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„Da sind entscheidende Fehler gemacht worden“: Christian Streichs Appell zur Flüchtlingskrise

Sollten sich Fußballprofis zur Flüchtlingsproblematik äußern? Einerseits sind es Personen der Öffenlichkeit, die wie jeder andere Mensch auch eine freie Meinung haben und sie auf Anfrage selbstverständlich äußern können, gerade auch aufgrund ihrer teilweisen Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche. Nicht immer ist das ratsam, da bei falschen, unglücklichen oder inhaltsarmen Formulierungen der nächste mediale Shitstorm nur einen Augenschlag entfernt scheint. Allein aus diesem Grund würde ich als Kicker, Trainer oder Rasentherapeut zur eigenen Sicherheit schweigen, ehe etwas gegen mich ausgelegt wird.

Umso mehr Respekt gebührt ihnen, wenn sie Stellung beziehen. Und verdeutlichen, dass sie nicht nur „etwas“ zur Thematik wissen, sondern sich eine umfassende Meinung dazu gebildet haben, die sie entsprechend begründen können. So tat es Freiburgs Trainer Christian Streich im Vorfeld des Heimspiels seines Sportclubs gegen Arminia Bielefeld in einer Pressekonferenz am 17. September.

Auch, wenn ich nicht haargenau den Wahrheitsgehalt der Ausführungen recherchiert habe, bleibt mir nach der Antwort eigentlich nur eines zu sagen: Chapeau Herr Streich. Wenn doch nur mehr Menschen auf der ganzen Welt diese Sichtweise hätten, wären wir wohl zumindest zwischenmenschlich eine riesige Ecke weiter.

Treffen sich zwei Fußballtrainer… Und sind nicht einer Meinung.

Was da genau am Samstagabend (29. März 2014) im Freiburger Mage-Solar-Stadion beim Abstiegskrimi zwischen dem SC Freiburg und dem 1. FC Nürnberg passierte, dürften wohl nur wenige Leute ganz genau wissen. Damit meine ich nicht die Begegnung auf dem Rasen, die die Breisgauer mit 3:2 für sich entschieden.
Vielmehr kam es vor/während/nach der Partie zu derart ausufernden Ungereimtheiten zwischen den Trainern beider Vereine, sodass sich Nürnbergs Gertjan Verbeek glatt dazu entschloss, der anschließenden obligatorischen Pressekonferenz fern zu bleiben, seinem Trainerkollegen Christian Streich sogar den Kollegenstatus absprach.

Eine Überreaktion von Verbeek? Oder gingen mit Streich möglicherweise die Emotionen durch, die ihn zu einer unpassenden Geste/Äußerung verleiteten?
Zumindest in der Nachbesprechung vor den Medienvertretern stellte er klar, sich keinem Fehlverhalten bewusst zu sein.

Eine wirklich skurrile Situation, da mir beide Coaches als grundsätzlich authentisch, humorvoll und besonnen in Erinnerung sind.
Einen von beiden also „einfach so“ den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre meines Erachtens voreilig. Einerseits monierte Verbeek zwar ebenso die Schiedsrichterleistung und war allgemein aufgrund der Niederlage sowieso emotional gefrustet. Andererseits kennt man ähnliche Ausführungen im Breisgau zu gut, in der Christian Streich zum Beispiel vor einigen Wochen noch äußerte, dass „irgendwelche Leute mit ihm ein Problem hätten“.

Klar ist auch: Wenn Verbeek etwas an einer Regung/Reaktion von Christian Streich missfiel, wird das meines Erachtens auch so abgelaufen sein, wenn er nicht in seinem holländischen Habitus etwas fehlinterpretierte.
Schließlich zeigte er sich bisher (für Nürnberg absolut typisch) bodenständig, ehrlich und realistisch, weswegen Streich hier nicht komplett das Unschuldslamm verkörpern dürfte, als dass er sich in der PK ausgibt.

Zur Abrundung des Ganzen befand sich unter den Presseleuten (witziger- wie unnötigerweise) ein scheinbar gefühlsmäßig aufgebrachter als Journalist verkleideter Nürnbergfan, der Streich für sein unflätiges Verhalten „zurechtwies“ und den Freiburgern den Abstieg prophezeite, bevor die Veranstaltung endgültig beendet wurde. Schade, dass das Event genau dann seinen Abbruch findet, als Streich reagieren möchte.

Das sinnvollste für beide Parteien (Streich, Verbeek) wäre wohl, wenn sie sich ihre Sichtweisen auf den Vorfall darlegen und ihre Streitigkeiten dadurch aus der Welt schaffen, um sich wieder voll und ganz auf den Abstiegskampf ihrer Teams zu konzentrieren. Denn wenn schon der sportliche Erfolg nicht eintritt, sollte zumindest durch solche unnötigen außersportlichen Lapalien nicht noch mehr Unruhe im jeweiligen Umfeld aufkommen.

Darum, Gertjan und Christian, vertragt und umarmt euch doch einfach. Letzterer weiß sogar schon ganz gut, wie das geht.

That’s what they call „Akribische Meisterschaftsvorbereitung“

Bei allem Hang zur Neutralität: Was der FC Bayern in dieser Spielzeit 2013/2014 für eine Siegesserie (bis jetzt) hinlegt, ist schlicht und einfach phänomenal. Wer nach dem „Triple“ unter „Jupp“ Heynckes meinte, das Team könne nicht mehr besser spielen, sieht sich in einer nahezu makellosen Statistik (alle Wettbewerbe seit 5. August 2013) von 33 Siegen, drei Unentschieden (Freiburg, Leverkusen, FC Arsenal) und nur einer einzigen Niederlage (letztes CL-Vorrundengruppenspiel gegen Manchester City) widerlegt. Und so macht „Pep“ Guardiola quasi genau da weiter, wo sein Vorgänger aufhörte: der konstruktiven Punktverlustminimierung, einhergehend mit einer Gewinnmaximierung (in Pokalen heißt das bis jetzt: 1x UEFA Super Cup und 1x Fifa Klub-Weltmeister 2013).

Die Folge: gewinnt der deutsche Rekordmeister am nächsten Bundesligaspieltag in Mainz bei gleichzeitigen Niederlagen vom BVB und Schalke 04, sind sie 8 (!) Spieltage vor Schluss vorzeitig deutscher Meister. Es ist also sowieso nur noch eine Frage der Zeit, bis Lahm, Schweinsteiger und Co. (für den FCB zum 24. Mal) die Schale gen Himmel strecken.

Im DFB-Pokal wartet im Halbfinale (am 16. April 2014) der 1. FC Kaiserslautern, bevor sie im Finale in Berlin (im Mai 2014) auf Dortmund oder Wolfsburg treffen könnten. In derzeitiger Verfassung wohl allesamt fußballerisch keine ebenbürtige Konkurrenz.

Der einzige Wettbewerb, in welchem voraussichtlich noch „Überraschungen“ oder so etwas wie Spannung zu erwarten ist: die Champions League.
Dort geht es im Viertelfinale vielleicht gegen Real Madrid, den FC Barcelona, Paris St. Germain, die derzeitigen Topvereine Europas. Zu diesen zählen sie als aktueller Champions-League-Titelverteidiger sowieso. Dennoch darf man gespannt sein, ob es ein Wiedersehen mit Barca gibt, die sie in der letzten Champions-League-Spielzeit im Halbfinale mit 4:0 und 3:0 haushoch aus dem Turnier zauberten (wohl auch, weil Leo Messi nicht annähernd topfit war).

Und so arbeiten sie tagtäglich hart an der Säbener Straße, um dem gewohnt (fast schon unmenschlich) hohen Erwartungsdruck gerecht zu werden. Mehr oder weniger zumindest. So lassen sich die Profis beim Training im Freien den Spaß nicht nehmen, was Thomas Müller kurzerhand ans Steuer eines Golfkarts führt.

Jetzt mag man denken: Typisch Müller! Diese Ulknudel! Der müllert doch sowieso, wie ihm gerade lieb ist und hat immer einen kessen Spruch auf Lager.
Stimmt schon, aber wenn selbst der (bisher) teuerste Transfer der Vereinsgeschichte locker lässig „nebenbei“ Basketball spielen darf, verdeutlicht das doch dezent, wie sehr sich die Münchener Fußballstars doch ihrer Dominanz und spielerischen Überlegenheit (zumindest national) bewusst sind (oder sich einfach nur bei Laune halten).

Umso erstaunlicher, mit welcher Sicherheit Javi Martínez satte sechs von zehn Dreierwürfen durch den Korbring zimmert.
Wobei: Für 40 Millionen Euro kauft man sich eben nicht nur einen genialen Fußballer, sondern scheinbar ein wahres Multitalent. Fehlt nur noch, dass er Franz Beckenbauer beim Golf abzieht oder lässig mit dem Skateboard zum Trainingsgelände backflippt.

Bei dem derzeitigen Formhoch dürfte den Akteuren des bayerischen Starensembles wohl nahezu alles gelingen. Ob das so bleibt, wissen wir spätestens Anfang Juni 2014, selbst wenn aus gegenwärtiger Perspektive scheinbar nichts die Siegessträhne in Gefahr bringen kann.

Das schönste Geburtstagsgeschenk vier Tage vorher

Neues aus Japan. Dort sorgt der (noch) 31-jährige Profifußballer Hisato Sato am Samstag (8. März 2014) für ein sportliches Highlight, als er das Spielgerät einfach mir nichts dir nichts mit einer Mischung aus Hoch- und Volleyschuss ins gegnerische Tor von Kawasaki Frontale bugsiert.

Ob er diesen Abschluss so plante, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall schien das Glück an diesem Tag nicht nur ihm, sondern ebenso dem gesamten Team vom amtierenden japanischen Meister aus Hiroshima ein treuer Begleiter gewesen zu sein. Denn anders lässt sich eigentlich nicht erklären, wie ein 2:1-Siegtreffer per direktem Freistoß in der fünften Minute der Nachspielzeit noch zustande kommen kann, der Sanfreece Hiroshima den zweiten Sieg im zweiten Saisonspiel beschert.

Und für Hisato Sato gibt es übermorgen (12. März 2014) gleich den nächsten Grund zur Freude: Sein 32. persönliches Jubiläum steht an. In diesem Sinne kann man nur hoffen, dass er auch im neuen Lebensjahr solche Tore fabriziert, die sein Team weiter Richtung nächstem Meistertitel und allen Fußballfans weltweit einige staunende Momente bringen.

P.S. Ein irgendwie ähnlich skurriles Tor gelingt gestern (9. März 2014) dem nicht unbedingt als technisches Genie bekannten Sebastian Kehl, der mit dem einzigen Tor des Tages seine Dortmunder zum 1:0-Sieg in Freiburg schießt.
Immerhin. Jetzt fehlen den Borussen nur noch 21 Punkte (aus den verbleibenden zehn Begegnungen, maximale Punkteausbeute: 30 Punkte), um die Bayern (diese müssten acht Mal unentschieden Spielen sowie zwei Mal verlieren) noch zu überholen. Das erscheint derzeit allerdings mindestens so realitätsnah wie ein Länderspieldebüt vom Fernschussblog-Autor.

Darf ich vorstellen: Lasogga, Ginter, Hahn… und Mustafi.

Am kommenden Mittwoch (5. März 2014) empfängt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Mercedes-Benz-Arena zu Stuttgart die südamerikanischen WM-Teilnehmer aus Chile. Ein überaus ernst zu nehmender Gegner, der immerhin über europäische Topstars wie den Ex-Leverkusener Arturo Vidal und Barcas Flügelflitzer Alexis Sánchez verfügen, die sich in bestechender Form befinden und definitiv Spiele entscheiden können.
Auf deutscher Seite nominierte Bundestrainer Joachim Löw vier neue Gesichter in die A-Mannschaft, mit denen man so teilweise nicht rechnete. So ist Sturmtank Pierre-Michel Lasogga ebenfalls dabei wie Freiburgs Defensivtalent Matthias Ginter, Augsburgs Erfolgsgarant André Hahn und… Shkodran Mustafi. Skhodran… Wer? Der 21-jährige Mustafi verdient aktuell in Italien bei Sampdoria Genua seine Brötchen (Ex-HSV Jugend) und erarbeitete sich dort einen Stammplatz in der Innenverteidigung.

Ein Grund, warum Augsburg in der Bundesliga gerade auf der Erfolgswelle schwimmt und nun auch für Deutschland auflaufen darf: André Hahn. Foto: © Facebook

Ein Grund, warum Augsburg in der Bundesliga gerade auf der Erfolgswelle schwimmt. Nun darf André Hahn am Mittwoch möglicherweise zum ersten Mal für sein Heimatland auflaufen. Foto: © Facebook

Vier Personalien, für die man den Teamchef loben kann und den so schon fußballerisch hochwertig bestückten Kader in der Breite weiter aufwerten. In den kommenden Länderspielen (13. Mai gegen Polen, 1. Juni gegen Kamerun, 6. Juni gegen Armenien) sollten und könnten allerdings auch meiner Meinung nach Spieler wie Max Meyer, Serge Gnabry oder Kevin Volland ohne Weiteres eine Nominierung erhalten, selbst wenn die Offensivpositionen (wie so oft zuletzt) teilweise schon (Luxusproblem!) drei- und vierfach besetzt sind.

Leistungsträger bei Hoffenheim und eines der aktuell größten Offensivjuwele Deutschlands: Kevin Volland. Ob er am 13. Mai zum Testspiel gegen Polen einen Anruf vom Bundestrainer erhält? Foto: © Facebook.

Leistungsträger bei Hoffenheim und eines der aktuell größten Offensivjuwele Deutschlands: Kevin Volland. Ob er am 13. Mai zum Testspiel gegen Polen einen Anruf vom Bundestrainer erhält? Foto: © Facebook.

Sollte Philipp Lahm im DFB-Dress ebenfalls in das zentrale Mittelfeld rücken und die Rechtsverteidigerposition „abgeben“, erscheinen Aushilfsrechtsverteidiger Kevin Großkreutz oder Frankfurts Sebastian Jung für mich die naheliegendsten Optionen, um diese Position halbwegs adäquat zu besetzen. Im Fall aller Fälle könnte mit Sicherheit ein Anruf bei Sascha Riether das Problem aus der Welt schaffen, der seit Sommer 2012 beim FC Fulham Stammrechtsverteidiger und auch unter Quälix Magath gesetzt ist.

Weitere Kandidaten, die ich mir in naher/ferne Zukunft im deutschen Trikot vorstellen kann: Emre Can, Robin Knoche, Jonathan Tah, Christoph Kramer, Timo Werner, Johannes Geis, Erik Durm.
Allesamt deuten an, dass in Deutschland die Fußballjugendarbeit phänomenal läuft und eine Vielzahl hochveranlagter Spieler hervorbringt, die uns zumindest in den nächsten zehn Jahren auf dem Rasen begeistern können.

Ob (eigentlich eingestandene) Profis wie Kevin Kuranyi, Robert Huth, Gonzalo Castro oder Kefan Stießling (mit den Namen mogelt er sich vielleicht in den Kader) jemals nochmal eine Nominierung erhalten?
Zumindest einen erfahrenen wie flexibel einsetzbaren Spieler wie Castro sollte Joachim Löw – wenn nötig – ebenso eine Chance, wenn selbst ein Heiko Westermann ab und an dabei sein darf, der sich in den letzten Jahren sportlich alles andere als mit Ru(h)m bekleckert.

In diesem Sinne darf man gespannt sein, wer von den Debütanten am Mittwoch gegen Chile aufläuft – und sich möglicherweise für weitere Einsätze empfiehlt. Eine eventuell einmalige Gelegenheit, die Lasogga, Ginter, Hahn sowie Mustafi unbedingt nutzen sollten, da der Konkurrenzkampf im Nationalteam größer nicht sein könnte – und etliche weitere ambitionierte Fußballer ihnen im Nacken sitzen, quasi nur auf ihre Nominierung warten.