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Saisonausklänge im Kontrast: graue Nullnummer der Hertha und Schönwetter-Kick bei Union

Leute: Ist das zu glauben? Da hat die Saison 2014/2015 „eben“ mit Bellarabis Neun-Sekunden-Tor begonnen, da ist sie seit Samstag (23. Mai) auch schonwieder vorbei. Ok, dazwischen liegen 273 Tage und 34 unterhaltsame Spieltage in der höchsten deutschen Spielklasse.

Ich erinnere mich noch, wie ich zum Saisonstart im Berliner Olympiastadion gewesen bin, um Hertha und Werder für 90 Minuten meine Aufmerksamkeit zu schenken. Das hatte damals (Endstand 2:2) mächtig Spaß gemacht, sodass ich mich traditionell auch zum letzten Heimspiel der Spielzeit ins Berliner Olympiastadion begeben habe. Das fand am vergangenen Samstag (16. Mai, 15:30 Uhr) statt. Zu Gast: Eintracht Frankfurt (längst gerettet), gegen die Hertha, die ihren Klassenerhalt schaffen wollte. Wollten sie? Es wurde ein fußballerisch fragwürdiger Nachmittag, der komplett das Gegenteil davon bot, was ich wiederum gestern (24. Mai) im Closing-Heimspiel von Union Berlin gegen Eintracht Braunschweig erlebt habe.

Mehr als 60.000 Zuschauer hatten sich an diesem Samstagnachmittag im Olympiastadion eingefunden, um Bundesligafußball und im Idealfall eine abwechslungs- und torreiche (Hinspiel in Frankfurt: 4-4) Partie zu sehen. Stattdessen folgte eine quasi 90-minütige Dauerhypnose, in der man die Torchancen an wirklich einer Hand (Kalou, drei Mal grandios gescheitert) abzählen konnte. Die Frankfurter agierten zusammengefasst so, als wären sie vom Anpfiff an mit dem 0:0 zufrieden gewesen und schossen gefühlt kein einziges Mal auf den Kasten von Thomas Kraft.

Als Highlight muss man auf jeden Fall das Engagement der Frankfurt-Fans erwähnen, die (im Gegensatz zu den Akteuren auf dem Rasen, Schiedsrichter ausgenommen) eine wirklich erstligareife Leistung präsentierten. Natürlich: Über den Einsatz von Rauchbomben und Pyrotechnik lässt sich streiten. Dennoch zeigten sie vor dem Anstoß eine nette Choreografie, wohingegen Herthas Ostkurve (meiner Erinnerung zufolge) darauf komplett verzichtete.

Frankfurter Fans machen Stimmung

Ganz ehrlich: Da hatte ich zum Abschluss-Heimspiel mehr erwartet. Und das auch fußballerisch! Immerhin tröstete mich ein umso spektakulärerer Geburtstag über die (nahezu) verschenkte Zeit im Olympiastadion hinweg. Dennoch: Sollte das der Saisonausklang gewesen sein, sollte ich mein letztes Live-Heimspiel in dieser Spielzeit in dermaßen semioptimaler Erinnerung behalten?

Nein. Aus diesem Grund machte ich mich gestern (24. Mai) noch einmal auf den Weg nach Köpenick, um zu schauen, was die Unioner zum Saisonausklang gegen Braunschweig veranstalten würden. Und kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass hier wirklich alles unglaublich genial gewesen ist. Tickets am Samstag besorgt, dann brillierte der Sonntag durch allerbestes Kaiserwetter und durch etwas Glück landete ich erneut direkt in der Unioner Fankurve. Das versprach insbesondere in Sachen Stadion-Feeling wieder ein denkwürdiger Nachmittag zu werden.

Im mit über 21.600 Zuschauern ausverkauften Stadion an der Alten Försterei wurde ich zudem Zeuge einer munteren Begegnung, in der sich die Gäste aus Braunschweig ein Chancenübergewicht in Halbzeit eins erspielten, jedoch keine Tore fielen. „Wieder ein Live-Spiel ohne Tore?“ geisterte mir zur Halbzeit durch den Kopf.

Ein Glück: Kurz nach Wiederanpfiff fiel durch Schönheim der Führungstreffer für Union Berlin (#bierdusche, Teil 1), nachdem Braunschweigs Kessel ein Rückpass verunglückte. Es bildete den Auftakt einer Drangphase der Berliner, die in der 59. Minute durch Polter zum 2:0 (#bierdusche, Teil 2) nachlegten. Und auch danach noch 2-3 wirklich große Chancen hatten, um das Ergebnis auszubauen, aber jeweils äußerst knapp scheiterten. Von den Braunschweigern war in Halbzeit zwei insgesamt nicht mehr viel zu sehen. Sie schienen doch etwas überrumpelt vom Powerplay der „Eisernen“, die ihre Fans letztlich mit einem fantastischen Heimsieg verabschiedeten und sich zu jeder Spielminute voll und ganz reingehangen haben.

Union letztes Heimspiel gegen Braunschweig

Foto: (c) Union Berlin / Facebook

Gut: Für Union und Braunschweig ging es sportlich um nichts mehr. Wohl auch ein Grund für die durch und durch muntere Begegnung vom Sonntagnachmittag. Andererseits hätte ich mir von Hertha BSC und Eintracht Frankfurt als Bundesligisten (und damit offiziell mit die besten Fußballclubs Deutschlands) doch fußballerisch mehr erhofft als dieses Trauerspiel, das eher zum Einschlafen als zum Jubeln (generell: zur Lebensfreude) animierte.

Ein Glück gehe ich durch das Union-Heimspiel (doch) noch mit jeder Menge positiver Eindrücke aus der Fußball-Spielzeit 2014/2015, die jetzt noch einige Knallerspiele (Relegation, Finalspiele in UEL, DFB-Pokal und CL) bereithält, bevor bis Ende Juli / Anfang August „Sense ist“. Und man gespannt sein darf, was sich in Sachen Spieler- und Trainertransfers noch so passiert.

Alles hat ein Ende. Auch die Fußballerkarriere von Ryan Giggs.

Ryan Joseph Giggs hat am 6. Mai 2014 mit mittlerweile 40 Jahren seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Klar. Irgendwann musste ja Schluss sein. Schließlich hat er im Laufe seiner Karriere, die er auf vereinsmannschaftlicher Ebene einzig und allein bei den „Red Devils“ bestreitet, diverse Triumphe gefeiert. In Zahlen lesen sich seine sportlichen Erfolge (Auszüge sollen hier genügen) wie folgt: dreizehn englische Meisterschaften, drei Mal Spieler der Saison in England, dreimaliger Weltpokalsieger, zweifacher Champions-League-Sieger. Kurzum: Selbst, wenn er mit seinem Heimatland Wales nicht ein einziges Mal eine Europa- oder Weltmeisterschaftsendrunde erreicht, dürfte die heimische Pokalvitrine des gebürtigen Cardiffers aus allen Nähten platzen.

Doch Giggs verabschiedet sich nicht irgendwie. Seit einigen Wochen war er bereits interimsmäßig Spielertrainer bei Manchester United, also Trainer und Feldspieler zugleich. In seinem letzten Heimspiel (das Nachholspiel gegen Hull City) überraschte er nicht nur, als er Man United-Youngster wie Landsmann Tom Lawrence oder Mittelstürmer James Wilson ins kalte Wasser wirft. Jener James Wilson, der anschließend in seinem ersten Premier-League-Spiel zwei Tore erzielt.

Doch damit nicht genug. In der 70. Spielminute wechselt Giggs (als Trainer des Teams) sich selbst (im Vergleich zu Günter Netzer damals aber vollkommen regelkonform) ein.
Nun mag man denken: Ja klar, er wollte sich noch einmal selbst feiern lassen, zum Abschied noch einmal entspannt in Old Trafford gegen den Ball treten und den Sieg nach Hause schaukeln.
Weit gefehlt. Denn eine Viertelstunde später legt er Superstar Robin van Persie mit einem feinen Zuspiel den 3:1-Treffer auf. Die Entscheidung! Und ein Wahnsinnsfinale für Ryan Giggs.

Anschließend verabschiedet er sich per Mikrofon von allen Anwesenden und stellt klar, dass der enttäuschende Saisonverlauf in dieser Spielzeit eine Ausnahme darstellen soll, um in der neuen Saison voller Tatendrang anzugreifen.

Denn selbst wenn wir mal nicht gewinnen, geben wir immer alles. Darum unterstützt uns unbedingt weiter, damit die erfolgreichen Zeiten bald zurück sind.“

Klar ist: Giggs kennt Manchester United in- und auswendig. Er genießt ein Ansehen, das wohl niemand (außer Sir Alex) anderes in annähernder Form zukommt. Trotzdem muss er sich an den Trainerjob erst einmal gewöhnen und sich entsprechend einarbeiten. Darum soll Tulpen-General Louis van Gaal als erfahrener, selbsternannter Trainergott in Person die „Red Devils“ ab Sommer 2014 zurück auf die Erfolgsspur führen.

Gut für Giggs, der erst einmal Pause machen und seine „zweite Karriere“ wahrscheinlich in aller Ruhe vorbereiten kann. Kaum vorstellbar, dass Manchester United dabei keine Rolle spielt – oder er irgendwann als ausgebildeter, fester Trainer zurückkehrt.