit dem 2:1 per Freistoß den Weg Richtung Heimsieg ebnete. Auch im Dezember 2014 macht er seinem Verein ein Vorweihnachtsgeschenk in Form eines Freistoßes der Extraklasse, der den Mainzern einen Punkt im Duell mit dem VfB Stuttgart sichert.

Natürlich bleibt unstrittig, dass derzeitige Reservisten wie Hoffenheims Salihovic, Herthas Ronny, Hamburgs Raffaela van der Vaart oder Hannovers Kiyotake die Hohe Kunst der Freistoßschießerei ebenso noch beherrschen. Doch was nützt es, wenn sie sie nicht in Pflichtspielen zeigen können? Eben: Ziemlich wenig, deshalb erwähne ich sie an dieser Stelle zwar namentlich, aber nicht mit einem entsprechenden YouTube-Video, wie es sie von ihnen trotzdem zu genüge zu bewundern gibt. Genauso von Ex-Bundesliga-Profi Massimiliano Porcello und seinen teilweise kanonenkugelartigen Abschlüssen.

News-Sammeltopf zum Aprilauftakt: Naldo lässts knallen, Linienrichter verweigert „Hilfsmittel“, ein Stadionsprecher, wie es ihn viel öfter geben sollte, die „Pokemanie“ nimmt Fahrt auf… Und ein Körperteil ist in aller Munde.

Statt euch kleckerweise mit (aus meiner Sicht) berichtenswerten Newsschnipseln zu versorgen, präsentiere ich sie daher heute in gesammelter Form in einem Beitrag.

#1 – Naldo lässts knallen

Am Samstagnachmittag scheppert es gegen 17:14 Uhr deutscher Zeit in Wolfsburg gewaltig. Nicht etwa, weil eine Abrissbirne ein Hochhaus streift oder Volkswagen ein öffentliches Destruction-Derby auf Wolfsburger Straßen veranstaltet.

Für das ganze war ein gewisser Ronaldo Aparecido Rodrigues verantwortlich. Moment. Ronaldo spielt bei Wolfsburg? Korrekt. Selbst wenn sie den gebürtigen Brasilianer dort (und ganz allgemein) eher als „Naldo“ kennen.
Ihn ereilt kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit die Idee, doch einfach mal einen Distanzhammer aus gut und gerne 35 Metern loszulassen, den man sonst nur von den Sejad Salihovics, Xabi Alonsos oder Lee McCullochs dieser Welt kennt und seinen „Wölfen“ den späten 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt beschert.

#2 – Fulhams Fans wollen Team mit allen Mitteln helfen

Seit dem Valentinstag (14. Februar 2014) ist Felix Magath nun schon „Alleinherrscher“ der Cottagers vom FC Fulham.
Seine bisherige Erfolgsbilanz bei den Londonern (Stand: 1. April 2014) liest sich allerdings „etwas“ bescheiden: ein Sieg, ein Remis, vier Niederlagen. Heißt im Umkehrschluss: Aus den verbleibenden sechs Premier-League-Spielen müssen schleunigst Punkte her, ansonsten steht der gang in die Championship (2. englische Liga) an.

Von daher verwundert es nicht, dass die Fulham-Fans alles mögliche versuchen, um das sportliche Ruder bei ihrem Herzensverein herumzureißen. Zum Beispiel: Dem Linienrichter einen Blindenstock anbieten. Es brachte zumindest am letzten Sonntag (31. März 2014) wenig, denn der FC Fulham verlor trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs vom Ex-Wolfsburg Askhan Dejagah mit 1:3 gegen Everton.

#3 – Stadionsprecher mit Herz und Seele… Und Entertainerqualitäten

Bis auf Arnd Zeigler (Werder Bremen) und Norbert Dickel (Borussia Dortmund) sind mir wenige Stadionsprecher der Bundesligisten bekannt. Wie auch? Stehen sie doch meist durch ihre markante Stimme und weniger als Person im Vordergrund.
Eine Tatsache, die auf Ronny Rothé, den Stadionsprecher des Sportfreunde Johannistal, nicht zutrifft. Denn „Stadionsprecher“ ist eigentlich (laut Duden: „jemand, der bei einer Veranstaltung in einem Stadion die Ansage macht“) noch maßlos untertrieben. Schließlich performt er selbst und gewinnt so auch in Windeseile die Gästefans für sich.

#4 – Die „Pokemanie“ nimmt ihren Lauf

Am 23. März berichtete der Fernschussblog darüber, dass Pikachu (Figur aus der außerordentlich erfolgreichen wie weltbekannten Anime-Serie „Pokemon“) als WM-Maskottchen der japanischen Fußball-Nationalmannschaft einen neuen „Job“ hat.

Scheinbar nur der Anfang einer großen bevorstehenden „Pokemanie“, denn wie „Google“ gestern (31. März 2014) veröffentlicht, kann man ab heute auf seinem i/Smartphone in Kombination mit „Google Maps“ auf Pokemonjagd gehen. Und das weltweit!

Das ist natürlich für alle smartphonelosen Individuen eine unglückliche Situation, allerdings bei weltweit über einer Milliarde ausgeliefter Smartphones (und konsequent steigenden Nutzerzahlen) eine nachvollziehbare wie spannende Aktion, mit der man nicht nur die Welt be/umreist, sondern seinen Kindheitstraum als Pokemontrainer endlich (ein wenig) in der Realität ausleben kann.

#5 – Nur noch 72 Tage bis zur WM!

In etwas weniger als zweieinhalb Monaten beginnt sie also, die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Dabei sorgt der Name des offiziellen WM-Maskottchens in den letzten Tagen für „Furore“. Warum? Weil die portugiesische Wortkombination aus „futebol“ (Fußball) und „ecologia“ (Ökologie/Umwelt) zu „Fuleco“ führte, was laut „Urban Dictionary“ für Arsch/Po/Hinterteil steht.
Purer Zufall oder ein Hinweis auf die sportliche Qualität des Turniers? Denn dann müsste man das Aussehen des Maskottchens, bei dem man sich aufgrund des eigentlich intendierten Nachhaltigkeits- und Umweltbewusstseinsaspekts am vor dem Aussterben bedrohten brasilianischen Dreibindengürteltier orientierte, nochmals überdenken. Oder man sagt sich in Brasilien: Não estou nem aí! Zu deutsch: Das geht mir am Arsch vorbei.