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Ganz große Fußballkunst: Jérémy Ménez‘ Hackenzauber gegen Parma lässt den Zuschauer staunend zurück

Wenn man denkt, man hat nach Zlatan Ibrahimovics Distanz-Fallrückzieher oder dem zielfindenden Abstoß von Torhüter Asmir Begovic schon alle vorstellbaren Tore gesehen, kommt von irgendwo ein Jérémy Ménez daher und belehrt einen einfach mal eines Besseren. Jérémy wer?

Jérémy Ménez, 27 Jahre jung, mittlerweile 24-facher Nationalspieler Frankreichs und vor einigen Jahren eines der größten Fußballtalente des Landes. Ein Etikett, das er allerdings meist nur auf der Konsole bei Pro Evolution Soccer (vielleicht auch bei Fifa) bestätigen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit der Ménez-Nachbildung im Spiel die Außenbahnen unsicher machte, den Gegenspielern davondribbelte, ab und an auch mal das Spielgerät mit ihm im Gehäuse parkte. Allesamt so Dinge, die sich Ménez auch in der Realität gewünscht hätte, aber nicht konstant aufs Spielfeld gebracht hat. So sammelt der temperamentvolle Franzose in Italien (AS Rom) und in der Heimat (Paris St. Germain) zwar insgesamt 99 Scorerpunkte (45 Tore, 44 Assists) in 277 Partien, aber ebenso 55 Einträge in den Notizbüchern der Schiedsrichter (53 gelbe, jeweils ein gelb-roter und roter Karton).

Weil die Spielzeit 2013/2014 bei Paris für ihn zum Vergessen ist und er nur in Notfällen in der Startelf steht, wechselt er zum 1. Juli 2014 zurück nach Italien. Dieses Mal nicht nach Rom, sondern zum AC Mailand.
An der Seite von Fußballgrößen wie Nigel de Jong oder Keisuke Honda sorgt er hier zuletzt dafür, dass erst einmal kein mailändischer Hahn nach Neuzugang Fernando Torres kräht. Denn als wendiger, trickreicher und dribbelstarker Spieler präsentiert er sich in den ersten beiden Saisonspielen der Serie-A das Sturmzentrum Milans und trägt maßgeblich zu den beiden Auftaktsiegen bei.

Bei der gestrigen (14. September 2014) Auswärtsschlacht in Parma (Endstand 5:4 für den AC Milan) netzt er doppelt ein und bereitet einen Treffer vor. Mit seinem Treffer zum 5:3 sorgt er in der 79. Minute für die Vorentscheidung, auch wenn Parma durch Mattia de Ceglie zehn Minuten später noch auf 4:5 verkürzen kann.

Dieses Tor zum 5:3 war definitiv die sehenswerteste Bude, die ich in letzter Zeit gesehen habe und bei dessen Nachahmung ich wohl gleich mehrfach scheitern würde (Torwart umrennen, Ball Richtung Tribüne ballern, gegen den Pfosten laufen o.ä.). Sei es drum: Jérémy Ménez ist das alles nicht passiert. Er wittert den Fehlpass und verwertet ihn zum Solo-Kunststück allererster Güte. In Kurzform heißt das: Torwart umkurven und ihm noch eine vermeintliche Chance lassen, um dann lässig per Hackenschuss einzuschieben. Klingt unverschämt gut? Bei aller Liebe zu Fernschüssen: Das war es auch.

Pirlonischer Geniestreich, Teil II.

Erst vor wenigen Tagen (am 17. März 2014) berichtete ich euch davon, wie Italiens Mittelfelddirigent und (zurecht!) ernannter Standardsituationsexperte Andrea P. seiner „Alten Dame“ in der Serie A durch einen Lehrbuchfreistoß den 1:0-Sieg gegen Udinese Calcio sicherte.
Viele Zuschauer überkam es daher am Donnerstagabend (20. März 2014) wie ein Déjà-vu! Dort fand in Florenz gegen 19 Uhr das Europa-League-Rückspiel statt. Zu Gast: Juventus Turin. Nach dem 1:1-Hinspielremis ging es hier also um alles oder nichts.

Und es entwickelte sich zum zähen Schlagabtausch, bei dem Mario Gómez seitens der Florentiner von Beginn an auflief und in der 63. Minute (in Form einer Auswechslung) Feierabend hatte, nicht entscheidend zum Spielverlauf beitragen konnte.

Nur wenige Minuten später (genauer: in der 71. Spielminute) knallte es auf dem Platz. Was war Geschehen? Böller? Achillessehne durch? Nein. Der Geduldsfaden von Andrea Pirlo war gerissen. Nun war es Zeit, das Spiel endlich zu entscheiden. Was dann geschah? Schaut selbst. Nur so viel sei vorweg gesagt: Freistoß, rechtes Torwarteck, 1:0-Endstand (der Juventus den Einzug ins Viertelfinale katapultierte).

Fortsetzung vielleicht schon heute Abend, wenn Juve in der Liga zum Tabellenschlusslicht nach Catania reist. Wobei dort die Kollegen Vidal, Tévez oder Llorente möglicherweise auch so mal wieder ins Schwarze treffen dürften, wenn es nicht wieder „Papa Pirlo“ regeln soll.

Lass das mal den Pirlo machen, der Pirlo macht das gut.

89. Minuten gähnende Langeweile und ein Spiel, das mindestens so taktisch geprägt ist wie das Finale der Schachmeisterschaften. So oder so ähnlich könnte man die gestrige Begegnung (16. März 2014) zwischen dem CFC Genua und Juventus Turin (immerhin amtierender Meister sowie derzeitiger Tabellenführer der Serie A) wohl beschreiben.

Doch das Langeweilehoch auf den Rängen verfliegt, als der Schiedsrichter (quasi schon nahezu zum Abpfiff bereit mit dem Mund an der Pfeife) der „Alten Dame“ kurzerhand ein Geschenk in Form eines Freistoßes macht.
Ein Fall für Standardsituationsexperte Andrea Pirlo, bei dem sich das bestimmt täglich achtstündige Freistoßtraining mal wieder auszahlte, da er die Kugel mit seinem rechten Scharfschützenschlappen aus etwa 23 Metern unhaltbar im linken Toreck parkt und damit seinem Team den später 1:0-Auswärtssieg beschert.

Wichtige Punkte auf dem Weg zum Meistertitel, dem die Turiner ein Stückchen näher kommen, wenn die „Roma“ heute Abend gegen Udinese Calcio Federn lässt.
Und sollte es in den kommenden Partien doch mal wieder „enger“ werden, dürfte möglicherweise wieder die Zeit für einen weiteren pirlonischen Geniestreich gekommen sein.

Darf ich vorstellen: Lasogga, Ginter, Hahn… und Mustafi.

Am kommenden Mittwoch (5. März 2014) empfängt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Mercedes-Benz-Arena zu Stuttgart die südamerikanischen WM-Teilnehmer aus Chile. Ein überaus ernst zu nehmender Gegner, der immerhin über europäische Topstars wie den Ex-Leverkusener Arturo Vidal und Barcas Flügelflitzer Alexis Sánchez verfügen, die sich in bestechender Form befinden und definitiv Spiele entscheiden können.
Auf deutscher Seite nominierte Bundestrainer Joachim Löw vier neue Gesichter in die A-Mannschaft, mit denen man so teilweise nicht rechnete. So ist Sturmtank Pierre-Michel Lasogga ebenfalls dabei wie Freiburgs Defensivtalent Matthias Ginter, Augsburgs Erfolgsgarant André Hahn und… Shkodran Mustafi. Skhodran… Wer? Der 21-jährige Mustafi verdient aktuell in Italien bei Sampdoria Genua seine Brötchen (Ex-HSV Jugend) und erarbeitete sich dort einen Stammplatz in der Innenverteidigung.

Ein Grund, warum Augsburg in der Bundesliga gerade auf der Erfolgswelle schwimmt und nun auch für Deutschland auflaufen darf: André Hahn. Foto: © Facebook

Ein Grund, warum Augsburg in der Bundesliga gerade auf der Erfolgswelle schwimmt. Nun darf André Hahn am Mittwoch möglicherweise zum ersten Mal für sein Heimatland auflaufen. Foto: © Facebook

Vier Personalien, für die man den Teamchef loben kann und den so schon fußballerisch hochwertig bestückten Kader in der Breite weiter aufwerten. In den kommenden Länderspielen (13. Mai gegen Polen, 1. Juni gegen Kamerun, 6. Juni gegen Armenien) sollten und könnten allerdings auch meiner Meinung nach Spieler wie Max Meyer, Serge Gnabry oder Kevin Volland ohne Weiteres eine Nominierung erhalten, selbst wenn die Offensivpositionen (wie so oft zuletzt) teilweise schon (Luxusproblem!) drei- und vierfach besetzt sind.

Leistungsträger bei Hoffenheim und eines der aktuell größten Offensivjuwele Deutschlands: Kevin Volland. Ob er am 13. Mai zum Testspiel gegen Polen einen Anruf vom Bundestrainer erhält? Foto: © Facebook.

Leistungsträger bei Hoffenheim und eines der aktuell größten Offensivjuwele Deutschlands: Kevin Volland. Ob er am 13. Mai zum Testspiel gegen Polen einen Anruf vom Bundestrainer erhält? Foto: © Facebook.

Sollte Philipp Lahm im DFB-Dress ebenfalls in das zentrale Mittelfeld rücken und die Rechtsverteidigerposition „abgeben“, erscheinen Aushilfsrechtsverteidiger Kevin Großkreutz oder Frankfurts Sebastian Jung für mich die naheliegendsten Optionen, um diese Position halbwegs adäquat zu besetzen. Im Fall aller Fälle könnte mit Sicherheit ein Anruf bei Sascha Riether das Problem aus der Welt schaffen, der seit Sommer 2012 beim FC Fulham Stammrechtsverteidiger und auch unter Quälix Magath gesetzt ist.

Weitere Kandidaten, die ich mir in naher/ferne Zukunft im deutschen Trikot vorstellen kann: Emre Can, Robin Knoche, Jonathan Tah, Christoph Kramer, Timo Werner, Johannes Geis, Erik Durm.
Allesamt deuten an, dass in Deutschland die Fußballjugendarbeit phänomenal läuft und eine Vielzahl hochveranlagter Spieler hervorbringt, die uns zumindest in den nächsten zehn Jahren auf dem Rasen begeistern können.

Ob (eigentlich eingestandene) Profis wie Kevin Kuranyi, Robert Huth, Gonzalo Castro oder Kefan Stießling (mit den Namen mogelt er sich vielleicht in den Kader) jemals nochmal eine Nominierung erhalten?
Zumindest einen erfahrenen wie flexibel einsetzbaren Spieler wie Castro sollte Joachim Löw – wenn nötig – ebenso eine Chance, wenn selbst ein Heiko Westermann ab und an dabei sein darf, der sich in den letzten Jahren sportlich alles andere als mit Ru(h)m bekleckert.

In diesem Sinne darf man gespannt sein, wer von den Debütanten am Mittwoch gegen Chile aufläuft – und sich möglicherweise für weitere Einsätze empfiehlt. Eine eventuell einmalige Gelegenheit, die Lasogga, Ginter, Hahn sowie Mustafi unbedingt nutzen sollten, da der Konkurrenzkampf im Nationalteam größer nicht sein könnte – und etliche weitere ambitionierte Fußballer ihnen im Nacken sitzen, quasi nur auf ihre Nominierung warten.

„Letztens“ noch bei Energie Cottbus, jetzt bei Lazio Rom?

Als ich am Sonntagabend (23. Februar 2014) zufällig den Ticker zum Serie-A-Spiel zwischen Lazio Rom und US Sassuolo verfolge, sticht mir der Name „Radu“ ins Auge. Moment. Radu? Der sich vor Jahren bei Energie Cottbus zum Überraschungstransfer entwickelte, spielt nun bei Lazio?

Schon nach (sehr) kurzer Recherche stelle ich fest: Meine Intuition trügt. Denn Mittelstürmer Sergiu Radu, den ich aus Cottbusser Bundesligazeiten kenne, ist mittlerweile längst im Profifußballerruhestand und hat mit seinem Namensvetter Stefan wohl nur insofern etwas gemeinsam, als dass beide in Rumänien das Licht der Welt erblicken (und ein gewisses Fußballtalent in die Wiege gelegt bekommen).

Der eine mehr, der andere weniger. Denn schon am 1:0 von Stefan Radu erkennt man relativ schnell, dass der aktuelle Linksverteidiger der Biancocelesti und Teamkollege von Miro‘ Klose mit dem runden Leder einiges mehr anzustellen weiß. Zum Beispiel ihn aus über 30 Metern einfach mal unhaltbar ins gegnerische Gehäuse zu ballern.

Dafür verfügt er allerdings auch über eine „stolze“ Krankenakte, mit der er in einigen Jahren (wenn es so weitergeht) locker „Dauerpatient“ Arjen Robben überholt.
Eine Tendenz, um die sich Sergiu Radu nie Sorgen machen musste – und sich daher wohl noch heute auf dem Weg zum Spielervermittler einer tadellosen Gesundheit erfreut.